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Klassik Zentral

Königin-Elisabeth-Wettbewerb Cello 2026 – Fünfter Finalabend 29. Mai

Dieser Finalabend hat einen belgischen Hauch, nämlich ein Alumnus der Musica Mundi School in Waterloo verteidigt seine Kandidatur, Krysztof Michalski. Wie die elf anderen wünschen wir ihm alle Chancen und einen ehrenvollen Preis. Der zusätzliche Schwerpunkt der Moderatorin zu Beginn des Abends sprach mehrere an: Bitte nicht husten, und falls unvermeidlich, dann so unauffällig wie möglich. Hat ihr Appell Wirkung gezeigt? Schon beim ersten Ton des vorgegebenen Werks hört man einen Husten, und der ist in der Partitur nicht vorgesehen…

Leland Ko

Fang Man (ca. 1977) – Four Odes to the Tidings of Flowers

Man sieht Leland Ko an, dass er Wettkämpfe gewohnt ist. Er ist ein Preisträger, wie man im Volksmund sagt, und spielt bereits mit einem reichen Celloclang – überzeugt aber nicht wirklich im ersten Teil dieses Pflichtwerks. Er ist enorm technisch versiert und strahlt Ehrgeiz aus, der sich sehen lässt. Ist er zu selbstsicher? Im zweiten Teil hört man einige weniger schöne Klänge durch einen nicht ganz idealen Bogeneinsatz – oder besser gesagt, so scheint es, aber das stimmt nicht, er wählt das bewusst. Der Schlussakkord, der auf Bach anspielt, könnte viel ausdrucksstarker sein. Er ist minimal. Sein drittes Teil setzt zwar stark ein, aber es ist hauptsächlich ein sehr technisches Teil mit Glissandi, Läufen, Pizzicati und dergleichen – musikalischer Sinn kommt dabei nicht wirklich heraus. Der vierte Teil ist ebenso technisch durchdacht und doch hört man wieder diesen unschönen Beiklang des Bogens. Trägt er es jedes Mal mit dem Showeffekt?

Samuel Barber (1910-1981) – Konzert in a op. 22

Ko bringt mich zu der Frage, ob er die musikalische Linie bei seinem Einsatz wirklich verfolgt. Das ist ganz anders als die des Orchesters. Kurz darauf nimmt er die musikalischen Linien mit schönen vollständigen Phrasen, feinen eingefärbten Harmonien und Orchesterklängen vollständig auf. Er ist möglicherweise etwas eigensinnig und beschränkt die Nuancen, beschränkt die Phrasierungen ein wenig, was dem filmischen und lyrischen Charakter dieses Werks nicht wirklich zugute kommt. Es ist zu viel ‚Kunststücke auf dem Cello'. (Und hören wir denn da noch einmal ein Smartphone? ‚Zum Glück zwischen Teil eins und zwei, aber dennoch: "Brr!"')… Barber schrieb bewusst einen vor allem melodisch gehaltenen zweiten Satz für das Cello mit einigen Kontrasten des Orchesters. Der dritte energiegeladene Satz mit einem reichhaltigen Palette, die mehr als nur Bravour bietet, bleibt bei der Bravour, mit der man das Publikum eher gewinnt, aber dem Werk nicht dienlich ist. Eine starke Leistung? Sicherlich, aber nicht eine, die Musik wirklich interpretiert.

Krzysztof Michalski

Fang Man – Vier Oden auf die Kunde der Blumen

Technik vereinigt sich, soweit möglich, zur Musik. Obwohl das Orchester das Cello überwinden muss, wie die Komponistin es vorgesehen hat, kann man Michalski doch noch in den fast ohrenbetäubenden Passagen hören. Er phrasiert und atmet in den ruhigeren Teilen, etwas das in den betäubenden Passagen nicht möglich ist. Sein gewählter zweiter Satz ist sehr zerbrechlich, subtil, vorsichtig. Keine Show, keine Zurschaustellung von ‚seht, was ich kann', sondern sich in das Stück begeben und es vollwertig ausführen, bessere Musik daraus machen. Über das ganze Werk hinweg zielt er auf etwas Interessantes, Intelligentes und so treu wie möglich gegenüber Fang Mans Werk ab. Wie er die kurze Bach-Anspielung interpretiert? Es ist sofort Bach, man ist plötzlich in Bachs Welt bei diesem kurzen Schlussfragment. Er endet mit dem etwas mystischen, schwebenden, unfassbaren letzten Satz. Das Solo in diesem Teil ist ausgesprochen schön musiziert, er belebt es, phrasiert kraftvoll.

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) – Konzert Nr. 1 in Es op. 107

Ja, in diesem Konzert bekommen wir sofort neben Kraft und Rhythmus auch Nuancierung und Phrasierung. Dieses Werk birgt wohl auch Schwierigkeiten, die das technische Können betonen sollen, aber es geht vor allem darum, in dieser tonalen Musik des 20. Jahrhunderts dennoch eine musikalische Linie zu ziehen, inhaltliche Thematik und Erkennbarkeit einzubringen, einen Dialog zwischen Orchester und Solist zu schaffen. Das bekommen wir alles. Manchmal wird dieser erste Satz ziemlich aggressiv gespielt, aber das ist hier nicht der Fall. Es ist aber gut fundiert. Der zweite Satz setzt sehr gesanglich ein, mit einer wehmütigen Hornpartie, die ins Cello übergeht, das die Führung übernimmt. Dieser langsame Satz ist so einladend, er ist sanft, tröstlich. So fühlt es sich bei dieser Interpretation an. Eine nachdenkliche Ruhe überkommt mich. Im dritten und besonders vierten Satz scheint es einen Moment lang zu schwächeln, aber der Faden wird stark wieder aufgenommen und führt zu einer gelungenen, aufregenden Apotheos.

Detalhes:

Título:

  • Königin-Elisabeth-Wettbewerb Cello 2026 – Fünfter Finalabend 29. Mai

Künstler:

  • Leland Ko, Krzysztof Michalski

Ort:

  • Henry-Le-Boeuf-Saal (Palais der Schönen Künste)

Datum:

  • 29. Mai 2026
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