Wer Leoš Janáčeks (1854–1928) Werk wirklich kennenlernen möchte, muss nach Brno. In dieser mährischen Stadt, in der der Komponist den größten Teil seines Lebens verbrachte, arbeitete und seine wichtigsten Opern uraufführte, veranstaltet Cimarosa Cultuurreizen vom 12. bis 18. November 2026 eine siebentägige Musikreise rund um das zweijährliche Festival Janáček Brno. Unter der musikalischen Leitung von Pieter Bergé und der Gesamtleitung von Hilde Bergé wartet ein Programm, das drei Opern, ein Konzert und einen breiten kulturellen Rahmen vereint.
Eine Stadt mit reicher Geschichte
Brno ist nach Prag die größte Stadt Tschechiens und seit 1641 die Hauptstadt Mährens. Es ist nicht nur die Stadt Janáčeks, sondern auch des Schriftstellers Milan Kundera, des Architekten Adolf Loos und Johann Gregor Mendels, des Begründers der Genetik. Auf zwei Hügeln thront die mittelalterliche Festung Spielberg und die gotische Peterskirche, während Jugendstil-Fassaden die Innenstadt bereichern. In einer Vorstadt steht die Villa Tugendhat, ein Meisterwerk der modernen Architektur, die 2010 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde.
Die Reise startet am Donnerstag, den 12. November, von Zaventem mit einem Direktflug nach Prag, danach fährt ein Reisebus nach Brno. Unterwegs folgt ein Stopp in Kutná Hora, der ehemaligen Silberstadt, die wegen ihrer historischen Bedeutung und der spätgotischen Barbarakirche seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Am Abend erfolgt die Ankunft im Grandhotel Brno, das die ganze Woche über als Basis dient.
Musik im Mittelpunkt
Das Herzstück dieser Reise ist das Musikprogramm des Festival Janáček Brno 2026. Jeden Morgen hält Pieter Bergé eine fachkundige Einführung, in der er das Publikum auf die Vorstellung oder das Konzert des Tages vorbereitet – eine Methode, die das Hörerlebnis vertieft und die Werke in ihren biografischen und historischen Kontext einordnet.
Der erste musikalische Höhepunkt ist Freitag, den 13. November, ganz dem Festivalkomponiesten gewidmet. Abends wird im Janáček Theater die Oper Katja Kabanova (1921) aufgeführt, ein Werk, das damals in Brno uraufgeführt wurde. Janáček basierte diese Oper auf Aleksandr Ostrovskis Schauspiel „Der Sturm" und komponierte eines seiner ergreifendsten Frauenporträts: die Geschichte einer empfindsamen Frau, die an der erstickenden Moral ihrer Umgebung zugrunde geht. Die charakteristische, auf tschechische Sprechrhythmen gestützte Melodik, die Janáček so unverwechselbar macht, kommt hier voll zur Geltung.
Am Samstag, den 14. November, verlässt das Musikprogramm das Opernhaus für geistliche Musik. In der Basilika der Himmelfahrt Mariens in Alt-Brno – dem Ort, wo Janáček selbst als Chorknabe sang und später als Chorleiter tätig war – führt das renommierte tschechische Ensemble Collegium 1704 ein vielfältiges Programm geistlicher Musik auf. Darauf stehen die Missa brevis von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525–1594), das Graduale in Dominica Resurrectionis von Pavel Křížkovský (1820–1885) – nicht zufällig Janáčeks eigener Lehrmeister – Janáčeks Exaudi Deus (JW II/4) und das Magnificat (BWV 243) von Johann Sebastian Bach (1685–1750). Ein Programm, das die Wurzeln von Janáčeks kirchenmusikalischer Ausbildung hörbar macht, aufgeführt an dem Ort, wo diese Ausbildung begann.
Sonntag, den 15. November, bringt erneut eine Opernaufführung im Janáček Theater: Die Affäre Makropulos (1926), Janáčeks vorletzte Oper, unter der musikalischen Leitung von Robert Křižik und in der Regie von David Radok. Dieses späte Meisterwerk, basierend auf Karel Čapeks Schauspiel, dreht sich um die dreihundertjährige Emilia Marty und stellt große Fragen über Sterblichkeit, Liebe und den Sinn eines endlosen Lebens. Der reife, konzentrierte Stil des älteren Janáček macht es zu einer seiner faszinierendsten Partituren.
