Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (1875-1911) komponierte wie er malte: in Symbolen, Farben und stillen Offenbarungen. Seine Preludes atmen dieselbe Luft wie seine visionären Gemälde, in denen litauische Folklore, Mystik und Natur zu einer einzigen, leuchtenden Welt verschmelzen. In den intimen Klavierwerken der VL-Serie entfalten sich sanfte chromatische Linien wie Volksmelodien aus Kindheitserinnerungen – Fragmente, die seine Mutter einst im Holzhaus in Druskininkai sang. Darauf folgt eine Reihe von Variationzyklen über Lieder von Natur, Liebe, Leben und Mutterschaft, alle mit der Schlichtheit mündlicher Tradition komponiert, aber nuanciert durch eine zunehmend modernere harmonische Sprache. In diesen 35 Stücken betritt Pianist Geert Callaert Čiurlionis' duales Universum aus Klang und Vision mit müheloser Zärtlichkeit und strukturellem Gleichgewicht. Seine Interpretationen beleuchten die innere Achse, wo Preludes zu Landschaften werden, Variationen zu Erinnerungen und chromatische Flüsterungen zu den Pinselstrichen des Malers, übersetzt in Klang. Diese Aufnahme bietet nicht nur einen seltenen Einblick in ein noch unentdecktes Repertoire, sondern auch eine Einladung in die Welt eines der einzigartigsten künstlerischen Geister des 20. Jahrhunderts – zerbrechlich, suchend und leuchtend.





