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Rezensionen

Spektakelmusical '14-'18 – BEEINDRUCKEND & MITREISSEND

V
· 8 Min. Lesezeit
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Spektakelmusical '14-'18 – BEEINDRUCKEND & MITREISSEND
© Studio 100

Vor 10 Jahren präsentierte Studio 100 in der Nekkerhal in Mechelen eine Aufführung, bei der fahrende Tribünen eingeführt wurden, die auf die Aktion hinein- und herauszoomen konnten. Jetzt gehen sie in alle Richtungen. Man fühlt sich wie eine Fliege, die um die Aktion herumkreist, so dass man alles aus der ersten Reihe erlebt.2014, es war genau 100 Jahre, seit der Erste Weltkrieg ausbrach. Der militärische Konflikt breitete sich wie ein Ölfleck aus. Ein Sturm tobte über Europa. Der Krieg trieb große Teile der Bevölkerung zur Verzweiflung. Sie packten ihre Habseligkeiten zusammen und schlossen sich dem wachsenden Strom von Flüchtlingen an, hilflosen Bürgern. Mit diesen chaotischen Bildern eröffnet die Aufführung. Sofort wird man mit der Nase auf die Fakten gedrückt. Jeder Krieg ist ein tragisches Schlachtfeld. Wie ein Maelstrom zerhackt er eine Gesellschaft.

Der Erste und Zweite Weltkrieg haben ein Nachbeben. Bleiben zurückprallen. Es wurden Hunderte von Büchern darüber geschrieben und Filme gedreht, in denen der Wahnsinn und auch die Tapferkeit zur Sprache kamen. Bei der ersten Inszenierung lebten wir im Friedensmodus und die Losung „Nie wieder Krieg" stand an erster Stelle. Jetzt lebt Europa unter der Bedrohung durch einige machthungrige Anführer. Jeden Tag werden wir mit erschreckenden Bildern konfrontiert: wir sehen, wie die Ukraine und Palästina massakriert werden. Das ergreifende Entsetzen des Krieges! Man fühlt sich manchmal fast schuldig, dass wir in Frieden und Sicherheit leben!

As time goes by


In dieser hybriden Produktion zeigt Frank Van Laecke erneut seine Meisterschaft. Der Drang, ein Drehbuch in Ausdruck zu verwandeln. '14-'18, eine beeindruckende Aufführung voller Emotionen, Scharfsinn und Handwerk.

Die Kriegsbedrohung war noch nie so nah. Die Welt da draußen ist ein schreckliches Theater. Er behielt die Drehbuchvorlage weitgehend bei, mit Akzentverschiebungen. Geht tiefer auf die Verunsicherung der Menschen ein. Das Konzept wurde technisch verfeinert in einer halluzinierenden Regie. Allard Blom lieferte die Liedtexte. Musik: Dirk Brossé eingespielt von der Filharmonie. Tijl Dauwe Creative Director Motion und Assistent-Regisseur und noch eine beeindruckende Batterie von Mitarbeitern hinter den Kulissen sorgten für eine ergreifende Aufführung. Dies mit dem Einsatz von Leib und Leben eines 100-köpfigen intergenerationalen, vielseitig einsetzbaren Ensembles, sowohl musikalisch, tänzerisch als auch theatralisch.

Filmische Geschichte

Ein Drehbuch ist wie ein zerbrechliches Bauwerk mit Handlungssträngen, die Van Laecke auf ingenieuse Weise miteinander verbindet. In diesem Remake verbindet er alte mit neuen Elementen und Erkenntnissen mit einem Arsenal von Fähigkeiten. Mit einem scharfen Hobel ist alles Überflüssige weggeschnitten. Eine Handlungslinie an der Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Er schmiedet Kontraste zusammen: das Entsetzen des Krieges gegen friedliche, idyllische Orte, das naive Cowboy- und Indianerspiel von Kindern gegenüber dem Entsetzen des Krieges. Sucht die Grenzen auf: Geburt und Tod, Hoffnung und Hoffnung, Großsprecherei und Verletzlichkeit, Vergebung und Mut. Sie bestimmen den Rhythmus der Aufführung. Es wird gesungen über Leidenschaft, Sanftheit, Vergeltung, Dies in einer undefinierbaren Chemie aus Schmerz, Liebe, Stolz, Widerstandskraft, Kampf und Lichtblicken der Freude.

