Das Cello, das keines war, aber eins wurde…
Der Gewinner des diesjährigen Königin-Elisabeth-Wettbewerbs nimmt nicht nur einen Preis mit nach Hause, sondern auch ein unbezahlbares Ausdrucksmittel: das Goffriller-Cello, auf dem Pablo Casals 65 Jahre lang spielte. Das Instrument wird dem ersten Laureaten die nächsten vier Jahre lang geliehen und gibt einem Musiker am Anfang einer vielversprechenden Karriere Raum für neue Interpretationen.
Das Besondere an diesem Instrument ist nicht nur sein früherer Besitzer, sondern auch sein Ursprung: Anfangs war es gar kein Cello. Tatsächlich existierten die Proportionen des Instruments, das wir heute als Cello kennen, erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. Stattdessen wurde die größere Kategorie der Streichinstrumente von Violonen dominiert – Instrumente, die bis zu 80 Zentimeter groß waren und in einem Ensemble die Rolle des Basso continuo erfüllten. Sie waren Begleitstimmen und keine Soloinstrumente.
Matteo Goffriller, der Erbauer von Casals' Instrument, war ein Meisterluthier in Venedig während der Zeit, als Violonen in Mode waren. Er baute dieses Instrument als Violone in ihrer ursprünglichen, größeren Form, irgendwann zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Doch wie bei vielen Instrumenten aus seiner Werkstatt fehlte auch bei diesem ein wichtiges Detail: das Etikett mit seinem Namen. Diese Auslassung könnte eine erfolgreiche Methode gewesen sein, um Venediger Steuern zu vermeiden, aber sie bedeutete auch, dass Goffrillers Beitrag zum Handwerk später nicht anerkannt wurde.
Als das Goffriller-Instrument in Casals' Hände kam, war die Violone bereits auf die Proportionen eines Violoncellos zurechtgeschnitten – eine kleinere Violone, geeignet für das anspruchsvolle Repertoire, das in späteren Jahren entstand. Es wurde ihm als Bergonzi verkauft und trug damit den Namen eines damals bekannteren Instrumentenbauers, aber Casals wusste, dass es sich um einen Goffriller handelte. Er liebte seinen Klang und weigerte sich, das Instrument gegen ein anderes auszutauschen. Seine einzigartige Stimme wird dem Wettbewerbssieger sowohl Herausforderungen als auch Chancen bringen – mit seiner Fähigkeit zu zartem Pianissimo und vollem Forte sowie seinen farbigen Obertönen.
Vier Oden an die Blumenbotschaft, das Pflichtwerk komponiert von Fang Man
In der gleichen Art des Klangspektrums von Casals Cello bietet Vier Oden an die Blumenbotschaft, das erforderliche Stück für das Finale des Wettbewerbs, den Finalisten die Chance, ihre Fähigkeit unter Beweis zu stellen, die komplexen Interpretationen zu vermitteln, die den Glanz des Goffriller-Cellos zur Geltung bringen.
Fang Man, eine in China geborene amerikanische Komponistin, komponierte dieses vierteilige Konzert, das Blumen darstellt, die in der chinesischen Tradition mit den Jahreszeiten verbunden werden: Orchidee für den Frühling, Bambus für den Sommer, Chrysantheme für den Herbst und Pflaume für den Winter.
Die unterschiedlichen Stimmungen im Stück bieten dem Ausführenden viel Freiheit, mit lebhaften und friedlichen Passagen und einigen Abschnitten, die einfach mit 'Frei improvisieren' gekennzeichnet sind. Es gibt mehrere Harmonien und Glissando, stille Momente und Passagen, in denen Solist und Orchester einen gewaltigen Lärm erzeugen. Darüber hinaus hat die Komponistin dem Solisten die Möglichkeit gegeben, die Teile in beliebiger Reihenfolge zu spielen, eine Wahl, die großen Einfluss darauf haben kann, wie das Werk wirkt.
Fang sagte, dass ihre wichtigste musikalische Inspirationsquelle für das Stück westliche Musik war, besonders die von Olivier Messiaen. Die Parallelen zu Messiaen sind sicherlich in der allgemeinen harmonischen Struktur des Stücks zu hören, aber es sind noch immer chinesische Einflüsse wahrnehmbar, etwa in den aufsteigenden Glissandi im Frühlingsteil. Es gibt auch eine Verspieltheit, die hin und wieder zum Vorschein kommt. Eine weitere Inspirationsquelle für ihr Thema war, wie Fang Reportern erzählte, die Faszination ihres 92-jährigen Vaters für Mahjong, dessen Blumensteine auch den Teilen des Konzertos entsprechen.
In der Aufführung ist Vier Oden an die Blumenbotschaft eine anspruchsvolle Prüfung für die Fähigkeit des Solisten, auf alle anderen Stimmen zu hören und eine eigene Interpretation zu geben, die zugleich einen überzeugenden Dialog mit dem Orchester eingeht. Es gibt Passagen, in denen das Orchester das Cello-Solo zu übertönen droht; der Klang an manchen Stellen ist eine Kompositionsentscheidung, die der Ausführende vielleicht nicht vollständig abfedern kann. Aber es ist ein Stück, das Variationen im Ausdruck und Originalität in der Interpretation belohnt, ein faszinierendes Beispiel für die Art von Aufführungen, die einer dieser vielversprechenden Solisten in den kommenden vier Jahren auf Casals' historischem Instrument geben könnte.
