Kann Musik die Welt retten? Ja! Unbedingt ja! Die Antwort haben Sie wahrscheinlich erwartet. Und eine andere gibt es auch nicht. Das Warum lesen Sie unten.
Dieser Gedanke ging mir mehr als einmal durch den Kopf während Harmonische Freude, dem Konzert von Dorothee Mields und Hathor Consort in der Kapelle des Hof Bladelin in Brügge. Es klingt nach einer großen Aussage, gerade in einer Zeit, in der Konflikte, Polarisierung und Misstrauen lauter klingen als Nuance und Dialog. Doch genau darum ging es an diesem Nachmittag: Freundschaft. Freundschaft zwischen Komponisten, Freundschaft zwischen Musikern und vor allem die Möglichkeit, über Kunst hinweg Unterschiede zu überwinden und einander zuzuhören. Wenn man zusammen singt oder musiziert, bleibt keine Zeit für Streit, nur für ein Lächeln (und ab und zu ein wenig gesunden Stress).
Das einführende Gespräch mit Amory Gillot, dem Macher des Podcasts Discours met de Boys, erwies sich daher als weit mehr als eine Nebenaktivität. Es bildete die perfekte Einleitung zu dem, was musikalisch folgen sollte. Kann Harmonie ohne Diskurs entstehen? Die Antwort kam eine Stunde später nicht in Worten, sondern in Musik.
Trotz des Brügger Marathons und einer Innenstadt, die für viele schwer erreichbar war, fand dennoch ein schönes Publikum den Weg zum Hof Bladelin. Kein Wunder, denn wenn Dorothee Mields nach Flandern kommt und dabei vom wunderbaren Hathor Consort unter der Leitung von Romina Lischka begleitet wird, möchte man das nicht verpassen.
Mields zählt seit Jahren zu den beliebtesten Interpretinnen des Repertoires des 17. und 18. Jahrhunderts. Ihre Aufnahmen unter anderem mit der Nederlandse Bachvereniging, Collegium Vocale Gent und Bach Collegium Japan gelten als Referenzen. Zugleich hat auch das Hathor Consort einen beeindruckenden Werdegang vorzuweisen. Die Kombination aus vier Streichern und Cembalo ergibt einen Klangkosmos von intensiver Wärme, Transparenz und Farbe.
Das Konzert begann mit dem achtstimmigen Kanon, der auf dem Gemälde Musikalische Freundschaft von Johannes Voorhout abgebildet ist. Ein vielleicht etwas ungewöhnlicher Beginn, aber ein äußerst gelungener. Sofort wurde deutlich, worum es an diesem Abend ging. Die Stimme von Mields verschmolz organisch mit den sanften Gamben. Kein Kampf zwischen Solistin und Begleitung, sondern ein fortwährendes Gespräch zwischen Instrumenten und Gesang.
Buxtehudes Herr, wenn ich nur dich hab (BuxWV 38) war die erste große Eröffnung des Abends. Buxtehude kenne ich vor allem aus seinen chorischen Meisterwerken wie Membra Jesu Nostri. Seine Sololieder sind mir weniger vertraut. Gerade deshalb war es so erfrischend, dieses Repertoire auf so selbstverständliche und überzeugende Weise erschlossen zu hören. Mields sang mit eindrucksvoller Textausdeutung und Diktion, mit den richtigen Effekten, ohne jemals zu übertreiben. Jede Verzierung schien aus dem Text selbst hervorzugehen.
Vielleicht noch beeindruckender war der Zusammenhalt des Ganzen. Das Ensemble war sich nur wenige Tage vor dem Konzert begegnet, um dieses Programm einzustudieren. Das war kaum zu glauben. Natürlich können Details noch weiter reifen, je öfter das Programm aufgeführt wird. Manche Übergänge werden sich wohl noch organischer anfühlen. Doch die Basis stand bereits vollständig. Mehr noch: Es gab ein selbstverständliches Zusammenspiel, das man nicht einstudieren kann. Es entsteht nur, wenn exzellente Musiker (und Freunde) einander wirklich zuhören.

Dieses Zuhören war ständig spürbar. In der Sonata Nr. 4 in d-Moll von Reincken zum Beispiel. Das Allegro wurde mit ansteckender Energie gespielt, aber ohne Hetze. Die vier Gamben blieben perfekt verständlich. Keinen Moment ließ die Spannung nach. Nirgends schlich sich Routine oder Gewöhnung ins Spiel. Im Gegenteil. Die Musiker blieben neugierig aufeinander und luden das Publikum ein, dasselbe zu tun.
Auch die Bühnenpräsenz von Mields trug maßgeblich dazu bei. Sie stand nicht distanziert vor dem Ensemble, sondern war sichtbar Teil des Ganzen. Ihre Ausstrahlung war pure Freude. Regelmäßig suchte sie den Kontakt zum Publikum und zu ihren Kollegen. Diese Freude und das Lächeln wirkten ansteckend.
Ein Moment, der mich besonders berührte, kam am Ende der Ciaconna von Erlebach. Mields trat, sichtlich bewegt von den letzten Tönen, wieder nach vorne. Man sah, wie ergriffen sie war, und sie ließ uns daran teilhaben. Plötzlich wurde deutlich, wie nah Freude und Rührung manchmal beieinanderliegen. Und das wurde buchstäblich, als sie voller Feuer mit Buxtehudes O fröhliche Stunden begann.
Es waren wirklich fröhliche Momente. Der lange Applaus sprach Bände. Die Zugabe wurde von einem Publikum sichtlich genossen, das noch nicht nach Hause wollte.
Ich möchte auch kurz bei der Organisation hinter Early Music - Last Minute innehalten. Mit diesem Konzert feierten sie ihre dreißigste Veranstaltung. Das verdient Respekt. Ohne große Sponsoren und ohne strukturellen Überfluss an Mitteln gelingt es ihnen, Musikern eine Bühne zu bieten, die diese mehr als verdienen. Manchmal sind es etablierte Namen, manchmal Künstler, die es schwerer haben, die großen Konzertsäle zu erreichen, aber deshalb nicht weniger inspirierend oder virtuos sind.
Een welgemeende pluim dus voor de bezielers van dit initiatief. Niet alleen voor de concerten zelf, maar ook voor de overtuiging en de diepere reden die erachter schuilt en die de bezielster van het festival zo open deelde. Muziek wordt door haar niet louter gezien als cultureel decor, maar als een manier om mensen samen te brengen en een hoger doel te bereiken. Voldoende ingrediënten om het daar weldra ook eens over te hebben.
En dan was er nog een jarige. Bart Stouten vierde zijn zeventigste verjaardag, omringd door prachtige muziek en zichtbaar genietend van elk moment. Iedereen in de zaal leek hem dat van harte te gunnen. Proficiat, Bart, en dank voor de mooie introductie op het concert.
Proficiat ook aan Hathor Consort, aan Dorothee Mields en aan iedereen die deze namiddag mogelijk maakte.
Mocht dit programma van het Hathor Consort en Dorothee Mields de komende maanden elders opduiken, aarzel dan niet. U zult niet alleen horen hoe mooi deze muziek is. U zult vooral voelen waarom mensen al eeuwenlang blijven geloven in vriendschap, dialoog en verbondenheid.
En misschien, heel misschien, ook waarom muziek de wereld toch nog kan redden.

Dit concert werd ook opgenomen door Concertzender en zal later uitgezonden worden. Volg de website, download de handige app en mis de uitzending van dit concert niet!