Welcher Komponist hat heutzutage noch das Glück, ein Konzert zu besuchen, das ausschließlich aus seiner eigenen Musik besteht? Dieses Glück widerfuhr Wilfried Westerlinck. Und es geschah noch dazu zu seiner Feier seines 80. Geburtstags. Und dann noch in der wunderschönen Kapelle des Hollands College in seiner Geburtsstadt Leuven.
Er gab selbst die Einleitung, kam aber zunächst mit guten und schlechten Nachrichten. Seine 2. Sonate, als 2. Stück dieses Vormittagskonzerts geplant, fiel aus, da der Pianist absagen musste. Sehr schade, denn es war niemand Geringeres als das Leuvenese Pianowunderkind Brecht Valckenaers. Die gute Nachricht? Die anderen Musiker waren da. Und die Eröffnung war für Geigerin Kristina Rimkeviciute und Cellist Alexander Avramichik. Ein Duo für Violine und Cello – man findet nicht viele davon. Westerlinck schreef es in Spanien unter dem starken Eindruck der vielen Prozessionen, bei denen starke Schultern fast schwankend Bilder der heiligen Jungfrau trugen. Man hört das auch in dieser Violinmelodie mit aufsteigenden und absteigenden Linien, unterstützt durch das zupfende Basso continuo des Cellos, das doch zusammen streichend die Schlussakkorde spielte. Der Komponist erzählte, wie ihn die Sonorität eines Instruments verführen kann. Und sein Werk ist daher voller Solowerk, besonders für Blasinstrumente. Bei ihm hat Einfachheit den Vorrang vor Komplexität. Tille Van Gastel interpretierte das voller Farbe und mit einem fast samtigen Klang auf einem Instrument, das wir nicht oft solo hören: eine Altflöte. Es war eine besondere belgische Schöpfung dieser 'Aquarel III für Altflöte'. Abschließend hörten wir seine vorerst letzte 'Landscape'. Es ist Nummer IX. Er schreibt sie meist für verschiedene Besetzungen. Dieses Mal war es für Streicher und Klavier, aufgeführt vom Mirra Quartett. Er schrieb diese Landschaft im niederländischen Drenthe während der Coronazeit. Aber all diese Landschaften sind für ihn auch Landschaften seiner Gemütsverfassung. Damals ging es um Eingesperrtsein und doch zu versuchen auszubrechen, mit Gefühlen der Ergebung und Widerspenstigkeit, aber mit einem kraftvoll befreienden Schluss.
Wie anders kann ein solches Geburtstagskonzert enden als mit warmen Umarmungen mit dem gefeierten Achtzigjährigen. Herzlichen Glückwunsch Wilfried.