Der musikalische Höhepunkt folgt am Dienstag, den 17. November, mit der Abschlusszeremonie dieser Festivalausgabe. Darin werden Janáčeks zwei letzte große Werke – die Oper Aus einem Totenhaus (1928), nach Dostojewskis Roman über das Leben in einem sibirischen Straflager, und die Glagolitische Messe (1926), seine monumentale Vertonung eines altslawischen liturgischen Textes – in einer szenischen Einheit vereint. Dass diese beiden späten Höhepunkte in einer Aufführung zusammengebracht werden, macht den Festivalabschluss zu einem außergewöhnlichen Ereignis: Janáček auf seine existenziellste und visionsreichste Art.
Auf den Spuren des Komponisten
Zwischen den Vorstellungen führt die Reise die Teilnehmer buchstäblich an die Orte, die Janáčeks Leben prägten. Am Freitag leitet ein Stadtführer die Gruppe „auf den Spuren Janáčeks" durch Brno. Der Spaziergang führt u. a. zum Augustinerkloster, zur Orgelschule, die Janáček gründete und die später zum städtischen Konservatorium wurde, und zum Gartenhaus, in dem der Komponist von 1910 bis 1928 lebte. Dort befindet sich immer noch sein ursprüngliches Arbeitszimmer mit dem Flügel, an dem er komponierte.
Am Sonntag wird das Augustinerkloster St. Thomas besucht, wo der junge Janáček als Chorknabe sang und Musikunterricht erhielt; die Teilnehmer erhalten Einblick in die Basilika und in die imposante Klosterbibliothek. So wird die Musik, die abends erklingt, tagsüber in den Gebäuden und Straßen greifbar, in denen sie entstand.
Kultur und Architektur als roter Faden
Neben Janáček bietet die Reise ein breites Kulturprogramm. Am Samstag steht ein Besuch des Schlosses Lednice auf dem Programm, das neugotische Lustschloss der Familie Liechtenstein, das zusammen mit Valtice ein UNESCO-geschütztes Parkdominium bildet. Am Montag, den 16. November, folgt ein Tagesausflug nach Olomouc, die historische mährische Stadt mit ihren stattlichen Plätzen, barocken Brunnen und dem Wenzelsdome. Der zentrale Horní náměstí beherbergt die monumentale Dreifaltigkeitssäule – ebenfalls Weltkulturerbe – und eine markante astronomische Uhr. Anschließend folgt ein exklusiver Besuch der Villa Primavesi, einer verfeinerten Stadtvilla aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert.
Brno selbst wird ausführlich während der Stadtwanderung am Sonntag behandelt, vorbei an der Kathedrale St. Peter und Paul, am lebendigen Zelný trh mit dem Parnass-Brunnen und am Reduta Theater – dem ältesten Theater Mitteleuropas, wo der junge Mozart 1767 zusammen mit seiner Schwester Nannerl auftrat. Die Teilnehmer erfahren dort auch, warum die Kirchenglocken mittags regelmäßig eine Stunde zu früh läuten.
Am Dienstag steht die modernistische Villa Tugendhat von Ludwig Mies van der Rohe auf dem Programm (vorbehaltlich), und am letzten Tag, Mittwoch, den 18. November, ein Besuch der beeindruckenden unterirdischen Wasserspeicher auf dem Žlutý kopec. Diese kathedralenähnlichen Backsteinbecken, angelegt zwischen 1874 und 1917, zeugen vom technischen Ehrgeiz des Brno des späten neunzehnten Jahrhunderts und dienen heute als besonderer Kulturort. Am Nachmittag bringt der Reisebus die Gruppe nach Wien zur Rückflugverbindung nach Brüssel.
Ausführende: Irina Lankova, Daniel Kogan, Elina Buksha, David Cohen, Joël Christophe, Léa Hennino, Julie Gebhart, Naomi Couquet, Ivan Paduart, die Cappella Pratensis und das Orchestre Royal de Chambre de Wallonie.
Diese siebentägige Reise verbindet so eine intensive Beschäftigung mit Janáčeks Oeuvre mit einem reichen historischen und architektonischen Programm. Wer dieses einzigartige Werk des zwanzigsten Jahrhunderts an dem Ort erleben möchte, wo es entstand, findet in dieser Reise eine ausgezeichnete Gelegenheit. Also warten Sie nicht mit Ihrer Anmeldung!