Freundschaft


Der Kern der Geschichte dreht sich um vier jugendliche Freunde, die sich in unbedingtem Engagement miteinander verbunden haben. Vier völlig unterschiedliche Charaktere. Jan, verkörpert durch Jelle Cleymans; sein jüngerer Bruder Kamiel, Remi De Smet; sein enger Freund Fons, Jonas Van Geel und dann ist da noch Albert, der Bauernsohn mit ungezügelter Großsprecherei, in die sich Niels Destadsbader vollig hineingibt. Im Meer des Elends sorgt er ständig für die fröhliche Note. Sie ziehen in den Krieg in der Überzeugung, dass es schnell vorbei sein wird. Es kommt aber anders. Sie werden von Sergeant De Decker gejagt, verkörpert durch Peter Van De Velde. Oft wird er in der Rolle der rohen Kraft besetzt. In dieser Rolle darf er auch andere Schichten ausschöpfen. Jeder Mensch ist zu einem bestimmten Zeitpunkt hilflos. Er wird wiederum von einem General angewiesen. Eine Rolle, die Marc Peeters verkörpert.

Fakten


Entscheidende Momente aus der Geschichte werden in Bilder gebracht: das Öffnen der Schleusen in Veurne-Ambacht, die das Gebiet unter Wasser setzen. In Poperinge ist noch die Todeszelle zu sehen, wo Deserteure ihre letzte durchwachte Nacht erlebten. Das Kampfgetümmel schlägt Kamiel mit völliger Verkrampfung und Verunsicherung. Er tut dumme Dinge und wird als Beispiel hingestellt. Ein hilfloser Kamiel erscheint vor Gericht und wird zum Tode durch Kugel verurteilt. Ganz allein auf der immensen Bühne singt er eine Ode an das Leben: seine Hände sind dazu gemacht, zu geben und zu musizieren, nicht um zu töten. Er wird erschossen. Sein Bruder Jan ist untröstlich vor Trauer. Sofort schaltet Van Laecke dann zu einem ausgelassenen Volkshochzeitsfest über. Auch musikalisch wird ein ganzes Gefühlspalette ausgeschöpft. Monate fern von zu Hause singt Jan aus den Trümmern ein Lied voller Sehnsucht nach seiner Frau Anna, verkörpert durch Sandrine Van Handenhoven. Ein schönes, ergreifendes Duett. Ihre Sehnsucht nach einander vibriert durch den Raum. Eine emotionale Klangprojektion, bei der subtile Nuancen und Stimmvariationen zum Raffinement der Interpretation beitragen. Die warme Umarmung von Klängen führt zu einem erhöhten Gefühlszustand, untrennbar verbunden mit Musik. In der Aufführung wird manchmal gewartet, bis ein Klang seine letzte Resonanz in der Stille verliert, aber die Musik lässt auch Welle auf Welle von Noten und Emotionen erklingen und ist von verhaltenem Intensität.

Maximale Effekte


Van Laecke schafft ein Bild der Wut. Explosionen hämmern und dröhnen Worte weg. Eine Widerspiegelung des Wahnsinns des Krieges. In einem Augenblick kann ein Leben vorbei sein. Ein Moment der Unachtsamkeit und ein Scharfschütze bläst die Lebenslamme aus. In der immensen Leere der Bühne illustriert der Regisseur, dass jeder allein mit seinem Schmerz steht. Die Frauen erklingen ihr Vermissen und sehnen sich nach ihrem Sohn, Ehemann, Freund. Verloren im immensen Raum werden sie eine nach der anderen in den Lichtkegel eines Scheinwerfers gefangen und singen jeweils ein Wort. Worte, die sich zu einem Lied aneinander reihen. Auch den Männern auf der Barrikade ergeht es so. Selbst der Sergeant, der Schreier, für den Disziplin und Ordnung an erster Stelle stehen, erweist sich als ein Mann mit Gefühlen. In einem unbeobachteten Moment bittet, fleht er eine Krankenschwester, ihn einmal festzuhalten. Auch er braucht Zuneigung, die Wärme tröstender Arme um sich herum.

