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Klassik Zentral

Königin-Elisabeth-Wettbewerb Cello 2026 – Dritter Finalabend 27. Mai

Die Meinungen werden auseinandergehen, wie immer übrigens, bei den Zuhörern sowohl denen, die im Saal das Erlebnis haben in dieser immer wieder besonderen Atmosphäre, die während jeder Sekunde des Wettbewerbs herrscht. Wer zu Hause über die Website des Wettbewerbs, TV oder Radio zuhört, erlebt es genauso intensiv. Das Hörerlebnis ist für niemanden dasselbe, weder für denjenigen, der im Saal sitzt, noch für denjenigen, der zu Hause zuhört. Wer es von Radio oder TV oder Computer haben muss, hört es anders, weil die Mikrofone so positioniert sind, dass man fast im Cello sitzt. Im Saal hängt so vieles davon ab, wo man sitzt und ob das Notenpult mit der Partitur vor dem Instrument steht oder nicht, sitzt man nah dran oder weit weg, im Parkett oder auf einem Balkon und und und… Kurz gesagt, für jeden, einschließlich der Juroren, ist es immer anders…

Ettore Pagano

Fang Man (geb. 1977) – Four Odes to the Tidings of Flowers

Das Chaos in dem Stück überrascht mich diesmal. Pagano versucht allerhand, hat es aber schwer, obwohl er mit viel Geschick spielt. Er schneidet scharf mit dem Bogen und lässt ihn kreischen, was Teil der Partitur ist. Es ist nicht besonders cellofreundlich und die Frage kann und darf gestellt werden, ob dieses Werk für jedermann geeignet ist. Physisch anspruchsvoll, seltsam und zu viele Glissandi, allerlei Extreme, die die Technik an die Grenzen des Könnens treiben, überwiegen gegenüber der Tonalität. Konfrontiert Ettore Pagano die Komponistin mit den Mängeln des Werks? Falls ja, dann ist dies eine Aufführung wie keine andere.

SSergei Prokofjew (1891-1953) – Sinfonia concertante op. 125

Pagano braucht viel Einsatz und Mühe, um zu fesseln, aber Stress behindert ihn in seiner Entfaltung. Er spielt ziemlich sauber, manchmal mit einer leicht unreinen Intonation, obwohl es nicht stört. Warum ergreift dieser Musiker mich nur begrenzt? Im langsamen Teil zaubiert er besonders schöne, gebundene, ergreifende Musik hervor. Hier gewinnt er mich, nur blieb es bei diesem Teil und ich blieb danach etwas unsicher. Erst im letzten Teil fasst er sich wieder und spielt leichter, flüssig und geschmeidig, was allerdings erneut mit einer etwas unreinen Tongebung einhergeht. Es gibt definitiv Spielfreude und das ist doch ein Element, das auf der Bühne Platz haben sollte.

Clara Dietlin

Fang Man – Vier Oden auf die Kunde der Blumen

Dietlin spielt ziemlich geschmeidig, aber nicht weniger konzentriert im Umgang mit dem Instrument und dem Pflichtwerk. Ihre Einsätze sind weniger kratzig, sie weiß den Bogen zu handhaben. Beachten Sie, dass die rechte Hand mit dem Bogen das musikalische Steuerwerk jedes Streichers ist, vom Violinisten bis zum Kontrabassisten. Wenn die rechte Hand/der rechte Arm nicht mitmachen will, funktioniert das Spiel nicht. Von einem solchen Problem hat diese Preisträgerin zumindest keine Schwierigkeiten. Ihre Interpretation dieses Pflichtwerks ist nicht visionär, aber sie ist verständlich, transparent und voller Selbstbeherrschung. Weniger physische Gewalt hört man, und doch muss sie sich nicht verstecken durch die Akzente, die sie zu setzen weiß.

Sergei Prokofjew – Sinfonia concertante op. 125

Zweimal identisch dasselbe anhören, verleitet zum Vergleichen, aber darum geht es nicht. Es geht um die Aufführung jedes Kandidaten für sich und man muss dann vergessen, was man zuvor gehört hat. Allgemein singt das Werk mehr als beabsichtigt, außer im langsamen Teil, wo eine sehr fließende Bewegung mit breiter gebundener lyrischer Poesie steckt. Das bekommst du schön vorgetragen zu hören, mit allerdings einem kleinen Tonanfall in den höheren Noten. Ihre begrenzten kreischenden Einsätze kommen dem Ganzen zugute. Es darf ruhig mehr betonte Phrasierung und festere Assertivität und allerhand Spiel geben, um der Sinfonia mehr Kraft zu geben. Sie arbeitet auf die Apotheose hin und zeigt noch ein starkes Beispiel von Cellospiel.

 

Detalhes:

Título:

  • Königin-Elisabeth-Wettbewerb Cello 2026 – Dritter Finalabend 27. Mai

Künstler:

  • Ettore Pagano, Clara Dietlin

Ort:

  • Henry-Le-Boeuf-Saal (Palais der Schönen Künste)

Datum:

  • 27. Mai 2026
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