Als Johann Sebastian Bach beschloss, die sechs Partiten, bekannt als Clavier-Übung I, drucken zu lassen, betrat er eine Form der Selbstdarstellung, die gleichzeitig selten und unverkennbar programmatisch war. Das Klavier wird zu einem Buch, das seinen Ruf verkörpert: Auf dem Titelblatt steht die Widmung an die Liebhaber neben der Formel In Verlegung des Autoris (auf Kosten des Autors), zusammen mit dem Motto Denen Liebhabern zur Gemüths Ergötzung (zur Erquickung des Geistes von Musikliebhabern), das ein Vergnügen verkündet, das als Geschmacksbildung gedacht ist, nicht als oberflächliche Zerstreuung. In einem Leipzig, wo die Verbreitung von Handschriften noch immer die Norm war, wird der Druck eine bewusste Standortwahl: die Festlegung eines persönlichen Kanons und dessen Vermarktung unter dem Siegel des Autors.
Die Partiten erschienen in Leipzig zwischen 1726 und 1730 in separaten Bänden; 1731 wurden sie in einer kompletten Ausgabe zusammengefasst, gedruckt mit denselben Platten, in Hochformat, mit standardisierter Seitennummerierung und Titeln (Partita 1, Partita 2, usw.). Die erste Version des Titelblatts vermerkt den Verkauf unter dem Rathaus, in den Räumen der Witwe Boëthius; dieser Hinweis verschwindet in einer späteren Ausgabe, und eine dritte Version ist an der gravierten alphabetischen Seitennummerierung erkennbar. Dieses Detail deutet auf eine Abfolge von Versionen hin, die Vertrieb, Korrektionen und die Wiederherstellung des Marktgleichgewichts widerspiegelt, wie es geschieht, wenn Musik Teil einer realen Wirtschaft ist. Die Gravuren wiederum skizzieren eine geografische Ausbreitung von Fachwissen. Nach Gregory C. Butler wurden Partita 1 und 2 von Balthasar Schmid graviert, damals Student in Leipzig, während Partita 3 und 4 von Johann Gotthilf Ziegler graviert wurden, Organist in Halle und bereits Bachs Schüler in Weimar. Die Fertigstellung der Ausgabe von 1731, vom Titelblatt bis zur Seitennummerierung, wird dem Leipziger Kupferstecher Johann Gottfried Krügner zugeschrieben, dessen Familie in den Verkauf des ersten Drucks verwickelt war. Ein Verflechtung von Werkstattpraxis, Stadtleben und persönlichen Verbindungen, weit entfernt von dem abstrakten Bild des isolierten Genies.
Innerhalb dieser praktischen Modernität ist ein starkes Bewusstsein für Tradition vorhanden. Bach basierte die äußere Form der Veröffentlichung auf Johann Kuhnaus Neue Clavier-Übung, wobei er sowohl den Gesamttitel als auch die Bezeichnung Partita übernahm. Die tonale Anordnung, B-Dur, c-Moll, a-Moll, D-Dur, G-Dur, e-Moll, bezieht sich auf eine vollständige Tonleiter: Eine Ankündigung vom 1. Mai 1730 deutet darauf hin, dass Bach vorhatte, auf der Michaelis-Messe nicht nur eine sechste, sondern auch eine siebte Partita zu veröffentlichen. Warum das definitive Opus 1 sechs Partiten zählt, ist unbekannt. Dennoch bleibt die Idee einer höheren Ordnung wie ein Wasserzeichen präsent, um so aussagekräftiger, weil sie nicht explizit genannt wird.
Darüber hinaus entstand nicht alles Material ursprünglich mit dem Druck im Auge. Spuren früher Versionen tauchen in einem Familienmanuskript von Kleine Clavier-Stücke auf; Partita 3 und 4 eröffnen das Clavier-Büchlein für Wilhelm Friedemann Bach; und zwei Sätze von Partita 6, Corrente und Tempo di Gavotta, stammen aus der ursprünglichen Fassung der Sonate BWV 1019a für Violine und obligates Cembalo. Zur Zeit der Veröffentlichung von Partita 1 wurde ein Exemplar Emanuel Ludwig, dem neugeborenen Sohn des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen, gewidmet: die häusliche Suite wird gleichzeitig ein Geschenk und eine Erinnerung an eine Hofzeit, die unter den strengen Leipziger Bedingungen noch immer nachklingt. Das Jahr 1731 fällt nicht mit einer endgültigen Aussage zusammen, sondern eher mit dem Beginn einer neuen Phase der Kontrolle. Für die Gesamtausgabe ließ Bach die Platten korrigieren und zahlreiche Ausführungsanweisungen, Verzierungen, Legatobögen und Staccato-Markierungen gravieren; dennoch bleibt der Druck voller Ungenauigkeiten. Mit Hilfe von Mitarbeitern wurden verschiedene erhaltene Exemplare anschließend von Hand korrigiert: Die kritischen Ausgaben beschreiben eine Gruppe annotierter Exemplare mit unterschiedlichen Zwecken, die von Lesbarkeit bis zur Fehlerbehebung reichen und weiter zum Hinzufügen von Artikulationen, Tempi und vor allem zu einer reichen Verzierung reichen, die oft in bestimmten Sätzen konzentriert ist. Die erhaltenen und katalogisierten Exemplare, die nun auch digital zugänglich sind, stellen dieses Werk als redaktionelles Artefakt sowie als Repertoire wieder her: Titel, Umfang, Schrift und Layout werden Teil der kulturellen Bedeutung, da sie zeigen, wie Bach wollte, dass es gelesen wurde, bevor es gespielt wurde.





