Ein instrumental sehr vielfältiges Programm war das Piknik-Konzert im Flagey, „Wilfried Westerlinck feiern": ein echtes Streichquartett, zwei Pianisten vierhändig und die Klarinette von niemand geringerem als Benjamin Dieltjens. Das alles im gut gefüllten Studio 1, dem Kammermusikzaal, wo Westerlinck während seiner BRT/VRT-Karriere so viele Aufnahmen machte. Allein deshalb war es für ihn, den Achtzigjährigen, schon etwas Besonderes!

So eine packende Ehrung. Wilfried Westerlinck: „Flagey ist für mich fast mein ganzes Berufsleben. Ich bin hier 1968 angefangen, bis das Gebäude für die Öffentlichkeit geschlossen wurde. Aber der VRT nutzte Studio 4 noch für Aufnahmen des Rundfunkorchester und des Chores, und Studio 1 für die Kammermusik. Und das noch für ein paar Jahre, bis das Ganze verkauft wurde. Dann folgte diese großartige Renovierung. Ich bin dem Flagey als Institution eigentlich sehr dankbar, dass sie so ein Monument, so ein unglaublich wunderschönes Gebäude, nicht nur architektonisch, sondern auch was die Studios, den Klang, die Ausstattung und das Ganze betrifft, wieder so auf den neuesten Stand gebracht und ein lebendiges, pulsierendes Flagey daraus gemacht haben. “
Das Konzert begann mit einem frühen Werk von ihm, aus 1985 „Preludio per una danza antico." Es ist sowohl ein zerbrechliches als auch hartes vierhändiges Werk, das sich zart und weich in eine impressionistische Atmosphäre hineinlegt. Dann kam eine Schöpfung eines Streichquartetts aus 2011, „Melopee. Hommage à Paul van Ostaijen". Diese melancholischen Eröffnungssätze des Dichters, die den Komponisten inspiriert haben, befinden sich auf der Genter Poesieroute entlang der Gras- und Korenlei: „Unter dem Mond gleitet der lange Fluss ". Drei Streicher gleiten langsam mit jenem stillen Wasser und jenem Mann im Kanu zum Meer mit, unterstützt durch ein ebenso sanftes Zupfen eines Pizzicato-Violoncellos. Alle Mitglieder des Antwerp Symphony Orchestra. Melopee bedeutet „rhythmischer Gesang".
Als die Musiker die Textanmerkungen von Westerlinck auf der Partitur sahen, schlugen sie selbst vor, daraus einen echten Sprechgesang zu machen. Und so geschah es: Benjamin Dieltjens deklamiert auf diese Anmerkungen hin ergreifend das bekannte Gedicht. So zog jenes ganze Musikerensemble langsam zum Meer wie eine Metapher über Leben und Tod. Nach jener doch traurigen Melodie und jenem Rezitativ folgte ein viel rhythmischerer Saltimbanco für Streichquartett. Und das klingt wunderbar in diesem Flagey-Klanghaus. Hier hat er nie komponiert, das tat er zu Hause. Westerlinck: „Het merendeel begann ich eigentlich ab dem Jahr 2000 zu schreiben, als ich 'notgedrungen' mit 55 den VRT verlassen musste. Der Rundfunk ging andere Wege... Aber ich begann noch mehr zu schreiben. Meine frühen Werke waren zwölftönig und seriell, danach schleicht sich allmählich wieder Tonalität ein, mehr Lyrik und in den letzten Werken fühle ich mich mehr romantisch werden. Ist das nicht normal mit zunehmendem Alter? Kein 'großspuriges' Gehabe mehr..."". Das hört man in dieser Gisekin Rhapsodie für Klavier vierhändig, wiederum inspiriert durch Poesie von Jo Gisekin diesmal. Dunkel tief und hell leuchtend beginnt es das Izumi-Pianoduo dieses Werk. Es wächst langsam an und darf am Ende so lange und so wunderbar nachklingen.
Und dann darf Klarinettist Benjamin Dieltjens noch einmal virtuos auf seinem Instrument glänzen. Westerlinck schrieb neun „Landschaftentelkens für verschiedene Besetzungen. Nummer VII ist für Klarinette und Streichquartett. Alle fünf spielen sie fröhlich und munter diese dialogierende Partitur, mit jeweils kraftvollen und sanften Klarinetten-Soli, bis sie schließlich alle Klänge zusammen perfekt und gelassen niederlegen. Ganz in der Idiomatik, die Westerlinck auszeichnet: "Ich schreibe Musik, die die Menschen fesseln kann, ihnen etwas bringt, das sie folgen können, verstehen. Ich verwende Dinge, die in der Musikgeschichte bis heute ganz normal sind: Wiederholung, rhythmische Sicherheit und rhythmische Motive, erkennbare Akkorde, die nicht gegeneinander anwringen. Mit Musik will ich eine Geschichte erzählen." Und viele haben davon bereits genossen, auch diesmal in seinen Studio 1, in seinen Flagey.






