Das Bournemouth Symphony Orchestra unter Dirigent Kirill Karabits präsentiert zusammen mit einem hervorragenden Ensemble unter der Leitung von Corinne Winters in der Titelrolle die Welterstaufnahme von Thomas de Hartmanns verschollener Oper "Esther". "Esther" wurde während der Naziokkupation von Paris geschrieben und komponiert, oft bei Kerzenlicht, als de Hartmann – ein nicht-jüdischer ukrainischer Emigrant – Zeuge der Gräuel des Holocaust wurde. Er erkannte Parallelen zwischen diesen Ereignissen und der biblischen Geschichte von Esther, wie sie in Jean Racines Schauspiel dramatisiert wird, dessen Text er als Libretto bearbeitete.
"Esther" ist möglicherweise das einzige große Musikwerk, das in dieser Zeit als direkte künstlerische Antwort auf den Holocaust komponiert wurde. Es war ein lohnendes Unterfangen, dieses lange vernachlässigte Werk wieder zum Leben zu erwecken, wobei das Manuskript des Komponisten eingehend studiert und eine neue moderne Aufführungsedition vorbereitet wurde. Dieser Prozess erforderte eine gründliche Untersuchung von de Hartmanns Orchesternotation und stilistischer Sprache. "Esther" ist ein außergewöhnliches Werk, das eine Brücke zwischen Oper und Oratorium schlägt. Der dramatische Umfang wird durch lange Monologe, Chorkommentare und ein triumphales Schlussensemble geprägt. Es ist reichlich orchestriert und spiegelt das gesamte Spektrum von de Hartmanns künstlerischer Entwicklung wider – von seiner frühen Ausbildung in St. Petersburg und dem Einfluss von Nikolai Rimski-Korsakow, Anton Arenski und Sergej Tanejew bis zu seinen späteren kreativen Phasen in München und Frankreich sowie seiner Suche nach einer zutiefst persönlichen musikalischen Sprache. "Esther", das größte und ehrgeizigste Spätwerk des Komponisten, ist eine Zusammenfassung seines eklektischen, polystilischen Ansatzes und eine fesselnde Wiederentdeckung für zeitgenössische Aufführende und Hörer.
Dieses Album ist Teil einer Thomas-de-Hartmann-Serie, die darauf abzielt, die Musik dieses Komponisten neu vorzustellen.





