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2020 wird zum „Joseph Ryelandt Jahr"

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2020 wird zum „Joseph Ryelandt Jahr"

Brüggelingen, die nicht mehr in ihrer Geburtsstadt wohnen und anderswohin auswichen, versammeln sich jeden Sommer auf einen Treffpunkt in ihrem Brügge. Sie sind Mitglieder des Vereins „Brüggelingen buiten Brugge", kurz BBB. Auch ich bin so ein Brüggeling und war dabei an jenem letzten warmen Samstag der großen Ferien. Die Festrede, nach der Begrüßung durch den Bürgermeister, ging natürlich über einen Brüggeling, der nächstes Jahr vor 150 Jahren geboren wurde: fin-de-siècle Komponist Joseph Ryelandt (1870-1965). Wer kennt ihn noch?

Mit etwas Übertreibung kann man sagen, dass er einen Soundtrack für „Bruges la morte" schrieb. Es war der Sprecher und Kunsthistoriker David Vergauwen selbst, der diese Anspielung machte. Ryelandt wurde 95 Jahre alt und starb in seinem Brügge 1965. Geboren war er in einer reichen, frommen und französischsprachigen Familie und außerdem verheiratet mit einer Frau aus einer reichen und frommen adeligen Familie, Marguerite Carton de Wiart. „Als ich an meinem Buch über Ryelandt arbeitete", erzählte David Vergauwen, „fragte ich einen Nachkommen, ob er seinen Großvater jemals Niederländisch sprechen gehört hatte. Nach einigem Zögern kam die Antwort: „ja, mit dem Dienstmädchen." Aber er kannte es, sprach es und schrieb es auch. Er schrieb natürlich hauptsächlich in der Sprache der Musik. Schon von klein auf, und er wollte Musik studieren. Gegen den Willen seiner Mutter: es sollten Rechtsstudien werden, wie sein früh verstorbener Vater. Aber als Edgard Tinel über ihn sagte, dass er von einer Sonate von ihm sehr beeindruckt war, dass er so etwas von einem so jungen Mann noch nie gesehen hatte, war der elterliche Widerstand gebrochen und er ging in die Lehre bei Tinel, Chef des Lemmeninstituuts, damals noch in Mechelen.

Er schrieb hauptsächlich vokale religiöse Musik. Das zeigt sich allein schon in den Titeln seiner Werke: Oratorien mit Namen wie Christus Rex, Agnus Dei, Maria, Purgatorium und mehrere Messen, ein musikalisches Drama Sainte Cécile… Er machte sich nie viel Mühe, sein Oeuvre zu propagieren. Für seinen Lebensunterhalt brauchte er das nicht zu tun, er war wohlhabend genug. Trotzdem veröffentlichte er bei dem bekannten deutschen Verlag Breitkopf. David Vergauwen ließ auch ein paar Fragmente aus seinem Werk hören. Es klingt romantisch, man kann den Zeitgeist darin vernehmen: Fauré, Franck, Wagner auch und sicher Brahms. Und man muss ihn platzieren, sagte Vergauwen, in der „Generation 1870" belgischer Komponisten wie August De Boeck, Paul Gilson, Guillaume Lekeu, Lodewijk Mortelmans, Joseph Jongen….

Es sind 134 Opusnummern bekannt, er begann 1892 zu komponieren, seine fruchtbarste Zeit war während der Zwischenkriegszeit. Er schrieb dann seine religiöse Chormusik und intimere geistliche Kompositionen. Aber er komponierte auch Kammermusik, fünf Sinfonien und Lieder. 1924 ernannte die Stadt ihn zum Direktor des Konservatoriums. Nach dem Zweiten Weltkrieg stockte seine Produktion und er befasste sich hauptsächlich mit dem Schreiben von Gedichten und dem Lesen der Weltliteratur. Fast das ganze Oeuvre von Ryelandt ist inzwischen im Besitz der Stadt. Diese Stadt und das Concertgebouw gedenken „150 Jahre Ryelandt" nächstes Jahr einen Monat lang – vom 7. März bis 7. April – mit Aufführungen seiner liturgischen Musik, seiner Gezelle-Lieder, mit Musik anderer fin-de-siècle Komponisten, einer Ausstellung, Führungen und Vorträgen. Auch das Buch von David Vergauwen über Ryelandt wird dort dann vorgestellt.


  • WAS : Treffpunkt von „Brüggelingen buiten Brugge" am 31/8/2019, mit Vortrag von David Vergauwen.
  • WER : „Joseph Ryelandt 1870-1965. Ein romantischer fin-de-siècle Komponist"
  • WANN : „Festival 150 Jahre Joseph Ryelandt", 7. März bis 7. April 2020
  • WO : Concertgebouw Brugge, Arentshuis Brugge, Ryelandtzaal, Sint-Salvator kathedraal, Stadsschouwburg
  • WEBSITE: www.bruggelingenbuitenbrugge.com

    [embed]https://www.youtube.com/watch?v=Tni51qQBwEo[/embed]


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