Eine der Herausforderungen, denen sich ein Pianist bei diesem Lebenswerk von Chopin stellen muss, ist die Wahl des Instruments. Ein Steinway, ein Hoffmann, Kawai oder ein alter Erard? Welches Klavier ist in der Lage, Chopin Paroli zu bieten? Die belgische Pianistin Marie François hat eine Antwort.
Chopin (1810–1849) arbeitete an seinen 21 Nocturnes seit seiner Jugend bis drei Jahre vor seinem Tod und während dieser Zeit durchlebte das Klavier eine stürmische technische Entwicklung. Die Spannweite wurde auf sieben Oktaven erweitert, Filz ersetzte das Leder der Hämmer, es kamen zwei Pedale hinzu und es wurde möglich, schnelle Notenwiederholungen zu spielen. Alles Schritte, die Chopin eifrig in seine Kompositionen einarbeitete. Und jeder Klavierbauer hat eine Vorliebe für einen bestimmten Kompositionsstil. Deshalb teilten zahlreiche Pianisten dieses Nocturne-Dilemma und entschieden sich für einen (französischen) Pleyel oder Erard aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die belgische Pianistin Marie François hat sich für die Yamaha CFX entschieden – vielleicht nicht die naheliegendste Wahl, aber so abgestimmt, dass die Bässe nicht überwiegen und die hohen Register hell und doch voll klingen. Das ist auch notwendig, um den Melodielinien der rechten Hand Raum zu geben und sie nicht von einer zu aufdringlichen linken Hand überlagern zu lassen. John Field, der das Genre Nocturne entwickelt hat, orientierte sich am Belcanto-Repertoire von Bellini – und da darf kräftig gesungen werden, wenn möglich bis tief in die Nacht hinein. Sangbar und funkelnde Eleganz scheinen das Leitmotiv dieser Doppel-CD zu sein. Diese Qualitäten kommen in der Nocturne Nr. 8 (Op. 27, Nr. 2) besonders zur Geltung, wo François die Dynamik und Phrasierung so kontrolliert, dass Feingefühl und Lyrik in perfekter Balance bleiben. Das gilt auch für die Nocturne Nr. 18 (Op. 62 Nr. 2), François' Lieblingsstück, von dunklerer Färbung und langsam zur Mitternacht hinziehend. Marie François spielt diese Nocturnes sowohl sinnlich als auch kokett, sowohl ausdrucksvoll als auch feinfühlig – und es wird niemals sentimental. Bei ihr ist es eine klare Nacht unter einem funkelnden Sternenhimmel.





