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Rezensionen

Eine Tosca, die man nie vergisst

Eine schlichte Inszenierung, eine glänzende Sächsische Staatskapelle Dresden und vor allem eine beeindruckende Vanessa Goikoetxea: Die Semperoper erlebte einen Puccini-Abend, der in ihre Annalen eingehen darf.

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· 8 Min. Lesezeit
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Eine Tosca, die man nie vergisst
© Semperoper Dresden/Klaus Gigga

Er zijn opera-avonden waarop alles op zijn plaats valt. Waarop de muziek, de stemmen en het drama elkaar versterken en je als toeschouwer helemaal wordt meegezogen in het verhaal. Die Tosca die ich in der Semperoper erleben durfte, war so ein Abend. Mit einem hervorragenden John Fiore am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden, einem starken Riccardo Massi als Mario Cavaradossi und einem eindringlichen Gevorg Hakobyan als Scarpia, vor allem aber mit einer außergewöhnlichen Vanessa Goikoetxea in der Titelrolle.

Die Musik voran

Die Inszenierung von Johannes Schaaf, ursprünglich im Jahr 2009 entstanden, ist auffallend schlicht. Das Bühnenbild von Christof Cremer besteht aus einem modernistisch anmutenden Betoninterieur einer Kirche, mit einem Gerüst und einem Fresko als wichtigsten Elementen. Mehr braucht es eigentlich nicht. Nur während des Te Deum wird der klassische theatralische Aufwand gesucht, und genau dort gehört er auch hin. Auch im zweiten und dritten Akt bleibt die Ausstattung minimalistisch. Eine gute Entscheidung, denn so wird die Aufmerksamkeit nirgends von dem abgelenkt, worauf es wirklich ankommt: Musik und Drama.

John Fiore holt wahrhaft das Beste aus der Staatskapelle Dresden heraus. Er lässt die Partitur in all ihren Farben erstrahlen, von den feinen orchestralen Details bis zu den großen dramatischen Ausbrüchen. Besonders im Te Deum wird deutlich, wie souverän er die verschiedenen musikalischen Ebenen beherrscht. Die Massenszene entfaltet all die Großartigkeit, die Puccini in sie gelegt hat, während der Stimme des Scarpia genügend Raum bleibt. Fiore hält den musikalischen Dialog zwischen Orchester und Sängern ständig im Gleichgewicht. Das Ergebnis ist eine Aufführung, in der sich die verschiedenen Elemente gegenseitig verstärken.

Zwischen Menschlichkeit und Bedrohung

Riccardo Massi ist ein ausgezeichneter Mario Cavaradossi. Seine Stimme besitzt die Kraft und Ausstrahlung, die diese Rolle verlangt, doch was vor allem hängen bleibt, ist seine menschliche Herangehensweise an die Figur. Die zeigt sich manchmal in kleinen Details. Wenn er Tosca im ersten Akt endlich überzeugt hat und sie die Kirche verlässt, entfährt ihm ein Seufzer. Eine beinahe beiläufige Reaktion, aber so entwaffnend und nachvollziehbar, dass man als Zuschauer unwillkürlich lächeln muss. Dadurch wird Mario zu einem Menschen aus Fleisch und Blut, nicht nur zum Tenor, der gleich seine großen Arien singen wird.

Im zweiten Akt erlebt Massi außerdem einen Moment des Triumphs. Wenn Sciarrone die Nachricht bringt, dass Napoleon bei Marengo gesiegt hat, reagiert Mario mit einem kraftvollen Vittoria! Es klingt wie ein Erlösungsschrei, triumphierend und zugleich herausfordernd. Für einen Augenblick scheint die politische Hoffnung der Bedrohung zu entkommen, die ihn umgibt. Der Kontrast zu seinem späteren Schicksal macht diesen Moment umso bitterer.

Gevorg Hakobyan ist als Baron Scarpia der machtbesessene Wüstling, wie man ihn sich vorstellt. Seine Stimme, sein Gesang und seine Körpersprache machen ihn zu dem Scarpia, den diese Oper braucht. Er verbreitet Bedrohung und weiß Tosca immer weiter unter Druck zu setzen. Besonders im zweiten Akt wird seine Darstellung erschreckend. Die Szene, in der er versucht, sie zu vergewaltigen, macht seinen Machtmissbrauch und seine Gewissenlosigkeit schmerzhaft greifbar. Auch der Moment, in dem er den Passierschein schreibt, ist stark: Selbst während er ihr den Schein der Freiheit bietet, behält er mit seiner ganzen Erscheinung die Situation im Griff.

