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Rezensionen

Madame Vignon und „Monsieur Debussy" konzertieren im Instrumentenmuseum

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· 3 Min. Lesezeit
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Madame Vignon und „Monsieur Debussy" konzertieren im Instrumentenmuseum

Es war als Konzert der französischen Pianistin Elodie Vignon angekündigt, eingeleitet durch den italienischen Musikwissenschaftler Andrea Malvano, beide Kenner von Debussy.Das wurde es nicht.

Malvano war verhindert, Vignon war da und würde dann selbst über ihren großen Idol sprechen. Und ja, warum nicht, wenn du kürzlich eine Doppel-CD mit dem Titel "Monsieur Debussy" veröffentlicht hast. Dann musst du doch alles über diesen Komponisten wissen und das weitergeben wollen.

Für den Ausführenden bei einer CD-Rezension werden oft Superlative hervorgeholt, für den Komponisten genügt meist eine ehrende Erwähnung. Aber das ist doch zu wenig für Claude Debussy. Was hat dieser Franzose nicht für die Entwicklung der Musik in seiner Zeit bedeutet? Oft hören wir behaupten, dass Stravinsky mit besonders seinem "Sacre du printemps" der Vorreiter der Moderne in der Musikgeschichte war. Aber war es nicht vielmehr sein Zeitgenosse Debussy, der mit seinen neuen, noch unerforschten Klängen für den Bruch in dieser Geschichte sorgte? Ganz gewiss, sagt unsere Pianistin: „Le Sacre war 1913, Debussy mit seinem ‚Prélude à l'après-midi d'un faune' war bereits 1894. Für Boulez ist das das erste Stück im Aufstieg zur Moderne. Damit nahm Musik eine andere Wendung, Musik wurde intuitiv, man wird in ein neues Universum versenkt, es gibt keine Geschichte mehr, seine Musik weckt alle Sinne und fordert deine Vorstellungskraft heraus, du riechst die Gerüche, du fühlst die Wellen über dich gleiten, den Schnee unter deinen Füßen knistern, Nebel und Dunst umarmen dich, du hörst die Natur…" Du hörst Elodie Vignon das auch so spielen, sehr konzentriert, ohne ausschweifende Gesten, fast unbewegt, aber mit großer Intensität und Virtuosität.

Obwohl es in dem stimmungsvollen Saal des Instrumentenmuseum noch Nachmittag ist, werden „Les sons et les parfums qui tournent dans l'air du soir" tatsächlich pianistisch wunderbar zum Leben erweckt. Vignon streut fast improvisierend und schwermütig einzelne Noten in diese abendliche Atmosphäre. Es stammt aus dem ersten Buch der „Préludes", dessen Titel einer Dichterzeile von Baudelaire entlehnt ist. Ein Juwel von noch keine zwei Minuten. Es glänzen und funkeln noch andere Juwelen wie das „Les poissons d'or" aus seinen „Images". Ein brillantes Werkchen, funkkelnd gespielt. Du brauchst keine Vorstellungskraft, um dich sofort als flinker Fisch im bewegten Wasser versenkt zu wissen. Es ist auch eines jener vielen Miniaturen aus ihrem gerade veröffentlichten Doppelalbum „Monsieur Debussy".

In ihrem Konzertprogramm war Platz für zwei andere Komponisten. Zuerst ein Stück Chopin, dessen empfindliche Klaviermusik oft eine Inspirationsquelle für Debussy war: reine Klangpoesie mit diesem unmittelbar erkennbaren Chopin-Idiom. Vignon spielt es sehr verhalten, ohne jegliche Ausgelassenheit. Es folgte noch eine Hommage an Albéniz, sowohl beruflich als auch persönlich ein enger Freund von Debussy. Es war auch wunderbar zu sehen und zu hören, wie subtil die Pianistin mit den Pedalen umging, um all diese wunderschönen Klänge resonieren zu lassen. Das konnte sie nicht besser illustrieren, als uns diese Vielfalt an Möglichkeiten aus seiner „Children's Corner" hören zu lassen: jähe Synkopen, stille Nuancen, fröhliche Melodien, der lebhafte „cake-walk" dieser Werkchen.

Abschließend kam natürlich noch das allbekannte „Claire de Lune" aus seiner „Suite bergamasque". Ein „Schlager", den du überall findest und hörst? Ja, aber Schlager sind nun mal Erfolgswerke, ein Hit, kurz gesagt vom Besten. Aber welch ein Verdienst von Madame Vignon, auch Aufmerksamkeit auf all die weniger bekannten Werke für Soloklavier von „Monsieur Debussy" zu lenken, das erste Album einer Gesamtausgabe dieses Werks.

Details

Wer
Elodie Vignon, pianiste
Wo
MIM Instrumentenmuseum, Brussel
Gesehen am
18 Januar 2026
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