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Klassik Zentral

Ein Wochenende im Zeichen von Monteverdi

Koor&Stem organisierte am Wochenende des 25. und 26. April ein intensives Chorwochenende rund um Claudio Monteverdis Mariavespern (1567–1643). Etwa vierzig Sänger aus dem ganzen Land mit unterschiedlichsten musikalischen Hintergründen und eine ausgewählte Gruppe von Instrumentalisten (Streicher und Bläser) versammelten sich Freitagabend in der Kapelle des KULeuven-Campus Carolus in Antwerpen: ein wunderschöner barocker Raum, der sofort die richtige Atmosphäre schuf.

Die erste Durchlesung

Gegen 19.00 Uhr war es Zeit für die erste Durchlesung. Besonders spannend, weil man vorher eigentlich nicht einschätzen konnte, wie intensiv man sich vorbereiten musste, um gleich bestehen zu können. Ich bin kein Risiko eingegangen und habe mich – für meine Verhältnisse ungewöhnlich gründlich – vorbereitet. Ich hatte die Vesper schon einmal gesungen, aber das war lange her, und ich wollte unbedingt vermeiden, bei dieser ersten Probe den Anschluss zu verlieren.

Im Nachhinein war diese Vorbereitung kein überflüssiger Luxus. Es wurde aus einer anderen Partitur gesungen, mit den üblichen alternativen Lesarten und Alterationen, was sofort Scharfsinn und Fokus erforderte. "Eingespielt" konnte man es nicht nennen, aber dennoch war diese erste Durchlesung wirklich beeindruckend. So beeindruckend sogar, dass es bereits nach 22.00 Uhr war, als Wim Becu – der Spiritus rector des ganzen Wochenendes – beschloss, es für diesen Abend dabei bewenden zu lassen.

Nach dem üblichen Sängerbesuch in der Kneipe lag ich später im Bett und träumte von mehr. Verabredung am nächsten Morgen um 10.00 Uhr.

Kurze Nacht, hoher Ton

Wim Becu entschied sich dafür, die Vesper bei A = 466 Hz aufzuführen – mit anderen Worten: einen ganzen Ton höher als in der Alten Musik üblich. Ich kann Ihnen versichern: Nach einer kurzen Nacht gehörst du als Tenor schnell zu den Bässen, erst recht, wenn du fröhlich Richtung 466 Hz gehst.

Dennoch weckten Begeisterung und ruhiger Aufbau die Stimmen schnell auf. Wir tauchten tiefer in die Partitur ein und arbeiteten gezielt an den schwierigsten Passagen. Zwischendurch würzte Wim die Proben mit Anekdoten, etwa über Jordi Savall, der Berichten zufolge bis tief in die Nacht aufnahm, zum großen Verdruss eines Sängers, der um drei Uhr morgens "Audi caelum" singen musste. Meiner Meinung nach war dieses "caelum" am Vorabend bereits geschlossen – zumindest hätte ich es so ausgedrückt. Gerade solche Geschichten gaben dem Wochenende extra Farbe.

Mittagessen und internationale Begegnungen

Mittags sorgte Koor&Stem für eine Belegte-Brote-Mahlzeit. Diese Momente – zusammen mit den kurzen Pausen – waren ideal, um mit anderen Sängern zu netzwerken und mit dem Kornettisten aus Argentinien, dem Theorbenspieler aus Ferrara und dem Posaunisten aus Spanien zu plaudern. So international war diese Gruppe. Welch ein Vergnügen, dies zusammen erleben zu dürfen.

Nachmittag mit Schichtwechsel

Am Nachmittag kam es zu einem Schichtwechsel: Emilie De Voght, renommierte Pädagogin, Sängerin und Chorleiter, übernahm den Dirigentenstab und führte uns durch das komplexe "Lauda Jerusalem", während Wim unten im Salon intensiv mit den Instrumentalisten arbeitete.

