Jean-Philippe Rameau (1683-1764) hinterließ zwei sehr unterschiedliche Fassungen seiner Tragédie en musique Zoroastre: die erste von 1749 litt unter Störungen und wurde aus dem Repertoire genommen. Rameau gab dem Werk 1756 eine gründliche Überarbeitung. Zu diesem Zeitpunkt war er auf dem Höhepunkt seines Könnens. Melodie, Harmonie, Orchestrierung und Chorsatz hielten für ihn keine Geheimnisse mehr. Zoroastre brachte noch mehr Innovation. Erstmals ließ er einen Prolog weg und machte aus der Ouvertüre ein philosophisches „Programm" – den Kampf zwischen Tag und Nacht, zwischen Gut und Böse. Die Fassung von 1749 wird ganz von avantgardistischen Ideen beherrscht; Zoroastre ähnelt Tamino in Die Zauberflöte, aber zwei Generationen früher. Dies beunruhigte einen Teil des Publikums: Zoroastre war eine moralische, soziale und philosophische Oper. Die Fassung von 1749 ist in der Neuzeit nie wieder aufgeführt worden. Alexis Kossenko nimmt sich dieser Herausforderung mit Schwung an, begleitet von einem ausgezeichneten Ensemble mit Véronique Gens, Jodie Devos, Reinoud Van Mechelen, Mathias Vidal und Tassis Christoyannis.
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