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Klassik Zentral

Herman Cole, Caro Giacomo … Cher Edgar. Ein anekdotischer Briefroman

Edgar Tinel (1854-1912) ist heute ein nahezu vergessener belgischer Komponist, dessen Werke selten aufgeführt werden. Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war er dennoch eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Musikleben unseres Landes.

Im Briefroman Lieber Giacomo, lieber Edgar spiegelt Autor Herman Cole Tinels Leben gegen das von Giacomo Puccini wider, dessen hundertster Todestag 2024 begangen wurde.

Es handelt sich um einen Roman, zwar basierend auf Tinels Archiven, aber vor allem auch frei erfunden. Cole schreibt sehr anschaulich, sodass der Leser sich vollständig in das Leben und Wirken des Protagonisten hineinversetzen kann. Die Briefe umfassen die letzten zwanzig Jahre von Tinels Leben, der 1912 im Alter von sechsundfünfzig Jahren starb. Es handelt sich um etwa sechzig Briefe von Tinel an Puccini. Darin greift Tinel auch häufig auf auf, was Puccini in seinen Reaktionen und Antworten an ihn schrieb.

Preis von Rom

Wie Tinel stammt auch Autor Herman Cole aus dem Waasland. Er konnte das Jahr 2024 nicht einfach vorbeigehen lassen, nicht nur hundert Jahre nach Puccinis Tod, sondern auch 170 Jahre nach Edgar Tinels Geburt in Sinaai bei Sint-Niklaas. Durch den ganzen Briefroman hindurch wird deutlich, dass der Autor beide Komponisten bewundert, so unterschiedlich sie auch waren. Cole ist Italienkenner, pensionierter Italienischlehrer, Reisejournalist und auch Ehrenbürger von Puccinis Geburtsstadt Lucca in der Toskana.

1854 geboren, ist Edgar Tinel ein typisches Produkt des tiefkatholischen Flandern des neunzehnten Jahrhunderts. Er komponierte vor allem religiös inspirierte Musik und war die treibende Kraft hinter der Cäcilienbewegung, der Reform und Reinigung der Kirchenmusik. 1877 gewann er den Prix de Rome, das will etwas heißen. Er ließ sich besonders von deutschen Romantikern wie Schumann und Brahms inspirieren. Neben Pianist, Komponist und Pädagoge war er auch Inspekteur des Musikunterrichts, Direktor des Lemmens-Instituts und später des Brüsseler Konservatoriums. Sein heute vergessenes Oratorium Franziskus war ein internationaler Erfolg mit mehr als tausend Aufführungen weltweit. Seine Hauptrolle im belgischen Musikleben brachte ihm auch den Titel eines königlichen Kapellmeisters ein. Als Albert 1909 König wurde, hatte Tinel gute Kontakte zur musikalischen Königin Elisabeth.

Café-Musik

Als einer der großen italienischen Opernkomponisten wird Puccini auch heute noch überall in der Welt aufgeführt. Während seines Lebens erlebte Puccini große Triumphe in Europa und Amerika. In Tinels Briefen hören wir das Echo von Puccinis weltweiten Erfolgen und seinen vielen Reisen. Der Briefroman ist nach großen Werken beider Komponisten gegliedert, drei von Tinel und sechs Opern von Puccini. Neben Erfolgen geht es auch um Schwierigkeiten und Hindernisse in ihrem Lebensverlauf. Manchmal wurde eine Oper bei der Uraufführung schlecht aufgenommen. La Bohème wurde als leichter Erfolg kritisiert, in Mailand wurde die Uraufführung von Madame Butterfly mit Hohngelächter aufgenommen. Der Komponist Paul Dukas fand Puccinis Tosca "Café-Musik".

In Gedanken reist Tinel mit Puccini mit oder genießt er die italienische Sonne und die Ruhe am See bei Lucca, wo Puccini seine Villa hatte. Das Familienleben beider wird ausführlich behandelt. Mit seinen sechs Söhnen hatte Tinel mehr Glück als Puccini in seinem Eheleben. Das Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist auch eine Zeit großer technologischer Fortschritte, die hier und da in der Korrespondenz erwähnt werden. Puccini schafft sich ein Automobil an, Tinel schreibt über den Flug der Brüder Wright, der Simplontunnel wird gegraben, das erste Kino der Gebrüder Lumière, Edisons Grammophon usw.

Zeitgeist

Obwohl Tinel und Puccini verschiedene Versuche unternahmen, trafen sie sich nie persönlich. Immer stand ihnen etwas im Weg. Mit Tinels Tod in seinem sechsundfünfzigsten Lebensjahr endet der Briefwechsel 1912 abrupt. Zwölf Jahre später stirbt Puccini an Krebs in einem Brüsseler Krankenhaus.

Anders als in einer klassischen Biografie kann der Leser durch die Briefe in die Haut des Protagonisten Edgar Tinel schlüpfen. Herman Cole gelingt es hervorragend, Tinels Höhen und Tiefen, das damalige Musikleben und den Zeitgeist einzufangen. Nicht nur beide Leben, Erfolge und Rückschläge werden miteinander verwoben, sondern auch die politischen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und technologischen Veränderungen der Fin de Siècle werden lebendig beschrieben. Anders als Titel und Umschlag vermuten lassen, handelt es sich ausschließlich um Briefe von Edgar Tinel an Giacomo Puccini, nicht umgekehrt. Es ist also eine alternative Biografie Tinels anhand von fiktiven Briefen.

Man muss kein Puccini-Liebhaber sein, um dieses besondere Buch zu genießen. Dieses Buch wird nicht im Handel verbreitet, sondern kann nur in der Buchhandlung 't Oneindige Verhaal in Sint-Niklaas bestellt werden. www.oneindigeverhaal.be

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Título:

  • Herman Cole, Caro Giacomo … Cher Edgar. Ein anekdotischer Briefroman

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