Das Cello, das keines war, aber eins wurde…
Der Gewinner des diesjährigen Königin-Elisabeth-Wettbewerbs nimmt nicht nur einen Preis mit nach Hause, sondern auch ein unbezahlbares Ausdrucksmittel: das Goffriller-Cello, auf dem Pablo Casals 65 Jahre lang spielte. Das Instrument wird dem ersten Laureaten die nächsten vier Jahre lang geliehen und gibt einem Musiker am Anfang einer vielversprechenden Karriere Raum für neue Interpretationen.
Das Besondere an diesem Instrument ist nicht nur sein früherer Besitzer, sondern auch sein Ursprung: Anfangs war es gar kein Cello. Tatsächlich existierten die Proportionen des Instruments, das wir heute als Cello kennen, erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. Stattdessen wurde die größere Kategorie der Streichinstrumente von Violonen dominiert – Instrumente, die bis zu 80 Zentimeter groß waren und in einem Ensemble die Rolle des Basso continuo erfüllten. Sie waren Begleitstimmen und keine Soloinstrumente.
Matteo Goffriller, der Erbauer von Casals' Instrument, war ein Meisterluthier in Venedig während der Zeit, als Violonen in Mode waren. Er baute dieses Instrument als Violone in ihrer ursprünglichen, größeren Form, irgendwann zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Doch wie bei vielen Instrumenten aus seiner Werkstatt fehlte auch bei diesem ein wichtiges Detail: das Etikett mit seinem Namen. Diese Auslassung könnte eine erfolgreiche Methode gewesen sein, um Venediger Steuern zu vermeiden, aber sie bedeutete auch, dass Goffrillers Beitrag zum Handwerk später nicht anerkannt wurde.
Als das Goffriller-Instrument in Casals' Hände kam, war die Violone bereits auf die Proportionen eines Violoncellos zurechtgeschnitten – eine kleinere Violone, geeignet für das anspruchsvolle Repertoire, das in späteren Jahren entstand. Es wurde ihm als Bergonzi verkauft und trug damit den Namen eines damals bekannteren Instrumentenbauers, aber Casals wusste, dass es sich um einen Goffriller handelte. Er liebte seinen Klang und weigerte sich, das Instrument gegen ein anderes auszutauschen. Seine einzigartige Stimme wird dem Wettbewerbssieger sowohl Herausforderungen als auch Chancen bringen – mit seiner Fähigkeit zu zartem Pianissimo und vollem Forte sowie seinen farbigen Obertönen.
Vier Oden zur Botschaft der Blumen, das Pflichtwerk von Fang Man
In diesem Sinne Vier Oden auf die Blütenbotschaften, das Pflichtwerk für die Endrunde des Wettbewerbs, bietet den Finalisten die Gelegenheit, ihre Fähigkeit unter Beweis zu stellen, subtile Interpretationen zu vermitteln, die die Brillanz des Goffriller-Cellos zur Geltung bringen. Fang Man, eine in China geborene amerikanische Komponistin, schuf dieses Konzert in vier Teilen, die Blumen darstellen, die in der chinesischen Tradition mit den Jahreszeiten verbunden sind: Orchidee für den Frühling, Bambus für den Sommer, Chrysantheme für den Herbst und Pflaume für den Winter.
Die unterschiedlichen Stimmungen im Stück bieten dem Interpreten große Spielräume, mit heftigen und friedlichen Passagen und einigen Stellen, die einfach nur mit „Improvisieren" gekennzeichnet sind. Es gibt mehrere Flageoletts und Glissandi, ruhige Momente und Passagen, in denen Solist und Orchester gemeinsam Krach machen. Darüber hinaus hat die Komponistin dem Solisten die Möglichkeit gegeben, die Sätze in beliebiger Reihenfolge zu spielen – eine Wahl, die einen großen Einfluss darauf haben kann, wie das Werk wirkt.
Fang sagte, dass ihre Hauptinspirationsquelle für das Werk westliche Musik war, besonders die von Olivier Messiaenn. Die Parallelen zu Messiaen sind im allgemeinen harmonischen Umfeld des Stücks leicht zu hören, aber auch einige chinesische Einflüsse sind noch zu vernehmen, beispielsweise in den aufsteigenden Glissandi im Frühlingssatz. Es gibt auch einen Spieltrieb, der sich zeitweise zeigt. Eine weitere Inspirationsquelle für ihr Thema war, wie Fang Reportern mitteilte, die Faszination ihres 92-jährigen Vaters für Mahjong, dessen Blumensteine auch den Concerto-Sätzen entsprechen.
In der Aufführung Vier Oden auf die Blütenbotschaften ist eine herausfordernde Prüfung der Fähigkeit des Solisten, auf alle anderen Stimmen zu hören und eine eigene Interpretation zu entwickeln, die auch einen überzeugenden Dialog mit dem Orchester führt. Es gibt Stellen, an denen das Orchester das Solo-Cello zu überlagern droht; der Lärm an manchen Stellen ist eine kompositorische Entscheidung, die der Musiker möglicherweise nicht vollständig mildern kann. Aber es ist ein Stück, das Ausdrucksvielfalt und Interpretationsoriginialität belohnt – eine faszinierende Illustration der Art von Aufführungen, die einer dieser vielversprechenden Solisten in den kommenden vier Jahren auf dem historischen Instrument von Casals geben könnte.











