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Klassik Zentral

Sieg, Risiko und eine russische Seele – Im Gespräch mit dem jungen Talent Bill Dewispelaere

Mit einem überzeugenden ersten Preis beim Cantabile-Wettbewerb 2025 bestätigte der 17-jährige Pianist Bill Dewispelaere nicht nur sein außergewöhnliches Talent, sondern auch eine bemerkenswerte musikalische Reife. Der Sieg fühlt sich für ihn weniger wie ein Endpunkt an als vielmehr wie ein Ansporn, weiter zu wachsen. "Das ist eine Bestätigung, dass harte Arbeit und viel Üben ihre Früchte tragen", sagt er. "Aber was diesen Wettbewerb für mich wirklich besonders macht, sind die Preisträgerkonzerte. Regelmäßig vor Publikum zu spielen ist essentiell: So sammelt man Bühnenerfahrung und lernt, mit Nervosität umzugehen."

Zweifel sind dabei kein Fremder für Dewispelaere. Im Gegenteil. "Wenn ich neue Stücke einstudiere, habe ich oft Stress und fürchte mich, dass mir die Zeit nicht reichen wird." Doch diese Unsicherheit verwandelt sich allmählich in Vertrauen. In den Wochen vor dem Finale des Cantabile-Wettbewerbs spürte er den Wendepunkt näher rücken. Durch intensive Zusammenarbeit mit seinem Lehrer Aaron Wajnberg fiel alles immer mehr an seinen Platz. "Ich spürte, dass ich eine gute Leistung zeigen würde. Wettbewerbe bleiben natürlich immer stressig. Aber genau diese Spannung macht Live-Auftritte so magisch."

Diese Einstellung spiegelt sich auch in seinem Spiel wider. Dewispelaere scheut sich nicht, Risiken einzugehen, auch wenn das kleine Unebenheiten mit sich bringt. "Im Finale spielte ich manchmal extrem leise, ohne meinen Klang zu verlieren. Wenn man genau zuhört, hört man hier und da etwas Raues, aber das ist unbedeutend. Es geht darum, dass man so spielt, wie man die Musik empfindet."

Rachmaninow als musikalischer Antrieb

Es ist kein Zufall, dass Bill Dewispelaere sich für Rachmaninows Erstes Klavierkonzert für das Preisträgerkonzert des Cantabile-Wettbewerbs am Samstag, 28. März in De Singel entscheidet. Seit seiner ersten Begegnung mit diesem Komponisten fühlte er sich tief zu dessen musikalischer Welt hingezogen. "Das Drama, die Melancholie, die Schwere – das rührte mich sofort." Rachmaninow ist seit Jahren eine Konstante in seiner musikalischen Entwicklung. 2020 war er mit Rachmaninow Finalistpreisträger bei demselben Cantabile-Wettbewerb, und mit zwölf Jahren spielte er bereits den ersten Satz des Zweiten Klavierkonzerts, inspiriert von Sokolovs legendärer Interpretation.

"Ich habe eine russische Seele, wenn es um Musik geht", sagt er ohne Zögern. Rachmaninow, Scriabin und Prokofjew gehören zu seinen Lieblingskomponisten. Besonders Rachmaninows Erstes Klavierkonzert hat für ihn eine besondere Bedeutung. "Es steckt voller jugendlicher Energie, ist aber gleichzeitig zutiefst emotional. Es kann rau sein und zugleich lyrisch. Es ist schade, dass dieses Konzert weniger bekannt ist als das Zweite und Dritte, denn für mich hört man hier den echten Rachmaninow."

Eine Interpretation als Momentaufnahme

Beim Einstudieren eines großen Konzerts entsteht schnell eine erste interpretative Idee. "Ich versuche, diese so sehr wie möglich zu bewahren", erklärt Dewispelaere. "Aber man muss immer Kompromisse eingehen. Es gibt unendlich viele Details, die man weiter verfeinern kann, aber man darf das Große Ganze nicht aus den Augen verlieren."

