Für die Ausstellung Beethoven. Welt. Bürger. Musik, die derzeit in der Kunsthalle in Bonn zu sehen ist, muss auf Klassiek Centraal keine Werbung mehr gemacht werden. Das ist bereits ausreichend geschehen. Unser einstimmiger Rat bleibt unverändert: schauen Sie sich das an! Diese Ausstellung ist nicht nur ein Muss für Beethovenfans, sondern auch für jeden echten Musikliebhaber.
Der Ausstellungskatalog ist übrigens auch eine Klasse für sich. Selten habe ich einen Katalog gesehen, der ein so vollständiges Bild einer Ausstellung vermittelt, es sei denn, es war der Katalog von Musik und Malerei im Goldenen Zeitalter, eine Ausstellung, die 1994 im Hessenhuis Museum in Antwerpen stattfand. Das war auch so ein Buch, das die Ausstellung durch seine umfangreiche Dokumentation und schöne Ausführung übertraf. Ich erinnere mich noch daran, zur Ausstellung zu gehen, um den Katalog zu kaufen.
Dieser Katalog fällt in die gleiche Kategorie und verdient daher besondere Aufmerksamkeit. Wie jeder gute Katalog kann man ihn als Nachschlagewerk verwenden, um die Ausstellung zu Hause noch einmal durchzublättern. Alle ausgestellten Gemälde, Dokumente und Objekte sind darin abgebildet. Nun ja, fast alle: Nach einer Abbildung des herrlichen Kontrafagotts des Wiener Fagotts-Herstellers Koch habe ich vergeblich gesucht, aber das wird den durchschnittlichen Besucher nicht kümmern.
Die Kuratoren von Beethoven. Welt. Bürger. Musik. Agnieszka Lułinska und Julia Ronge haben sich dafür entschieden, das traditionelle Beethovenbild in Frage zu stellen. Statt der üblichen Übersicht der Beethovenwahrnehmung entscheiden sie sich entschieden für den Staubwedel, für eine Modernisierung.
Sie zeigen den Komponisten als einen Künstler, der untrennbar mit der Lebenswelt und den sozialgeschichtlichen Verhältnissen seiner Zeit verbunden ist.
Weg mit dem Mythos Beethoven als Revolutionär, als Titan oder als kämpfendes und gequältes Genie!
Beethoven so rein wie möglich
Wir sehen Beethoven als Menschen mit Gefühlen und Bedürfnissen, mit seinen guten aber auch weniger schönen Seiten. Als einen Berufsmusiker, der gelegentlich schamlos opportunistisch sein musste, einfach um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, verbunden durch ein feinnetziges Netzwerk mit seinen Zeitgenossen. Ein Netzwerk, das ihm ermöglichte, so weit zu kommen und letztendlich alle geltenden musikalischen Grenzen zu überschreiten. Alles in den historischen Kontext der ständigen Kriege, der politisch äußerst wankelmütigen Zeiten eingeordnet. Der negative Einfluss der Französischen Revolution in Bonn. Die Wirtschaftskrise, der Friede von 1814/1815. Die Grausamkeiten des Krieges, die auch in Wien sichtbar waren. All das muss Beethoven weitgehend beeinflusst haben.
Der Mehrwert dieses Katalogs liegt darin, dass Lułinska und Ronge ihn verwendet haben, um ihre innovative Sicht auf Beethoven noch weiter zu vertiefen und zu untermauern. Dazu haben sie eine Reihe führender Spezialisten, darunter natürlich auch unseren eigenen Jan Caeyers eingeladen, einen Essay über einen der Aspekte von Beethovens Leben, Werk und Zeit zu schreiben.
So wurde der Katalog gleichzeitig zu einer Sammlung wissenschaftlicher Essays.-
Im Gegensatz zur üblichen Dreiteilung von Beethovens Leben unterscheiden sie fünf Perioden: Berufsmusiker in Ausbildung, Jugend und Ausbildung in Bonn; Wien, neue Horizonte; der Weg zum Erfolg; der Ruhm und sein Preis; der grenzenlose Beethoven. Die Titel sprechen für sich.
Jede Periode wird von verschiedenen Seiten betrachtet. Der Leser erhält so ein sehr gründliches und vollständiges Bild von Beethovens Leben, Werk und Zeit. Kein Aspekt bleibt unbelichtet. Alles, was du noch nicht über Beethoven wissen würdest, findest du hier wieder.
Dies ist kein Ausstellungskatalog mehr im klassischen Sinne des Wortes, sondern ein wunderbar illustriertes und sehr vollständiges Buch über Beethoven, das eine Ergänzung zu der ohnehin bereits reich dokumentierten Ausstellung darstellt.
Mit seinem übersichtlichen, klaren Inhalt, Zeittafeln, seinen kurzen, klaren und sehr lesbaren Essays ist dies ein Schmuckstück eines Buches. Auch wunderbar gestaltet.
Die Liebe zu Beethoven springt von jeder Seite ab!
Wer die Gelegenheit hat, die Ausstellung zu besuchen, begeht einen Fehler, wenn er diesen Katalog nicht kauft. Sie werden garantiert bereuen! Beim Geld muss es nicht bleiben: für fünfunddreißig Euro ist das ein Schnäppchen!
Aber natürlich hat nicht jeder die Gelegenheit, nach Bonn zu reisen. Für diese Pechvögel ist dieser Katalog eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Ausstellung zu Hause zu erleben und sich gründlich in Beethovens Leben zu vertiefen, behaglich in einem Sessel am Kamin sitzend, blätternd durch dieses sehr attraktiv gestaltete Buch. Das nennen die Deutschen Schmökern.
Von Herzen empfohlen!
- WAS: Katalog Welt. Bürger. Musik.
- GESTALTUNG: Studio Pandan, Berlin - 264 Seiten mit etwa 282 Farbabbildungen und 8 Schwarzweißabbildungen, Hardcover, 30,5 x 24,0 cm
- MUSEUMSAUSGABE: € 35
- BUCHHANDELSAUSGABE: erscheint bei Wienand, Köln für € 39,80