Ein schönes Detail ist die Musik, die während dieser Szene von draußen durch die offenen Fenster erklingt. Die Gavotte und die Kantate bilden einen beinahe unwirklichen Kontrast zu dem, was sich drinnen abspielt. Draußen geht das Leben seinen Gang, während sich hinter den Mauern ein menschliches Drama vollzieht.

Eine angenehme Überraschung ist Vladyslav Buialskyi als Cesare Angelotti. Sein Auftritt ist nicht lang, doch seine Stimme und seine überzeugende Bühnenpräsenz fallen sofort auf. Nach dem ersten Akt wird er mit Blumen bedacht. Das ist keine zufällige Ehrung: Der ukrainische Bassbariton, Mitglied des Jungen Ensembles, hatte nur wenige Tage zuvor in Shanghai sowohl den ersten Preis als auch den Publikumspreis des internationalen Operalia-Wettbewerbs gewonnen. Ein junger Sänger, den man im Auge behalten sollte!

Auch Markus Marquardt verdient eine Erwähnung als Mesner. Mit seiner schönen Stimme und einem natürlichen Spiel verleiht er dieser kleineren Rolle eine angenehme Präsenz.

Von Eifersucht bis Verzweiflung

Die größte Überraschung dieses Abends ist zweifellos Vanessa Goikoetxea. Welch ein Glück, dass sie im letzten Moment die Titelrolle übernommen hat! Ihre Tosca hinterlässt einen tiefen Eindruck. Besonders auffällig ist, wie sie ihre Stimme dem Charakter und der jeweiligen Gemütslage Toscas anpasst. Sie klingt nicht durchgehend gleich, sondern gibt den verschiedenen Emotionen jeweils eine eigene Färbung. Ihre hohen Töne klingen hell und frei, ohne je ins Schreien zu verfallen. Auch in den großen Orchesterpassagen bleibt ihre Stimme mühelos hörbar.

Goikoetxea entwickelt Toscas Eifersucht, ihre Vorwürfe an Mario und ihre wachsende Unsicherheit ganz natürlich weiter. Wenn Scarpia sie immer weiter in die Enge treibt, spürt man, wie Angst und Verzweiflung langsam die Oberhand gewinnen. Sie setzt sich weiterhin gegen ihn zur Wehr, doch die Lage, in die sie gerät, wird immer ausweglos.

Und dann natürlich Vissi d'arte. Goikoetxea beginnt die Arie außerordentlich verhalten. Gerade durch diesen beherrschten Ansatz baut sie die Emotion so sorgfältig auf, dass der Höhepunkt umso überwältigender wirkt. Der Saal scheint wie erstarrt. Selbst der übliche Applaus setzt nach dem Schlusston etwas später ein, als wollte jeder diesen Moment noch ein wenig auskosten.

Ihr Spiel in der Schlussszene des zweiten Aktes ist nicht weniger eindrucksvoll. Wenn sie den Passierschein aus Scarpias Hand nimmt, legt sie zunächst noch ein Tuch über sein totes Gesicht. Selbst gegenüber dem Mann, der ihr so viel Leid zugefügt hat, bleibt Tosca ein Mensch mit eigenem moralischem Bewusstsein.

Goikoetxea maakte met deze voorstelling haar roldebuut als Tosca bij de Semperoper. Ze was eerder verbonden aan het Junges Ensemble van het operahuis, maar wat ze hier neerzet, doet vermoeden dat we nog veel van haar zullen horen. Haar présence, haar inlevingsvermogen en haar vocale kwaliteiten maken haar tot een zangeres die ik beslist opnieuw wil horen.

Ein dritter Akt, der ans Herz greift

Der dritte Akt beginnt mit einer instrumentalen Einleitung, die sofort den Ton angibt. Das Orchester ist hier nicht bloß die Begleitung dessen, was sich auf der Bühne abspielt, sondern ein Protagonist für sich. Fiore und die Staatskapelle erschaffen einen unvergleichlichen Klangteppich, der die Bedrohung und die Melancholie dieses Aktes spürbar macht. Es ist einer jener Momente, in denen man als Zuhörer ganz in der Musik aufgeht.

