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Rezensionen

Der kostbare Rarität-Liedersänger

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· 3 Min. Lesezeit
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Der kostbare Rarität-Liedersänger

**** Das Liedprogramm auf dieser neuen Challenge Classics-CD bedeutet für mich die Entdeckung einer wunderschönen Barytonstimme und gleichzeitig einer starken Persönlichkeit für das Genre.

Dies sollte ohnehin schon aus seinem Programm hervorgehen: Neben dem vertrauteren Repertoire von Robert Schumann hat Raoul Steffani sich für Lieder von Edvard Grieg, Jean Sibelius und Alban Berg entschieden. So unterschiedlich die Komponisten auch sind, die Linie der romantischen Melancholie ist intensiv im Programm verankert. Das war auch die Absicht des Baritons, der übrigens auch das Talent hat, seine Verantwortung für die Zusammenstellung des Programms und die Wahl dieser Komponisten in dem Text des Beihefts interessant zu formulieren. Der Titel der CD ist nicht ohne Grund „Deep in a dream".

Die CD beginnt mit Liederkreis (opus 24) von Schumann, jenem herrlichen Zyklus aus seinem Liederjahr 1840. Es ist auch das Jahr, in dem er mit Clara Wieck heiratet, eine große Erleichterung nach dem Kampf, den er zuvor mit ihrem Vater geführt hatte. Der Zyklus endet mit dem wunderbar schönen Mit Myrten und Rosen, dem Schumann in der Partitur die Anweisung „innig" mitgab. Aber bevor wir bei jenem letzten Lied angekommen sind, haben wir bereits die besondere Timbre des Sängers lieben gelernt: hell baritonisch mit einem geschmeidigen Übergang zu den hohen Noten, wobei er die Klangfarbe beibehält. In Ich wandelte unter den Bäumen steckt vielleicht zu wenig Bewegung in der Stimme, wodurch eine leichte Monotonie droht. Aber das ist wirklich Detailkritik, die angesichts des schön gelungenen Endes des Liedes verschwindet. Und dass er mir bei Schöne Wiege meiner Leiden eine Gänsehaut beschert, spricht für seine künstlerische Authentizität, denn das geschieht nicht so oft beim Hören von Liedern auf CD.

Stilltreue

Von Edvard Grieg trägt er zunächst die sechs Lieder des opus 48 mit dem allbekannten Ein Traum vor, und als Abschluss das beliebte Ich liebe dich (opus 5/3). Für diese Lieder bin ich eher eine Frauenstimme gewöhnt, und für die beiden eben genannten Lieder sitzt das ursprüngliche Norwegische im Gedächtnis. Aber Raoul Steffani zog die deutsche Version vor, um die Einheit mit Schumann und Berg zu wahren. Es ist eine umstrittene Wahl, aber die Lieder werden ausgezeichnet gesungen: leicht pathetisch entsprechend dem Inhalt, aber gut dosiert. Die Klarheit der Stimme kommt schön zur Geltung in der Lebendigkeit von Lauf der Welt, die Gelassenheit und Traurigkeit in Zur Rosenzeit. Allerdings vermisse ich bei Ich liebe dich das ursprüngliche Jeg elsker deg, es ist auf jeden Fall ergreifend gesungen. Auch die Lieder von Sibelius – allerdings in der Originalsprache – werden mit der richtigen Melancholie und Emotionalität vorgetragen. Dass der Sänger selbst für die deutsche Übersetzung im Textbuch verantwortlich ist, spricht umso mehr für sein Verständnis und seine richtige Erfassung dessen, was er singt. Auch die Lieder von Alban Berg schließlich werden mit Stilltreue und mit der richtigen Neigung zum Sprechgesang gesungen, die der Lyrik jedoch nicht im Wege steht.

Dass sich Gerold Huber (der ständige Pianist inzwischen verehrter Liedersänger wie Christian Gerhaher) als Pianist an die Seite des jungen Sängers stellt, kann ohnehin schon als Garantie betrachtet werden, dass wir es mit einem Talent für das heikle Liedgenre zu tun haben. Um ihn auch noch zu bewundern: Hören Sie auf das Echo bei „Tandaradei! Tandaradei!" in Griegs Die verschwiegene Nachtigall. Muss ich noch jemanden davon überzeugen, dass dies eine CD ist, die Liedliebhaber pflegen können?


  • WAS: Deep in a dream – Lieder von Robert Schumann (1810-1856), Edvard Grieg (1843-1907), Jean Sibelius (1865-1957) und Alban Berg (1885-1935)
  • WER: Raoul Steffani (Bariton) & Gerold Huber (Klavier)
  • AUSGABE: Challenge Classics CC 72785
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