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Triff die Schumanns! Mit Margarita Höhenrieder in der Zeitmaschine

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· 6 Min. Lesezeit
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Triff die Schumanns! Mit Margarita Höhenrieder in der Zeitmaschine

*** Die Münchener Pianistin Margarita Höhenrieder nimmt uns mit ihrem Pleyel-Flügel aus 1850 unmittelbar in die vierziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts mit. Die Reise geht nach Leipzig, wo wir das damals noch glückliche Ehepaar Robert und Clara Schumann antreffen. Clara mit ihrem Erstling auf dem Arm, Robert noch ungelenk als frischgebackener Ehemann, der seine Braut nur nach einem Rechtsstreit den Klauen seines besitzergreifenden Schwiegervaters entreißen konnte.

Es hat ihm schlaflose Nächte und einen Nervenzusammenbruch gekostet. Denn Claras Vater, Friedrich Wieck, war nicht nur einige Jahre sein Klavierlehrer gewesen, der Vater hatte sein talentvolles Lieblingskind zur in jungen Jahren in ganz Europa gefeierten Konzertpianistin ausgebildet. Er war keineswegs bereit, seine Investition zunichte zu machen, indem er sie an einen behinderten Konzertpianisten verheiratete, der als Komponist seinen Höhepunkt noch erreichen musste und überdies einen wenig stabilen Eindruck machte.

Liebe überwindet jedoch alles. Während der sechzehn Jahre ihrer Ehe war es die rationale Clara, die den gequälten, unausgewogenen Robert auf Kurs hielt. Sie bewunderte ihren Mann und war eine engagierte Verfechtern seines Werkes. Damit trug sie wesentlich zu seinem wachsenden Ruhm bei. Aber das ging auf Kosten ihrer eigenen Entwicklung als Komponistin, die nach dem Tod ihres Mannes 1856 zum Stillstand kam. Als Komponistin geriet sie in Vergessenheit.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass Werke von Clara Schumann nur spärlich auf CD veröffentlicht worden sind. Dies wird jedoch einer Frau nicht gerecht, die einer der musikalischen Spielgestalter ihrer Zeit war. Glücklicherweise ändert sich das, und Clara tritt langsam aber sicher aus Roberts Schatten heraus.

Es ist bedauerlich, dass Clara ihre Karriere als Komponistin nach dem Tod ihres Mannes 1856 nicht fortsetzte. Komponieren war Männersache, fand sie, damit sollte sich eine Frau nicht einmischen. Es hatte ja auch noch nie eine Frau gegeben, die etwas Anständiges komponiert hätte, sollte sie denn die erste sein?

Dennoch erwarb sie sich als Komponistin einen so guten Ruf, dass eine Berühmtheit wie Johannes Brahms sie um Rat fragte. Wir können also froh sein über die wenigen Kompositionen, die wir von ihr haben.

Glücklicherweise konnte sie ihren Einfluss als Pianistin geltend machen, und wie! Sie entwickelte sich zu einer der berühmtesten Pianistinnen Europas. Ihre Karriere war praktisch motiviert. Als Ernährerin des Haushalts verdiente sie durch die Einnahmen aus ihren Auftritten ihren Lebensunterhalt und den ihrer acht Kinder. Sie wurde zur wichtigsten „klassischen" Pianistin des neunzehnten Jahrhunderts, zur Gegenspielerin des von ihr verachteten romantischen Wildlings Franz Liszt.

Und schließlich war sie eine gefeierte Pädagogin, obwohl sie weit weniger Schule gemacht hat als Erzfeindin Liszt, dessen Vermächtnis bis heute in der wundersamen Welt des Klaviers spürbar ist.

Indem Margarita Höhenrieder auf dieser CD Werke der Eheleute kombiniert, setzt sie auf Konfrontation und Kontrast. Dabei hat sie sich für relativ unbekannte Jugendwerke entschieden. Das funktioniert ausgezeichnet. Wir landen sofort in der intimen Atmosphäre des Salons der Schumanns, wo man gleich hört, dass Clara als Komponistin vielleicht doch etwas die Unterlegene von Robert war. Die hier präsentierten Sonate in G und die drei Romanzen müssen sich in Qualität gegen Papillons und Sonate in G von Robert behaupten.