Die feine Knabenstimme von Simon Klein singt das Hirtenlied. Der Junge schläft auf einem Haufen Schuhe, ein eigenartiges, aber faszinierendes Bild innerhalb der kargen Szenografie. Wenn Mario später seine Stiefel auszieht und sie auf denselben Haufen legt, bekommt das Bild einen schönen Zusammenhang.

Danach ist wieder Massi an der Reihe. Sein E lucevan le stelle verleiht der Melancholie und dem Bewusstsein drohenden Unheils eine menschliche Dimension. Man hört nicht nur einen Mann, der auf sein Glück zurückblickt, sondern auch jemanden, der begreift, dass er alles zu verlieren droht.

Als Tosca erscheint und ihm ihren Plan darlegt, fällt eine kleine Nuance in Massis Spiel auf. In seinem Gesichtsausdruck liegt ein leichter Zweifel, und er zerknüllt den Passierschein. Unwillkürlich fragt man sich, ob er vielleicht merkt, dass etwas nicht stimmt, und das Spiel mitspielt, um Tosca nicht zu beunruhigen. Es ist eine interessante Nuance, die die Spannung in dieser Szene noch steigert.

Und dann folgt das Ende. Mario wird erschossen, und das Glück erweist sich als flüchtig. Das Böse siegt, wie so oft in Puccinis Welt. Toscas Verzweiflung und der unerbittliche Ausgang greifen ans Herz. Auch wer die Geschichte unzählige Male erlebt hat, kann sich der Wirkung dieser letzten Szene nicht entziehen. Gerade hier nicht, wo in völliger Dunkelheit plötzlich ein großes weißes Tuch herabfällt und ein schmerzhaft grelles Licht in den Saal strahlt. Dieses Licht erlischt danach langsam im Rhythmus der Musik.

Ein Abend zum Koster

Was nehme ich aus dieser Inszenierung mit? Die schlichte Regie von Johannes Schaaf beweist, dass man mit einer reduzierten Szenografie das Drama in den Mittelpunkt stellen kann. Die Musik und die Ausführenden erzählen die Geschichte, ohne dass die Inszenierung ihnen im Weg steht. John Fiore und die Sächsische Staatskapelle Dresden sorgen für eine musikalische Interpretation auf Topniveau, während Riccardo Massi und Gevorg Hakobyan ihre Figuren mit großer Überzeugungskraft verkörpern.

Doch es ist Vanessa Goikoetxea, die diesem Abend für mich eine besondere Bedeutung verleiht. Ich bin überwältigt von der Art, wie sie Toscas Emotionen so eindringlich gestaltet. Dass sie diese Rolle kurzfristig übernommen und sofort eine so starke Interpretation daraus gemacht hat, macht es umso bemerkenswerter. Vielleicht habe ich heute Abend die Tosca meines Lebens gehört.

Künstlerisches Team

  • Sächsische Staatskapelle Dresden
  • Sächsischer Staatsopernchor Dresden
  • Dirigent: John Fiore
  • Regie: Johannes Schaaf
  • Bühnenbild: Christof Cremer
  • Kostüme: Petra Reinhardt
  • Licht: Guido Petzold
  • Chor: Jonathan Becker
  • Kinderchor: Claudia Sebastian-Bertsch
  • Dramaturgie: Ilsedore Reinsberg

Rollenbesetzung

  • Floria Tosca: Vanessa Goikoetxea
  • Mario Cavaradossi: Riccardo Massi
  • Baron Scarpia: Gevorg Hakobyan
  • Cesare Angelotti: Vladyslav Buialskyi
  • Der Mesner: Markus Marquardt
  • Spoletta: Timothy Oliver
  • Sciarrone: Peter Lobert
  • Ein Gefängniswärter: Metehan Köklü
  • Ein Hirt: Simon Klein (Kapellknabe)

Details

Wer
Sächsische Staatskapelle Dresden, Sächsischer Staatsopernchor Dresden en Kinderchor der Semperoper Dresden onder leiding van John Fiore, met onder anderen Vanessa Goikoetxea, Riccardo Massi en Gevorg Hakobyan.
Wo
Semperoper Dresden
Gesehen am
6 november 2026
Bildnachweis
Semperoper Dresden/Klaus Gigga
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