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Dimitri Arnauts-Kolokolov von Bach besessen

Johann Sebastian Bach, wer kennt ihn nicht? Wer kennt Dimitri Arnauts-Kolokolov? Inmitten des Grüns von Kampenhout, der Gemeinde, wo die Familie Van Beethoven ihre Wurzeln hatte und noch hat, sitzt irgendwo auf einem Dachzimmmer ein unbekannter Komponist fast ununterbrochen und reiht Noten aneinander.

Durch einen "mag ich"-Klick auf irgendeinem Beitrag in einem sozialen Netzwerk sah ich "Komponist" neben einem mir unbekannten Namen stehen. Nie davon gehört, und auch nie einen Arnauts in unserer Grundschulklasse gehabt, aber das war es sicher nicht. Was tut man dann? Schnell mal im weltweiten Netz schnüffeln, wo ich eine Website und Musik fand. Die Musik, die dort zu finden ist, atmet von vorne nach hinten, von hinten nach vorne und von allen Seiten Bach aus. Das ist mal etwas anderes, in diesen Zeiten, nicht wahr? Ein Komponist, der zur Zeit damals zurückgreift und das nicht unter den Tisch kehrt. Eine E-Mail, ein Telefonanruf, ein Termin. Kaffee mit Gebäck. Das musste ja gut werden!

Es ist kaum zu glauben, aber der fast 50-jährige Komponist ist noch nie wirklich ernsthaft irgendwo zu Wort gekommen. Er behelligt sich mit eher begrenzten Mitteln, um ein Werk nach dem anderen aus seinem Kopf herauszupressen und auf Notenlinien zu verewigen. Der Zufall will es, dass er, kurz bevor ich ihn kontaktierte, in die deutsche Presse kam, mit – wiederum – einem nicht aufgeführten Werk. Das verdankt er einer Komposition, die er Papst emeritus Benedikt XVI. gewidmet hat. Er konnte dieses Werk "In honorem Benedicti XVI" an die richtige Adresse bringen, obwohl der Papst es nicht hörte. Zwei Tage nach der Übergabe der musikalischen Ehrerbietung starb Benedikt XVI. Das brachte den Romantiker mit Barockeinschlag in die Zeitung und wer weiß, wird er jetzt endlich mal aufgeführt, wie es sich gehört: nicht digital über den Computer, sondern von einem Orchester, live im Konzertsaal oder in der Kirche.

Eine Kirche ist vielleicht sogar der ideale Ort, denn 90 % der Werke des überzeugten gläubigen Christen Dimitri Arnauts sind religiös inspiriert. In Bachs Zeit die normalste Sache der Welt, heute so ziemlich die Ausnahme von der Ausnahme. Wer schreibt denn heute noch Musik für eine so gut wie leergefundene Kirche? Man kann da einen Baum drüberpflanzen, denn nicht alle religiöse Musik ist geschrieben, um während eines Gottesdienstes aufgeführt zu werden. Man muss auch nicht unbedingt überzeugter Christ sein, um von religiöser Musik ergriffen zu werden, und nicht nur wegen der Melodie, sondern auch wegen des Textes.

Arnauts ist engagiert und redet fleißig drauflos. Im Gespräch werden viele Themen angesprochen, nicht nur musikalische. Der Komponist interessiert sich auch für Architektur und leidenschaftlich erzählt er, wie er die Dinge sieht, genau wie in der bildenden Kunst, der Literatur, dem Leben. Er hat ein sehr ausgeprägtes Schönheitsgefühl, ein Drang nach Harmonie, Ausgewogenheit, Melodie, logischen Stromlinien, natürlichen Farben, Einfachheit und dem Reichtum, den all dies bietet. Das (zu) Abstrakte ist ihm fremd, besonders in seiner Musik. Und doch ist er nicht erstarrt oder verliebt in Bach oder Beethoven, seinen anderen musikalischen Götzen.

So präsent Bach in fast all seinen Werken auf die eine oder andere Weise ist, ist Arnauts gleichzeitig manchmal auffallend zeitgenössisch, nicht was die modernen Kompositionstechniken betrifft, wohl aber beim Schaffen von etwas Neuem, das die Spuren vieler Jahrhunderte europäischer Musikkomposition in sich trägt und zeigt, dass es noch immer Platz für etwas Neues gibt.

© mt

Auf Spotify, YouTube und auf Arnauts' eigenen Websites kannst du Werke – bereits schnell 300! – aus seiner Hand anhören. Es ist schade, dass er sich mit Elektronik behelfen muss. Ein echtes Orchester, und es darf gerne gleich ein großes sinfonisches sein, dirigiert wie Karl Richter das Mitte des 20. Jahrhunderts tat, ist sein Traum. Heute Bach auf seine Richter-Art? Das geht nicht mehr, es muss puristisch sein mit begrenztem Besetzungsumfang, denn Bach hatte nichts anderes zur Verfügung als eine Handvoll Musiker und Sänger. Arnauts mag aber jene vollen romantischen Besetzungen, besonders wie Karl Richter Bach damit aufführte. Einige werden das nicht akzeptabel finden, denn ein Fluch gegen die historische Aufführungspraxis. Andere werden vielleicht doch noch mal richtig Spaß daran haben, all diesen breiten, wollüstigen Bach, darf das nicht sein? Arnauts findet schon, zumal er sich sicher ist, dass Bach mit einem viel größeren Ensemble von Instrumentalisten und Sängern gearbeitet hätte, wenn er es zur Verfügung gehabt hätte. Sprich mir da gegen!

Was die Aufführungspraxis und die Interpretationen von Bachs Werken betrifft, geht es hier letztendlich nicht um Bach, sondern um die Werke von Dimitri Arnauts-Kolokolov und die sind aus dieser Zeit. Eine Zeit, in der für alle Arten von Instrumenten komponiert wird, auch "historische". Das ist der Luxus, den wir jetzt genießen. Wenn du Arnauts' Kompositionen hörst, merkst du, dass sie mehr verlangen als ein kleines Ensemble, mit dem Bach notgedrungen auskommen musste. Eine große Orgel – die kann zum Beispiel eine große Bachorgel sein, wie sie jetzt in der Sint-Michielskerk in Leuven prächtig steht – und sicherlich ein Orchester, das ist, was viel von Arnauts' Musik verlangt.

Wer traut sich, eine oder am liebsten mehrere Kompositionen von Dimitri Arnauts zu programmieren? Das Publikum wird mitentscheiden und es würde mich nicht wundern, wenn es um mehr verlangt. Geben Sie diesem inspirierten Schöpfer eine Chance!


Webseite: Dmitri Arnauts – Kolokolov

YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@dimitriarnauts3352

Spotify: https://open.spotify.com/artist/5PpEZI5Eljz6FChB8xLCZq

Detalhes:

Título:

  • Dimitri Arnauts-Kolokolov von Bach besessen

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