Was hier besonders auffiel, war, wie sehr Emilies umfassende Chor- und Sängererfahrung in ihren didaktischen Ansatz einfließt. Sie verstand es, besonders klar zu formulieren, wie bestimmte Passagen am besten gesungen werden und warum, mit konkreten Hinweisen, die unmittelbar auf das eingehen, was eine Stimme braucht. Das war erhellend und bereichernd. Obwohl diese Einheit leider ziemlich kurz war, nahm ich dennoch einige besonders wertvolle Tipps mit. Diesen Teil hätte man ruhig länger machen können.

Abendessen und Abendprobe

Kurz darauf zog sich die Gruppe auseinander, um in der Stadt zu dinieren. Im Nachhinein betrachtet, war dies eine verpasste Gelegenheit, gemeinsam essen zu gehen – ein kleiner Tipp für eine ansonsten glänzend organisierte Veranstaltung.

Auch abends wurde noch eifrig weitergeprobt, obwohl die Müdigkeit deutlich zu wiegen begann. Wir waren seit 10 Uhr morgens mit diesem monumentalen Werk beschäftigt, das manchmal bis zu zehn Stimmen hat. Es war daher eine besonders vernünftige Entscheidung, gegen 21.00 Uhr Schluss zu machen, damit jeder die nächste Tag – den Tag der öffentlichen Aufführung – einigermaßen frisch angehen konnte.

Der letzte Tag

"Fit" war vielleicht ein etwas zu optimistisches Wort. Persönlich spürte ich die Anstrengungen der vergangenen Tage noch deutlich nachhallen. Als Amateursänger bin man dieses Tempo einfach nicht gewohnt. Dennoch war der Geist bald wieder da, und allmählich wuchs auch das Bewusstsein, dass das Ende des Wochenendes nahte – und damit auch der Abschied von diesem wunderschönen Werk. Ich ertappte mich dabei, mitgezählt: noch zweimal "Lauda Jerusalem", noch dreimal "Dixit Dominus"… jedes Mal mit dem Wort "schade" dabei.

Die letzten Punkte wurden gesetzt und die Probe kurz vor der öffentlichen Aufführung wurde bewusst gestrichen. Diese Entscheidung war offenbar von dem Wunsch inspiriert, jedem mentale Ruhe zu gönnen und Platz für innere Vorbereitung zu schaffen. Nach so einem intensiven Wochenende erwies sich dies als besonders kluger Entscheid.

Ein großer Teil der Gruppe zog anschließend in den nahe gelegenen Notteboehm-Saal, der an diesem Tag ausnahmsweise geöffnet war. Dort wurde – vermutlich – das legendärste Koor&Stem-Promovideo aller Zeiten aufgenommen. Neugierig? Schauen Sie sich das unbedingt an auf Instagram.

Das Konzertmoment

Elegant in Schwarz mit einem Hauch von Frühling gekleidet – ganz im Einklang mit dem wunderschönen Plakat – stellte sich das Ensemble auf. Es war ein schönes Publikum gekommen, selbstverständlich mit vielen bekannten Gesichtern. Das Konzertmoment selbst verlief reibungslos, obwohl die Müdigkeit hier und da ihre Spuren hinterließ. Das galt auch für die kleine Orgel, die durch Überhitzung und ein defektes Ventil einen störenden Pfeifton von sich gab. Da es am Sonntag keine Orgelbauer gibt, blieb unserem hervorragenden Continuospieler Arne Van Handenhoven nichts anderes übrig, als ständig die Register ein- und auszuschalten.

Das Publikum reagierte begeistert. Es mögen zwar "die Fans" gewesen sein, aber ich konnte den Eindruck nicht loswerden, dass die Menschen wirklich beeindruckt waren. Natürlich war dieses Konzertmoment weit entfernt von Aufnahme- oder Konzertqualität – aber das war auch gar nicht die Absicht.

Was nicht unerwähnt bleiben darf, ist die grenzenlose Energie von Wim Becu. Von Freitagabend bis Sonntagmittag blieb seine Leidenschaft, Schärfe und Begeisterung bemerkenswert konstant. Auch er musste am Ende des Wochenendes müde gewesen sein, aber man merkte es ihm nicht an. Sein Einsatz, seine Aufmerksamkeit und sein musikalisches Feuer waren außergewöhnlich ansteckend und verliehen dem ganzen Wochenende zusätzlichen Schwung.