Er weiß auch, dass keine Interpretation endgültig ist. "Wenn ich dieses Konzert in zehn Jahren erneut spiele, wird es sicher besser sein, aber auch dann werde ich mit einigen Dingen nicht ganz zufrieden sein. Eine Aufführung ist immer eine Momentaufnahme. Ich bin jetzt siebzehn; wenn ich siebenundzwanzig bin, werde ich es anders spielen. Interpretation ist eine Entwicklung, abhängig vom Saal, vom Klavier und vom Publikum."

Technik im Dienst der Musik

Obwohl Technik einen wichtigen Platz in seiner Studienarbeit einnimmt, sieht Dewispelaere sie niemals als Selbstzweck. "Am Anfang lege ich großen Wert auf Technik, aber ausschließlich technisches Arbeiten ist meiner Meinung nach kein guter Ansatz. Technik ist ein Mittel, um zu einem größeren musikalischen Ganzen zu gelangen." Später verschiebt sich der Fokus auf die großen Spannungsbögen und die Architektur eines Werkes, von der ersten bis zur letzten Note.

Auffallend ist, dass er keinen Unterschied macht zwischen der Vorbereitung auf eine Prüfung oder einen Wettbewerb. "Ich gehe das gleich an. In beiden Fällen fühle ich mich frei. Stress gibt es immer, aber das ist menschlich."

Eine entscheidende Rolle in seiner Entwicklung spielt sein erster Lehrer Aaron Wajnberg. "Ich bin mit sieben Jahren zu ihm gekommen. Wir haben eine sehr enge Bindung; er ist einer meiner besten Freunde. Ich kann mit ihm über alles reden. Er hat mich geprägt und kennt mich als Pianist durch und durch." Seit drei Jahren arbeitet Dewispelaere außerdem auch mit Nikolaas Kende.

Das Leben neben den Tasten

Die Kombination eines intensiven musikalischen Trainings mit Schule – dem Onze-Lieve-Vrouwecollege plus in Antwerpen – stellt sich für Dewispelaere nicht als unüberwindbar heraus. Dank seines Kunststatus kann er auf Flexibilität zählen. "Ich darf neunzig halbe Tage gerechtfertigt abwesend sein. Die Schulleitung ist sehr aufgeschlossen." Die Unterstützung geht sogar über administrative Kulanz hinaus: "Die Direktorinnen Cécile Veraert und Hilde Buysrogge waren zum Finale des Cantabile-Wettbewerbs gekommen, ohne dass ich das wusste. Das sagt viel über die Beziehung aus, die wir haben."

Auch außerhalb des Klaviers bleibt Musik eine Konstante. "Ich höre eigentlich fast immer Musik. So entdecke ich neue Werke, die ich später vielleicht selbst spielen möchte." Daneben mag er Essen, Serien und Filme, und gibt zu, auch etwas zu viel zu scrollen. Andere Genres als Klassik ignoriert er jedoch. "Ich kann kein anderes Genre länger als zwei Minuten anhören."

Ausblick

Für die kommenden Jahre stehen große Werke auf seiner Wunschliste: die Sonate von Liszt, die Klavierkonzerte und Sonaten von Prokofjew, die Sonaten und Konzerte von Beethoven – und, fügt er lachend hinzu, "eigentlich sollte ich auch mehr Chopin spielen."

Was Musik für ihn bedeutet, lässt sich letztendlich einfach zusammenfassen. "Durch Musik – und Klaviermusik im Besonderen – kann ich mich ausdrücken. Das ist, wie ich mich am besten zeigen kann. Du kannst mich nicht kennen, wenn du mich nicht als Pianisten kennst. Musik bedeutet alles für mich."

 

Detalhes:

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  • Sieg, Risiko und eine russische Seele – Im Gespräch mit dem jungen Talent Bill Dewispelaere

Fotografie:

  • Guy Kleinblatt und Anders Vranken
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