Die Serie beginnt mit einer glücklichen Ausgangsposition, alle Vorstellungen sind von Anfang an ausverkauft. Die Euphorie war groß, als dieses Luxusschiff 'The Ship of Dreams', ein Schiff, das als unsinkbar erklärt wurde, Anfang des letzten Jahrhunderts vom Stapel gelassen wurde.
Mittlerweile kennt jeder das Katastrophenszenario. Der Ozeanriese, der auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York gegen einen Eisberg fährt und mit nahezu allen an Bord befindlichen Personen auf den Meeresboden sinkt. Aber war die Vermessenheit des Kapitäns, so dicht bei den Eisbergen zu fahren, wirklich der wahre Grund! Viele andere Ursachen sind mittlerweile aufgetaucht. Zunehmend gewinnt die Theorie an Boden, dass ein Feuer an Bord, das bereits bei der Abfahrt wütete, der Hauptschuldige gewesen sein könnte. Dadurch wurden die Wände porös. Was ein Hochamt für die Schifffahrt werden sollte, endete am 15. April 1912 in einem Katastrophenszenario.
Amerikanischer Blockbuster
Dieses verhängnisvolle Ende inspirierte 85 Jahre später Filmregisseur James Cameron, einen Film mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen zu drehen, der von 20th Century Fox produziert wurde. Epische Romantik, Drama und Katastrophenfilm – das Genre sprach ein großes Publikum an. Damals war es der teuerste Film, der je gemacht wurde. Die gigantische Produktion war bei Kritikern und an den Kinokassen ein Erfolg und gewann elf Oscars.
'Titanic, the musical' hatte im selben Jahr, 1997, seine Premiere am Broadway. Die Produktion hielt 800 Vorstellungen durch. Die Musik und Liedtexte von Maury Yeston und das Drehbuch von Peter Stone gewannen zusammen einen Academy Award, einen Emmy Award, einen Olivier Award und drei Tony Awards.
Der Donkmeer wird zum Ozean
Bei dem Namen Titanic assoziiert man sofort ein riesiges Schiff, Wasser und Eisberge. Wasser ist am Standort des Donkmeer kein Problem, Schiff und Eisberge!? Aber Bühnenbildner und Regisseure sind erfindungsreich.
Statt eiskalt ist es bei der Premiere tropisch warm. Das Bühnenbild, Entwurf Marnix Baert, ist wie gewöhnlich auf dem Wasser montiert. Der Plan des Schiffes ist auf Leinwand zentral auf der Bühne übergroß aufgezeichnet. Hinter diesem Vorhang spielen sich verschiedene Szenen ab: der schicke Speisesaal, die Raucherecke, der Schiffsbauch, ein Überblick über die Gänge der 1., 2. und 3. Klasse bei der fatalen Kollision. Das kommt alles wunderbar zur Geltung. Auf der Gartenside ist der Bug des Schiffes mit der Steuerkabine und der kleinen Kammer des Funkisten, auf der Straßenseite ist der Maschinenraum. Diese Komposition ist etwas unbequem und die Spielmöglichkeiten sind gering.
Die Chronik eines angekündigten fatalen Ausgangs
In Berlare sieht man die ausgelassenen Passagiere und Besatzungsmitglieder, professionelle und Laiendarsteller, auf das Schiff für die niederländischsprachige Version der Titanic gehen. Das Publikum erlebt die letzten Tage und Stunden dieses legendären Schiffes. An Bord 1301 Passagiere und 941 Besatzungsmitglieder. Ein Querschnitt der Gesellschaft zieht vorbei. Vom einfachen Volk auf der Suche nach dem amerikanischen Traum bis zur High Society in wunderschönen Outfits. Dies geschieht in einer geschickten Mischung aus dynamischen Szenen und gefrorenen Bildern. Die Geschichte konzentriert sich auf den Architekten des Schiffes (Nordin De Moor), den Kapitän E.J. Smith (Ivan Pecnik), eigentlich im Ruhestand, aber er ließ sich verleiten, um die Jungfernfahrt der Titanic unter seinem Namen verbuchen zu können, und dann Direktor Bruce Ismay der White Star Line (Peter Bulckaen). Goele De Raedt verkörpert mit Schwung und Humor Alice Bean, die Frau und Tratschbase, die sich an den Passagieren der ersten Klasse vergafft und zu diesem elitären Klub gehören möchte. Dorian Liveyns übernimmt die Rolle des Funkisten und Line Ellegiers und Brecht Van Arnhem geben einem verliebten Paar aus der dritten Klasse Gestalt und sie können singen.
Der Direktor verfällt in Größenwahn und treibt den Kapitän ständig an, schneller zu fahren, damit die 6 Tage lange Überfahrt eine große Schlagzeile bekommt. Es wird abwechselnd gezoomt, wie die verschiedenen Klassen ihre Zeit verbringen. Unter Deck in der dritten Klasse ist es Volksvergnügen, gegenüber der steifen Aristokratie und Upperclass, die von einer Schar von Dienern bedient werden. Eine schöne Rolle ist auch Michiel De Meyer als Heizer weggelegt. Er ahnt, dass dieses Hamsterrad verhängnisvoll sein kann und singt in Totenstille seine Liebe zu seiner Geliebten an Land. Auch für ihn ist es eine letzte Fahrt. Er steht vor dem Ultimatum, wenn er auf See bleibt, sucht sie sich einen anderen Liebhaber.
Effekte
Die Kollision mit dem Eisberg mit einer Projektion von Eiskristallen wirkt schwach, ebenso die laue und gelassene Reaktion des Kapitäns. Architekt, Direktor und Kapitän versuchen in einem Moment der Ohnmacht, das Debakel gegenseitig in die Schuhe zu schieben.
Das Wasser des Donkmeer wird von Regisseur Tijl Dauwe gut inszeniert mit den Booten, die einige Passagiere vor dem sicheren Tod bewahren. Überzeugend ist dann wieder die Panikszene auf dem Heck des Schiffes, eine geneigte Ebene, auf der die letzten Menschen an Bord sich verzweifelt überall festklammern, aber trotzdem ins Wasser fallen. Es gibt dann noch einige Effekte mit Wasser, die einen gelungener als die anderen.
Titanic ist alles in allem ein schönes Spektakel, sowohl szenografisch als auch in Bezug auf die Musik. Gruppen- und Soloszenen verlaufen in einem harmonischen Aufbau. Aber wirklich überzeugend wirkt das Ganze nicht. Ein Lob für das Kammerorchester Chapelle de Lorraine, Solisten und Ensemble und Sam Verhoeven, der als Chorleiter tätig war. Neben den erwähnten Fachleuten leistete die Statisten schöne Arbeit.
WAS: Open-Air-Musical Titanic
WER: Musik und Liedtexte: Maury Yeston
Drehbuch: Peter Stone
Niederländische Übersetzung: Daniël Cohen
Regisseur: Tijl Dauwe
Musikalische Leitung: Geert Baetens
Bühnenbild: Marnik Baert
Choreografie und Regieassistenz: Ingrid Coppieters
Kostüme: Inge Coleman und Annick Ringoot
Make-Up Artist: Ruth De Backer
Mit einem flämischen Top-Ensemble:
Kapitän EJ Smith: Ivan Pecnik
Schiffsdirektor Bruce Ismay: Peter Bulckaen
Designer Thomas Andrews: Nordin De Moor
Heizer Frederick Barret: Michiel De Meyer
Zweiter Klasse Passagier Alice Beane: Goele De Raedt
Dritter Klasse Passagier Kate MC Gowan: Line Ellegiers
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