Wir folgen dem Leben in den Schützengräben. Kurz bevor die Weihnachtsoffensive beginnen sollte, erklingt eine dünne Stimme aus dem Niemandsland. Ein deutscher Soldat singt zögernd Stille Nacht, Heilige Nacht. Jan kann seine Neugier nicht zügeln und klettert über den Schutz der Sandsäcke hinweg. Der Sergeant ruft ihn zurück, aber er missachtet seinen Befehl. Eine einsame Gestalt in einer trostlosen Landschaft legt sein Herz in ein friedvolles Lied. Von allen Seiten strömen zögernd die Soldaten herbei und singen in ihrer Muttersprache mit: Niederländisch, Französisch und Englisch. Sie reichen sich die Hände. Eine ergreifende Szene. Sie werden vom General zurückgepfiffen, einem stahlharten Offizier der alten Schule.

Widerwillig folgen sie dem Befehl. Nur Jan leistet Widerstand. Der Sergeant schafft es, ihn zu überzeugen, bleibt aber selbst im Niemandsland zurück. Die rollenden Tribünen schließen ihn ein. Man sitzt als Zuschauer auf seiner Lippe. In einem Moment der Introspektion durchlebt er eine Gewissenskrise in einer vernichtenden Feststellung. All seine Frustration und Ohnmacht ergießen sich wie ein Ausbruch heraus. Eine Katharsis. Peter Van De Velde gräbt tief. Seine tiefe, raue Stimme geht durch Mark und Bein. Ein Lied, das an den Rippen klebt. Er hört auf, junge Leben wie Kanonenfutter in den Kampf zu treiben, die Erde mit ihrem Blut zu tränken. Gab es einen Moment des Waffenstillstands. Die Hölle bricht wieder los. Für ihn reicht es. Entschlossen bietet er sich als Schießscheibe an und wird erbarmungslos niedergeschossen. Gewehrfeuer, Explosionen, ein Panzer pflügt die Erde auf. Um eine Explosion herum fallen Soldaten in Zeitlupe. Verstörendes Bildmaterial. Auch Jan wird im Feuer des Kampfes getroffen und stirbt in den Armen seines Freundes Fons. In einem grauen, nebligen Dunst stehen Dutzende Kreuze auf dem Schlachtfeld. Zwei karge Äste aneinander gebunden. Eine bleibende Erinnerung an die Tausenden von Opfern. Das Ganze treibt auf einer explosiven Mischung aus Emotionen und Energien. Eine besondere Klangpalette, manchmal lieblich und samtig weich und in anderen Momenten brutal zupackend. '14-'18 endet mit der Euphorie der Befreiung. Fons, der einzige Überlebende des Quartetts, hat Schwierigkeiten, den Faden des gewöhnlichen Lebens wieder aufzugreifen.

Kriegsepos


Ein Kriegsepos auf faszinierende Weise in Szenen gebracht in einer Aneinanderreihung von beeindruckenden Solo- und Masseszenen. Fast zwei Stunden lang in das Gemetzel des Krieges eingetaucht zu werden, macht dich still. Es wird wirklich das Beste gegeben. Stark auf ganzer Linie. Eine mitreißende und ergreifende Interpretation der Hauptbesetzung, wirklich Multi-Talente, die emotionale Reife zeigen. Den richtigen Ton in einer solchen Geschichte zu finden, bedeutet, auf einem Seil zu balancieren. Ein Übermaß würde es weinerlich oder lächerlich machen. Die Darsteller wurden gut vom Regisseur angeleitet. Der richtige Ton wird eindrucksvoll von Anfang bis Ende beibehalten. Nicht monoton, aber mit subtilen Variationen und Färbungen. Beeindruckt vom Schauspieltalen, Handwerk und der Leidenschaft der ganzen Gruppe vor und hinter den Kulissen, blieb das Publikum nach der Vorstellung einige Sekunden lang still, schwer beeindruckt, richtete sich dann auf und ließ sich in tosenden und anhaltenden Applaus fallen.

'14-'18 ein geschickt geschliffener Diamant. Ein herzzerreißender Protest, eine Stellungnahme gegen die Sinnlosigkeit des Krieges.

Details

Wer
Regie & script: Frank Van Laecke Componist en orkestdirectie: Dirk Brossé Hoofdcast: Jelle Cleymans, Jonas Van Geel, Remi De Smet, Niels Destadbader, Peter Van De Velde, Parc Peeters, Sandrine Vanendenhoven
Wo
Puurs
Gesehen am
2 Juni 2024
Bildnachweis
Studio 100
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