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Carlo Rizzi gerührt über Wagner und Berlioz

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· 4 Min. Lesezeit
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Carlo Rizzi gerührt über Wagner und Berlioz

Der bekannte italienische Dirigent Carlo Rizzi, in Mailand geboren, wird emotional, wenn er über die vollkommene Schönheit spricht, die Wagner in Tristan und Isolde zu vermitteln wusste. Beinahe genauso bewegt ist er von Wagners kaum bekannter Ouvertüre Faust und dem jungen Berlioz seiner Symphonie Fantastique…

Am Samstag, 9. November 2019, dirigiert Carlo Rizzi das Antwerp Symphony Orchestra (warum bloß dieser verfluchte englische Name?) um 15 Uhr in der neuen Koningin Elisabethzaal an der Astridplein 26 (direkt neben dem Eingang des Zoos) in Antwerpen.

Ein äußerst attraktives Programm mit einem kaum bekannten Werk von Richard Wagner: Eine Faust-Ouvertüre gefolgt vom viel bekannteren Vorspiel und Liebestod (Tristan und Isolde) ebenfalls von Wagner. Das Konzert endet mit Hector Berlioz' Symphonie Fantastique, dem „deutschesten" der französischen Komponisten. Diese zu unbekannte Wagner-Ouvertüre war der Anlass, um mit Carlo Rizzi zu sprechen.

„He, kenne ich Sie nicht?", so öffnete Carlo Rizzi die Tür zur Dirigentenloge für mich in dem Neubau, in dem das Antwerp Symphony Orchestra ansässig ist. Ja, wir kennen uns. Vor vier Jahren und er erinnert sich daran noch! Dieser Mann hat ein Gedächtnis, um „Sie" zu sagen. Sein Gedächtnis ist noch viel schärfer, wenn es um Musikpartituren geht. Den Schwerpunkt legt er aber nicht auf die technische Seite, noch wird er scharf analytisch. „Ich bin kein Musikwissenschaftler", betont der engagierte Dirigent.

Wagner versus Berlioz?

Wagner, zehn Jahre jünger als Berlioz, konnte den Franzosen nicht zur Komposition der Symphonie Fantastique inspiriert haben. Berlioz war 27, Wagner, der ohnehin ein Spätentwickler war (nun ja), war erst 17… Hätte Berlioz dann ein Inspirator Wagners sein können? Eine echte Antwort auf diese Frage bleibt offen. Carlo Rizzi weist darauf hin, dass beide Komponisten theatralisch sind und daher aufeinander abgestimmt sind. Bei Wagner ist dieses Theatralische die Oper, bei Berlioz die theatralische Symphonie.

Rizzi sieht die Symphonie Fantastique als Programmmusik, inspiriert durch Vision. Diese beiden Elemente zu verbinden, macht sie interessant. Sie liefern Drama. Und das macht Berlioz sofort mit Wagner vergleichbar.

Carlo Rizzi: Goethes Faust ist die dramatischste Geschichte, die man sich vorstellen kann. Teuflisch bis zum Geht-nicht-mehr, du musst ja nur bereit sein, deine Seele zu verkaufen! Faust selbst ist eine dämonische Figur. Das Thema war für Wagner äußerst interessant, man spürt seine Suche im Drama, auch wenn es nur bei einer Ouvertüre blieb. Diese Suche findest du genauso in Tristan und Isolde wieder. Die Musik dieser Oper ist nicht länger nur „Musik". Aber das spürst du auch bei Berlioz. Wagner und Berlioz, sicher in den für das kommende Konzert programmierten Werken, schauen durch ein Kaleidoskop, das ihre Emotionen widerspiegelt, Ausdruck gibt und in die schönste Musik mündet.

Fesselnd an Berlioz ist, dass diese Symphonie äußerst exzentrisch ist. Sie besteht aus nicht weniger als fünf Sätzen und kennt eine ungewöhnliche Instrumentierung, besonders für jene Zeit. Berlioz ist experimentell. Und es geht dabei nicht nur um das Glockenspiel, sondern beispielsweise auch um den „flachen" Klang der Klarinette, das immer wiederkehrende Thema – ein Leitmotiv – und so vieles mehr.

Lustig ist auch, dass Berlioz, ganz wie Wagner übrigens manchmal, die Anweisungen für den Dirigenten deutlich notiert hat. „Das Orchester muss bei den Wiederholungen langsam spielen", so Berlioz. Nun ja, in seiner Zeit waren Dirigenten und Orchester nicht immer so professionell wie heute. Welcher Dirigent von heute hält sich noch an diese Richtlinien des Komponisten? Sie finden das jetzt bevormundend.

Carlo Rizzi argumentiert weiter: Faust, der Anfang dieser Ouvertüre ist das Interessanteste. Wagner suchte Mysterium und schrieb eine düstere Tonlage. Dagegen ist Tristan und Isolde eine andere Sache. Einfach ein Meisterwerk. 4 bis 5 Linien fließen ineinander und durcheinander. Versuch es mal.

Und dann lässt sich der Dirigent gehen, er kann nicht mit genug Superlationen Wagners Genie von Tristan und Isolde beschreiben und wird emotional. Er verlagert dann die Aufmerksamkeit im Gespräch und schließt ab.

Sah ich diesen engagierten Mann fast eine Träne wegwischen, während er voller Leidenschaft über diese Oper der reinsten Liebe sprach? Ich glaube ja. Ach, ihr Männer… Weinen ist erlaubt. Wer weiß, vielleicht werden während des Konzerts am kommenden Samstag auch beim Publikum Tränen weggepinkt…


  • WAS: Carlo Rizzi, Interview von Ludwig Van Mechelen
  • KONZERT: Samstag 9. November 2019, 15 Uhr, Kon. Elisabethzaal Antwerpen
  • PROGRAMM: Wagner: Eine Faust-Ouvertüre & Vorspiel und Liebestod (Tristan und Isolde) - Berlioz Symphonie Fantastique, opus 14 (épisode de la vie d'un artiste)
  • WER: Carlo Rizzi, Dirigent - Alwyn Mellor, Sopran – Antwerp Symphony Orchestra
  • FOTO: © Klassiek Centraal – LVM
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