Das vierte Supraphon-Album des 21-jährigen Pianisten Daniel Matejčka bedeutet einen Genrewechsel. Nach den virtuosen Sonaten von Eugène Ysaÿe (2023), einem Album mit Kammermusik zusammen mit Pianist Jan Schulmeister (Suk, Martinů, Fišer, 2025) und spannenden Konzerten von Schostakowitsch und Prokofjew mit dem Prager Rundfunk-Sinfonieorchester unter der Leitung von Tomáš Netopil (2025) liegt der Fokus nun auf dem »Tango Nuevo«, der untrennbar mit Ástor Piazzolla verbunden ist. Neben dem argentinischen Tango spiegelt sein Kompositionsstil nicht nur die zeitgenössische Klassik wider, die er in Paris bei Nadia Boulanger studierte, sondern auch Jazz und insbesondere die Musik von Bach, die Piazzolla zur Überraschung vieler auf dem Bandoneon spielte. Auf einer Landkarte würde Piazzolla auf einer gedachten Achse zwischen Buenos Aires, Paris und New York liegen.
Es war wahrscheinlich diese Vielfalt an Inspirationsquellen, die Daniel Matejčka faszinierte, der neben der Violine auch Klavier und Schlagzeug spielt (ganz zu schweigen von der breiten Palette von Genres, die er verkörpert), ebenso wie der außergewöhnliche Akkordeonist Martin Šulc, dessen Klangpalette von Intimität bis zu einer manchmal fast orchestralen Fülle reicht. Ihr fehlerfreies Zusammenspiel ist selbstverständlich; umso beeindruckender ist das Maß an Freiheit und Ausdruckskraft, das sie darin zum Ausdruck bringen. Beide Suiten (»Suite del Ángel«, »Histoire du Tango«) enthalten deutlich hörbare Echos von Piazzollas Pariser Studienzeit. Natürlich dürfen »Ave Maria«, »Oblivion«, »Escualo« und »Finale« nicht fehlen – unwiderstehliche Werke, die für sich allein bereits ausreichen würden, um Piazzollas Unsterblichkeit zu sichern. Diese Aufnahme zweier junger Musiker, die von der argentinischen Legende fasziniert sind, könnte sicherlich zu diesem bleibenden Vermächtnis beitragen.





