Die Mittagskonzerte im Musikinstrumentenmuseum (MIM) sind vorbei. Der Elisabeth-Wettbewerb steht bevor. Ein Grund, dem Konzert am Donnerstag, 23. April, eine zusätzliche Dimension zu geben. Bart Vande Voorde, Pressesprecher der Musikkapelle Königin Elisabeth, war stolz, zwei der 66 Cellisten vorzustellen, die zwischen dem 4. Mai und 10. Juni am Elisabeth-Wettbewerb für Cello teilnehmen werden.
Die beiden sind völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. Michael Song ist eine beeindruckende Erscheinung, ein Bild in Schwarz und Braun – das seiner Dominico Montagnana von 1723 und das seiner Schuhe. Er strahlt Ernst und Konzentration aus. Tiefgang und Beherrschung kennzeichnen sein Spiel. Das war schon der Fall in der Ballade Op. 3, die Josef Suk komponierte, bevor das Schicksal seine feurige Musikdialektik in Reflexion umwandelte.
Schön zu hören war, wie Song die Melodie zu einem lebendigen Dialog mit dem Klavier von Katsura Mizumoto aufbaute. Diese japanische Pianistin studierte in Frankfurt ab, machte sich als Solistin und Kammermusikerin einen Namen und ist Begleiterin am Brüsseler Konservatorium und an der Musikkapelle in Waterloo, wo Song seit 2023 Künstler in Residence ist. Der nachdenkliche Zugang Songs kam noch besser in Debussys Cellosonate zur Geltung. Sie lag ihm wie auf den Leib geschnitten mit ihrer nebelhaft suchenden Melodie, die langsam Form annahm und wunderbar aufgelöst wurde. Und die Pizzicati erhöhten noch den Reiz. Eine herrlich singende »Romanze« von Balakirev und ein nicht zu pathetisches »Pezzo Capriccioso« von Tschaikowski bestätigten den traditionellen Kurs, den der Kanadier einschlug und der nur durch eine resolute Aufführung von »Drei kleine Stücke« des frühen Webern unterbrochen wurde.
Andrew Byuns Repertoire wird von modernen Werken für Solocello dominiert: Crumb, Hindemith, Ligeti, Penderecki, Gaspar Cassadó... Anfang April spielte er für MuCH das Cellokonzert von Henri Dutilleux »Tout un monde lointain«. Im MIM begann er seinen Auftritt mit »Lullaby« von Kaija Saariaho. Da scheiden sich die Geister, aber mir entgeht die Anziehungskraft, die diese 2023 verstorbene finnische Spektralistin auf viele ausübt. Ein kniffliges Stück für den Bogen dieses quirligen Südkoreaners, der sich von Aufnahmen von Jacqueline du Pré auf den Weg bringen ließ, bei Lyn Harrell und Gary Hoffman studierte und seit 2025 in der Chapelle residiert.
Zwar machte er weiter mit Suks »Ballade« und dem ersten Satz von Leopold Hofmanns Cellokonzert. Der Klang seiner Chiaffredo Cappa von 1690 ist ausgeprägter und kommt direkter auf einen zu. Die Cellosonate von Boccherini, die sie zusammen spielten, bot die Gelegenheit, einen Vergleich zu ziehen zwischen der »Nobilität, Eleganz und Sicherheit« von Song und dem, was das führende Fachmagazin »The Strad« als »die elektrisierendes Energie« von Byun beschrieb.
Zwischen beiden wählen? Lieber nicht. Das wird die Aufgabe der Jury sein, in der bekannte Namen wie Roel Dieltiens, Marie Hallynck, Anne Gastinel... sitzen. Kleine Anmerkung: Byun trug bereits glänzende schwarze Lacklederschuhe, wie wir es von den größten Virtuosen gewohnt sind! Guy Van Waas wies das zahlreich erschienene Publikum, darunter eine Schule aus Elsene, auf das erste der 26 Konzerte der Saison 2026-2027 mit Lorenzo Gatto & Friends am 15. Oktober hin.



