Bernard Haitink dirigiert Mahlers Symphonie Nr. 4 in G-Dur
Der niederländische Dirigent Bernard Haitink und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR-KLASSIK) waren durch eine langjährige und intensive künstlerische Zusammenarbeit verbunden, die durch seinen Tod im Oktober 2021 jäh unterbrochen wurde. BR-KLASSIK präsentiert nun hervorragende Live-Aufnahmen von Konzerten aus den vergangenen Jahren, die bislang noch nicht veröffentlicht wurden. Diese Aufnahme von Gustav Mahlers Vierter Symphonie dokumentiert Konzerte aus November 2005 in der Münchner Philharmonie im Gasteig.
Seit Haitink 1958 erstmals ein Abonnementkonzert in München dirigierte, stand er immer wieder an der Spitze des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks – im Herkulessaal der Residenz oder in der Philharmonie im Gasteig. Die fruchtbare Zusammenarbeit dauerte mehr als sechs Jahrzehnte. Orchestermusiker und Sänger arbeiteten genauso gerne mit ihm zusammen wie die Toningenieure des BR. Als Interpret des symphonischen Repertoires, besonders der deutschösterreichischen Spätromantik, war Haitink weltweit hochgeschätzt. Auch Mahlers Symphonien waren bei ihm immer in den besten Händen. Die Transparenz der Klangarchitektur einer musikalischen Komposition mit ihren vielfältigen Verflechtungen war für ihn das höchste Prinzip: äußerste Klangempfindlichkeit verbunden mit einer klaren, strukturierten Interpretation der Partitur.
In seiner vierten Symphonie brachte Gustav Mahler seine Auseinandersetzung mit den Gedichten aus "Des Knaben Wunderhorn" zu einem vorläufigen Höhepunkt. Bereits in den 'Wunderhorn-Symphonien' Nr. 2 und 3 waren Texte aus diesem zwischen 1805 und 1808 von Clemens Brentano und Achim von Arnim herausgegebenen Gedichtband verarbeitet. In seiner zwischen 1899 und 1901 komponierten vierten Symphonie erklingt nun im Finalsatz das Wunderhorn-Gedicht 'Das himmlische Leben', das Mahler bereits 1892 vertont hatte. Es zeichnet aus einer kindlichen Perspektive das Bild eines Jenseits als Schlaraffenland. Mit dieser "himmlischen Welt" skizziert Mahlers skeptischer Blick auf die Welt seiner Zeit einen utopischen Gegenentwurf.





