Donnerstagabend, 4. September 2025, brachte das dänische Barockensemble Concerto Copenhagen unter der Leitung des Cembalists und Dirigenten Lars Ulrik Mortensen ein hochrangiges Konzert in der Henry Le Boeuf-Saal von Bozar. Mit einem durchdachten und intelligent aufgebauten Programm setzte das Ensemble nicht nur die reiche musikalische Tradition Dänemarks in Szene, sondern unterstrich auch seinen Status als führender Botschafter der historischen Aufführungspraxis.
Händel sprach, sang und tanzte erneut
Der Abend eröffnete festlich mit der Water Music Suite Nr. 1 von George Frideric Händel (1685–1759). In einer frischen Umordnung der Teile und mit einem lebendigen, aber niemals gehetzten Tempo bekam diese oft gespielte Suite neuen Glanz. Die Artikulation war funkelnde, die Phrasierung atmete Freiheit, und die Dynamik — oft subtil, manchmal üppig — hielt den Hörer ständig in Aufmerksamkeit.
Unter Mortensens präzisen, aber luftigen Gesten klangen die Bläser ausdrucksvoll und elegant, während die Streicher warm, getrieben und tanzend spielten. Die Water Music verlor jede museale Steifheit und wurde erneut das, was sie ursprünglich war: ein sprudelnder Fluss aus Klang, bestimmt zu entzücken, zu feiern und zu verbinden.
Alte Musik, neues Leben
Danach wandte sich Mortensen kurz an das Publikum. Er erläuterte die Mission seines Ensembles: „Wir möchten Musik spielen, als wäre sie gestern geschrieben worden." Keine hohle Parole, sondern eine künstlerische Richtlinie, die während des ganzen Konzerts spürbar blieb.
Concerto Copenhagen spielte nicht historisierend, sondern lebendig. Jede Phrase zeugte von Überzeugung, Spontaneität und Freude. Intonationsprobleme blieben aus; vielmehr fiel das Ensemble durch seine Reinheit, Balance und warme, homogene Klangqualität auf. Die Oboen und Hörner glänzten durch Treffgenauigkeit und Charakter — hell, strahlend, elegant.
Vergessene Stimmen: Scheibe und Hartmann
Nach dem vertrauten Händel folgte eine gewagter, aber wertvoll Wahl: Musik von Johann Adolf Scheibe (1708–1776) und Johann Ernst Hartmann (1726–1792), Komponisten aus der Übergangszeit zwischen Barock und Klassizismus. Mortensen versetzte ihre Werke in Kontext und mit einem Hauch Ironie: Als kleines Land importierte Dänemark oft Komponisten, in diesem Fall beide aus Norddeutschland. Dennoch gaben sie dem Musikleben in ihrer neuen Heimat eine eigene Färbung.
Scheibes dreiteilige Sinfonia in B klang frisch, unmittelbar und transparent. Hartmanns vierteilige Sinfonie Nr. 1 in D überraschte mit ihrer melodischen Erfindungsgabe und emotionalen Ausdruckskraft. Concerto Copenhagen brachte beide Werke mit verfeinerte Zusammenspiel, einem lebendigen Sinn für Form und einer Dynamik, die natürlich wirkte. Die Musik wurde nicht nur aufgeführt, sondern mit Liebe und Einsicht zum Klingen gebracht.
Dialog in der Tiefe: verhaltene Größe
Als Abschluss des Programms wählte Concerto Copenhagen das bekannte Cellokonzert in C von Joseph Haydn (1732–1809) — ein Werk, das seine Popularität nicht allein virtuosen Flair verdankt, sondern auch seiner verfeinerten Formgebung und intimen Ausdruckskraft. Haydns Musik trägt hier keine Pathetik, sondern spricht in hellen Linien und feinsinnigen Dialogen.
Der dänische Cellist Andreas Brantelid setzte von Anfang an den Ton mit einer Interpretation, die mehr suchte als Effekt: eine Lesung, die hörte, reflektierte und verband. Statt einer Bravourleistung — und Haydn würde dafür sicherlich Raum bieten — wählte Brantelid einen Ansatz, in dem musikalische Logik und emotionale Nuance Hand in Hand gingen. Sein Spiel war von warmen Ton, frei von Verzierungen und gekennzeichnet durch eine seltene Selbstverständlichkeit.
Der Dialog mit dem Ensemble — keine Begleitmaschine, sondern ein aktiver Gesprächspartner — verlief organisch und vital. Mortensen folgte dem Solisten nicht bloß, er atmete mit, antizipierte und leitete subtil, wenn nötig. Die Kadenz im ersten Teil blieb in der klassischen Geistesart verankert: virtuos, ja, aber mit einem inneren Gleichgewicht, das bloße Zurschaustellung übersteigt.
Besonders stark war der langsame zweite Teil (Adagio), in dem Brantelid die Melodie mit einer verinnerlichten Intensität singen ließ, die nicht sentimental wurde. Jedes Motiv bekam Raum zum Atmen, blieb aber straff in den größeren Verlauf eingebettet. Im rondoförmigen Schlussteil (Allegro molto) brach die Sonne vollkommen durch: rhythmische Wachsamkeit, scharfsinnige Akzente und eine ansteckende Leichtigkeit ohne Leichtfertigkeit.
Haydn mag im Konzertsaal eine alte Bekannte sein, Brantelid und Concerto Copenhagen bewiesen, dass es immer neue Erkenntnisse zu finden gibt — wenn man mit offenen Ohren hört und mit Herz und Verstand spielt.
Zugabe mit Finesse
Statt eines solistischen Bravourstücks wählte Brantelid ein subtiles Zeichen: Zusammen mit der Solisten-Cellistin des Ensembles brachte er zwei Sätze aus einer Suite für zwei Celli von Giovanni Battista Sammartini (ca. 1700–1775). Ein zartes und feierliches Epilog, das die Verbundenheit zwischen Solist und Ensemble unterstrich — eine letzte musikalische Verbeugung in inniger Einfachheit.
Ein musikalisches Tribut an Dänemark
Dieses Konzert war Teil der kulturellen Programmierung rund um die dänische EU-Präsidentschaft und bewies, dass Größe nicht immer in programmatischer Schwere oder monumentalen Besetzungen liegt. Concerto Copenhagen bot kein pompöses Spektakel, sondern ein inhaltlich reiches und stilistisch kohärentes Programm, das Vergangenheit und Gegenwart subtil in Dialog brachte.
Meisterschaft ohne Verzierung
Mit diesem Auftritt bestätigte Concerto Copenhagen, dass historische Aufführungspraxis nichts an Frische, Phantasie oder Relevanz einbüßen muss. Die Musiker vereinigten Virtuosität mit Verfeinerung, Präzision mit Ausdruck und brachten Musik, die sprach, sang und lebte.
Lars Ulrik Mortensen erwies sich als Meister seines Fachs — nicht nur als Cembalist, sondern vor allem als Inspirator. Andreas Brantelid überzeugte mit Tiefe und Integrität. Zusammen webten sie, mit dem Ensemble, einen musikalischen Teppich, der sowohl Kenner als auch neue Hörer zu berühren wusste.
Lassen Sie uns hoffen, dass diese musikalischen Botschafter Dänemarks bald wieder ihren Weg nach Belgien finden.