Unsere Website wurde erneuert, gib selbst deine Veranstaltungen ein. Hast du einen Fehler gesehen? Schreib uns!

Klassik Zentral

Königin-Elisabeth-Wettbewerb Cello 2026 – Sechster Finalabend 30. Mai

Der letzte Finalabend wurde wie es die Tradition verlangt, unterbrochen durch 'das Glöckchen', worauf die erforderlichen Dank- und Lobworte des Vorsitzenden des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs, Gilles Ledure, folgen. Dies geschieht jedes Jahr für den zweiten Kandidaten des Abends und gleichzeitig den letzten der zwölf, bevor dieser zu spielen beginnt. Sollte man diese vornehme kurze Rede nicht lieber bewahren, bis dieser Kandidat gespielt hat?

Das erzeugt doch zusätzliche Nervosität und das ist genau das, womit man in einer so stressigen Situation niemandem gerne noch belasten möchte. Damit endet diese Anmerkung, die der Gesamtkompetition in keiner Hinsicht Abbruch tut. Besonders das Unterbrechen der Aufführung dieses letzten Kandidaten ist wirklich störend. Die Danksagungen, hinter denen wir vollständig stehen, sind a b s o l u t angebracht, aber b i t t e zu einem anderen Zeitpunkt.

Andrew Ilhoon Byun

Fang Man (ca. 1977) – Four Odes to the Tidings of Flowers

Apropos scharfe Eröffnung, die ziemlich aggressiv ist… Der Cellist setzt harte, straffe, kratzende Bogenstriche ein, um diesen ersten Teil erklingen zu lassen. Das Mysterium in diesem Werk kommt so zur Geltung, es ist eher ein Durchspielen mit reichlich jugendlicher Energie. Das Orchester wirkt lauter als nötig. Byun bemüht sich um Virtuosität und weil das Orchester so laut spielt, braucht er (wie alle) größte Anstrengung, um gegen das übertrieben laut spielende Orchester gehört zu werden. Sein zweites Teil ist im Kontrast zum ersten sehr subtil und zart, aber etwas ‚zu' denn die Aufmerksamkeit beim Zuhören lässt nach. Der dritte Teil bringt dich zurück zur Sache mit einem energischen Einsatz, der weitergehen und erneut viel vom Cellisten fordert. Sein Tempo ist hoch und dann legt er es hin in diesem schönen, beruhigenden Bachakkord. Teil vier ist heftig, es sind keine schönen Melodien zu hören, keine Phrasierungen. Viel Technik, virtuos, aber wenig Eigenständigkeit.

Henri Dutilleux (1916–2013) – Tout un monde lointain

Dieses Werk hat viel zu bieten, hätte man es doch als Pflichtstück gewählt. Die überwiegende Mehrheit der Pflichtstücke wird ohnehin nur in Archive verwies und das zurecht. Starker Einsatz gefolgt von warmer Tiefe bis zu feinen strahlenden Bogenstrichen. Hier zeigt sich jemand als Musiker. Dieses fünfteilige Konzert, in Weltpremiere 1970 von Mstislav Rostropowitsch (1927-2007) aufgeführt, existiert durchaus, aber nicht ausreichend. Phrasierung und Atmung: es fehlt. Es kann wirklich viel mehr aus diesem Werk herausgeholt werden, mehr eigene Interpretation. Wir hören jetzt die Noten auf dem Notenpapier, komplexe Virtuosität. Musik machen, das ist, was hier wirklich möglich ist. Das Werk fleht darum und wir bekommen wohl einen Teil, aber es erfüllt sich nicht vollständig.

Tae-Yeon Kim

Fang Man – Vier Oden auf die Kunde der Blumen

Ist das ein Wettbewerb der Bewegungslehre? Ach je, man wird nervös davon, aber so spielt sie auch. Gehetzt. In den wenigen musikalischen Phrasen dieses ersten Teils gibt es keine Erfüllung. Der Orchester-Lärmsturm gefällt ihr, sie spielt schnell, heftig, virtuos. Reine Technik. Der von ihr gewählte zweite Teil bietet in seiner Zartheit viel musikalischen Beitrag des Ausführenden. Leider alles in der gleichen einheitlichen Bewegung. Wo bleibt die Phrasierung? Das Singen? Es gibt große volle Bogenstriche, es gibt so viel Raum und vom Komponisten vorgesehene Freiheit, nutze sie doch? Manchmal steckt es drin, aber sie bleibt zu sehr an den Noten auf dem Papier kleben und dringt nicht ins Werk ein.

Witold Lutosławski (1913-1994) – Konzert

Zum dritten Mal bekommen wir ein Werk, das in Weltpremiere mit Mstislav Rostropowitsch am Cello ging. Beide Konzerte dieses Abends wurden zudem im gleichen Jahr erstmals aufgeführt. Der sehr lange gezogene Einsatz hat etwas für sich, Originalität, äußerst virtuos und dennoch auch ziemlich sangbar. Mit ihrem sehr tragfähigen, warmen Instrument bringt Tae-Yeon Kim eine wirklich akzeptable Aufführung. Dieses Konzert tastet die Grenzen des Cellspiels ab und konzentriert sich stark auf virtuose Läufe, die durch chaotisches Blechgebläse unterbrochen werden, das genau die Hupen einer Autoschlange in einem unübersichtlichen Stau sind. Kim erfüllt ihre Aufgabe höchst virtuos und mit großem Engagement, und sie kombiniert wo möglich auch etwas Phrasierung. Wirklich eine besondere Leistung.

Detalhes:

Título:

  • Königin-Elisabeth-Wettbewerb Cello 2026 – Sechster Finalabend 30. Mai

Künstler:

  • Andrew Ilhoon Byun, Tae-Yeon Kim, Belgisches Nationalorchester, Leitung Antony Hermus

Ort:

  • Henry-Le-Boeuf-Saal (Palais der Schönen Künste), Brüssel

Datum:

  • 30. Mai 2026
nlNLdeDEenENfrFR