Musik als Brücke

Ich paraphrasiere gerne Jan Van Elsacker – einst mein Gesangslehrer und ein außergewöhnlich begabter Monteverdi-Interpret – der es wunderbar zusammengefasst hat: "Manchmal kündet sich das Schönste des Tages erst in der letzten Minute an. Eine flüchtige Facebook-Nachricht um drei Uhr nachmittags: eine Einladung zu einem musikalischen Konzertmoment, kaum eine Stunde später, einfach um die Ecke. Aber bei meiner Ankunft stellte sich heraus, dass die wahre Musik nicht nur in Monteverdis Partituren steckte, sondern vor allem in den Gesichtern der Anwesenden. Eine Welle der Ergriffenheit beim Anblick so vieler bekannter Gesichter: ehemalige Sänger des Antwerpener Domchors, Stimmen von einst, immer noch das schlagende Herz des Amateurmilieus.

Der zarteste Moment kam bei einer Begrüßung durch eine liebe Dame. Im Dunst der Zeit erkannte ich sie nicht sofort, bis jener eine Satz fiel: ‚Dominique von Scarabee...'
Diese Worte, vierzig Jahre später, ließen die Uhr sofort zurückdrehen. Unter der inspirierenden und meisterhaften Leitung von Wim Becu hob sich das Ensemble über sich selbst empor. Was er in so kurzer Zeit zu realisieren versteht, ist geradezu bewundernswert.

Man sagt oft: Musik mildert die Sitten. Aber dieser Nachmittag war mehr als das. Musik wurde eine Brücke zur Vergangenheit, ein Trost in der Gegenwart und ein Grund, sich gegenseitig wieder tief in die Augen zu schauen."

Abschließend

Es könnte nicht besser zusammengefasst werden. Was für ein Wochenende. Was für eine Organisation. Und welche Bande wurden geschmiedet. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass Koor&Stem weiterhin solche Wochenenden mit demselben Dynamismus und Engagement organisiert. Es wird zweifellos einige Erkenntnisse aus der Umfrage geben, aber heute überwiegt vor allem die Bewunderung. Ein aufrichtiges Shout-out an Liesbeth Segers und das ganze Organisationsteam.


Koor&Stem ist eine flämische Organisation, die sich für die Unterstützung und Entwicklung von Chören und der Gesangskultur einsetzt. Chorfestivals und Gesangswochen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie bringen Sänger, Dirigenten und Begleiter in einer Lern- und Begegnungsumgebung zusammen, in der sowohl musikalische als auch soziale Ziele im Mittelpunkt stehen.
Das Ziel solcher Initiativen ist nicht nur die Verbesserung der Gesangsqualität durch Coaching, Workshops und Proben, sondern auch die Inspiration und Verbindung von Sängern. Durch intensive gemeinsame Arbeit an Stimmbildung, Repertoire und Gemeinschaftsgesang fördert Koor&Stem künstlerisches Wachstum und Gesangsfreude. Diese Wochenenden passen perfekt zu ihrer umfassenderen Mission, das Chorleben in Flandern zu stärken und Menschen um Musik zusammenzubringen.

Detalhes:

Título:

  • Ein Wochenende im Zeichen von Monteverdi

Künstler:

  • Sänger aus ganz Belgien,
    Violine: Chiara Paganini, Yikiko Nagase
    Gambe: Alba Villar, Oriane Weyl, Anna Lodone
    Barockcello: Anna Liets, Hiroki Nagase
    Cornetto: Sergio Abraham, An De Cleyn
    Posaune: Ismael Khalifi Lopez, Matteo Silversmit, Jean-Pascal Hinnekens Theorbe: Luca Faraci
    Orgel: Arne Van Handenhoven
    Gesangliches Coaching: Emilie De Voght Gesamtleitung: Wim Becu

Ort:

  • Kapel Campus Carolus, Antwerpen

Datum:

  • 25. Mai 2026

Fotografie:

  • Liesbeth Segers
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