Die verliebte Clara schrieb die Außensätze ihrer Sonate in G als Weihnachtsgeschenk für ihren Mann 1841, als sie gerade erst verheiratet waren. Er wusste das Geschenk zu schätzen. Nicht verwunderlich, denn es ist ein zugängliches Stück, voller aufgesetzter Leidenschaft und Zärtlichkeit. Sehr tief gräbt Clara jedoch nicht, dies ist echte Spielmusik.

Auch die drei Romanzen sind eine klare Liebeserklärung an ihren Mann. Und auch hier leistete Clara wieder einen Beweis ihrer Fähigkeit, ohne dass es wirklich mitreißend wird.

Aber während Clara ihre Liebe auf fast rationale Weise ausdrückt, ist bei Robert neben ungezähmten Leidenschaften der Wahnsinn nie weit entfernt. Ein größerer Unterschied ist kaum denkbar.

Seine Papillons, ein Dutzend sehr origineller, kurzer Skizzen inspiriert von Jean Pauls Roman Vlegeljahre, geben Einblick in sein von heftigen Stimmungsschwankungen geplagtes Gehirn. Da flattern manchmal sehr schwere Schmetterlinge herum! Robert verstand es dennoch, Launenhaftigkeit und eine Fülle von Ideen in eine klare Form zu gießen, etwas, womit seine Gemahlin manchmal Schwierigkeiten hatte, wie der letzte Satz ihrer Sonate zeigt.

In seiner nicht oft gespielten Sonate G gerät der Hörer in eine Art emotionale Achterbahn. Das ist Robert Schumann wie wir ihn kennen, himmelhoch jauchzend und zum Tode betrübt, aber nicht immer gleich zugänglich, ungeduldig über seine Ideen stolpernd.

Margarita Höhenrieder, unsere Führerin in diese turbulente Vergangenheit, ist eine Entdeckung. Sie läuft in Deutschland schon seit Jahren auf höchstem Niveau, ist aber in unseren Gegenden zu Unrecht unbekannt. Mit dieser CD leistet sie einen wichtigen Beitrag zur herrschenden Clara-Schumann-Renaissance. Aber gerade indem sie ihr Werk dem ihres Mannes gegenüberstellt, macht sie auch deutlich, dass Robert zweifellos der bessere Komponist war und nicht ohne Grund zu ewigem Ruhm gelangte.

Höhenrieder ist vollständig in die Haut der Komponisten geschlüpft. Sie skizziert fehlerfrei alle Stimmungen von Clara und Robert mit der reichen musikalischen Palette, die ihr originelles Instrument ihr bietet. Die Verliebtheit Claras, die gequälte Launenhaftigkeit Roberts und alles, was dazwischen liegt – es wird dem Hörer unverfälscht vorgesetzt. Geschickt auch, wie sie trotz großer Gefühle eine intime Wohnzimmeratmosphäre zu schaffen vermag. Man fühlt sich bei den Schumanns zum Tee.

Dies sind vielleicht keine Meisterwerke des Pianorepertoires, aber sie verteidigt sie mit Verve. Ihre Hingabe und ihre Liebe für die Schumanns machen jeden Mangel reichlich wett. Dadurch ist dies dennoch eine CD, die man gerne noch einmal abspielt und die ich Ihnen gerne empfehle.

Auch das hier bespielte Pleyel trägt zum Hörergenuss bei. Es "sitzt ihr wie angegossen"! Meiner Meinung nach liefert Höhenrieder hier auch noch ein gelungenes Plädoyer für die Verwendung von "period instruments".

Sehnsucht, Sturm und Drang im Wohnzimmer, schöner wird es nicht!


  • WER: Margarita Höhenrieder
  • WAS: Piano Works by Clara & Robert Schumann auf einem originalen Pleyel von 1850
  • AUSGABE: Solo Musica 312[embed]https://youtu.be/k539GDrHcM8[/embed]

    [embed]https://youtu.be/cXkkYiTC4JI[/embed]


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