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Klassik Zentral

Der Triumph der Zeit – und von Händel

Der Triumph der Zeit und der Desillusionierung ist ein frühes Oratorium von Georg Friedrich Händel, komponiert 1707 während seines Aufenthalts in Rom, zu einem italienischen Libretto von Kardinal Benedetto Pamphilj. Das Werk ist als moralische und philosophische Debatte zwischen vier allegorischen Figuren angelegt: Bellezza (Schönheit), Piacere (Vergnügen), Tempo (Zeit) und Disinganno (Ernüchterung). Die Schönheit wird hin und her gerissen zwischen der unmittelbaren Anziehungskraft des Vergnügens und der konfrontierenden Stimme der Zeit und Einsicht, bis sie sich schließlich für eine andere Form der Wahrheit entscheidet. Es ist keine Geschichte im dramatischen Sinne, sondern ein Zusammenprall von Ideen, in dem moralische Überzeugung und menschliche Schwäche sich ständig durchkreuzen.

Händel versteht es, diese abstrakte Anlage in Musik umzuwandeln, die unmittelbar berührt. Was inhaltlich als düstere Reflexion über Vergänglichkeit gelesen werden könnte, erhält in der Partitur eine Fülle von Affekten, Kontrasten und Farben. Der junge Händel erweist sich hier bereits als Meister darin, Licht gegen Schatten auszuspielen, Verführung gegen Ernst, ohne dabei je in Vereinfachung zu verfallen.

Auch für Il Giardino Armonico ein Triumph

Für diese Aufführung boten Il Giardino Armonico und Giovanni Antonini eine Lesart, die den rhetorischen Charakter des Werkes scharf herausstellte und es gleichzeitig warm und lebendig hielt. Das Ensemble spielte mit großer Selbstverständlichkeit in Phrasierung und Artikulation, mit einem Continuo, das ständig auf den Gesang reagierte und den musikalischen Diskurs mitgestaltete. Die Spannungskurve blieb über den gesamten Abend erhalten, so dass die beträchtliche Länge des Oratoriums sich nie belastend anfühlte.

Die vier Solisten bildeten ein dichtes und ausgewogenes Quartett. Giulia Semenzato verlieh der Bellezza eine klare, flexible Stimme, die sowohl Verletzlichkeit als auch Wachstum ausdrücken konnte. Julia Lezhnewas Piacere klang verführerisch, ohne oberflächlich zu werden, elegant und geschmeidig, genau wie diese Rolle es verlangt. Carlo Vistoli verlieh Disinganno eine edle Ernsthaftigkeit und eine fast kontemplative Ruhe, während Krystian Adam als Tempo eine straffe, unerbittliche Linie zog, die den moralischen Druck im Werk ständig spürbar machte.

Innerhalb dieses Ganzen hoben sich verschiedene Momente hervor, ohne den Zusammenhang zu unterbrechen. Lezhnewas Lass die Distel war ein Moment völliger Stille: einfach, ungekünstelt und dadurch umso ergreifender. Hier zeigte Händel sein Meisterwerk in der Kunst, Schlichtheit sprechen zu lassen, während an anderen Stellen im Werk Freude und Glanz voll Raum bekommen. Diese ständige Wechselwirkung zwischen Anziehungskraft und Zurückhaltung macht dieses Oratorium so fesselnd.

Auch Tempo und Disinganno erhielten musikalisch stark ausgearbeitete Momente. In Arien wie Urnen ihr, die ihr umhüllt wurde die Unerbittlichkeit der Zeit in breiten, getragenen Linien hörbar, während Disinganno in seinen Beiträgen Klarheit und Einsicht erklingen ließ, nicht als kalte Korrektur, sondern als eine innere Verschiebung, die langsam Gestalt annimmt.

Das Finale des Oratoriums bildet einen auffallenden Kontrast zu den großangelegten Schlussteilen, die wir aus vielen anderen Oratoria und Opern kennen. In Du des Himmels erwählter Minister entscheidet sich Händel bewusst für Zurückhaltung und innere Konzentration, als wäre jede Form äußeren Triumphs hier unangebracht. Giulia Semenzato brachte diesen Schluss mit großer Überzeugung und einer natürlichen Einfachheit, die die Bedeutung des Moments vollständig zur Geltung brachte. Ihr Gesang blieb bewusst ungekünstelt, getragen von einer transparenten Begleitung, wodurch die moralische Wahl der Bellezza nicht als Sieg, sondern als Ergebung und Einsicht erlebt wurde. Diese Schlichtheit wirkte besonders stark: Nach dem Verkllingen der letzten Note blieb der Saal einen Moment still, in einer Stille, die perfekt zu diesem Finale passte, bevor sich das Publikum in lauten und anhaltenden Applaus erging.

Unvergängliche Schönheit

Das Oratorium handelt von der Vergänglichkeit der Schönheit und dem unvermeidlichen Sieg der Zeit. Und doch stellt sich hier ein kleines Paradoxon ein. Dass wir mehr als dreihundert Jahre nach der Entstehung dieses Werkes immer noch intensiv seine Schönheit genießen können, scheint den Ausgangspunkt zugleich zu bestätigen und zu untergraben. Natürlich geht Pamphiljs Text in erster Linie von physischer Schönheit aus, die sich mit den Jahren verändert und verblasst. Aber Händels Musik zeigt eine andere Form von Schönheit, eine, die nicht verschwindet, sondern sich in jeder überzeugenden Aufführung neu erneuert. In der Bozar war dies kein abstraktes Konzept, sondern eine hörbare Realität.

Detalhes:

Título:

  • Der Triumph der Zeit – und von Händel

Künstler:

  • Giulia Semenzato - Bellezza (Sopran)
    Julia Lezhneva - Piacere (Sopran)
    Carlo Vistoli - Disinganno (Alt)
    Krystian Adam - Tempo (Tenor)
    Il Giardion Armonico unter Leitung von Giovanni Antonini

Ort:

  • Bozar

Datum:

  • 5. Februar 2026

Fotografie:

  • Alberto Panzani

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