Mit Whispers of Tales präsentiert Mathilde Wauters ein Album voller erzählender Musik, mit dem sie uns in Zeiten zurücknehmen möchte, in denen lange Abende mit dem Erzählen von Geschichten gefüllt wurden. Weg von allen sozialen Medien, TV und Radio. „Durch gegenseitiges Erzählen von Geschichten wurde die Dunkelheit ein wenig erhellt und man reiste – imaginär – rund um die ganze Welt", so Wauters.
Kurz bevor die Covid-Pandemie ausbrach, gewann Wauters im Juni 2019 den dritten Preis beim USA International Harp Competition in Bloomington, einem der wichtigsten Harfenwettbewerbe der Welt. Im folgenden Jahr erwarb sie ihr Masterdiplom am „Conservatoire National Supérieur du Musique de Paris" bei der weltberühmten Harfistin Isabelle Moretti.
Mitten in einem Lockdown ihren Abschluss zu machen, war wohl nicht Wauters' Idealvorstellung. Dennoch machte sie das Beste daraus. Durch SWUK Vlaanderen (ein Verein mit dem Ziel, ausführende Künstler beim Aufbau ihrer künstlerischen Karriere zu unterstützen) wurde sie als Preisträgerin ausgewählt. Mit ihrer Unterstützung und Betreuung realisierte sie die CD Whispers of Tales. Anfang April fand das Releaseconcert in einem vollen Miryzaal in Gent statt.
Das Repertoire von Whispers of Tales strotzt vor bekannten Harfenkomponisten wie Tournier, Godefroid, Hasselmans und Renie. Wauters überrascht jedoch auch mit weniger bekannten Namen wie Benjamin Attahir und Frits Celis.

Das Album wird mit dem feurigen „Spaanse Dans" aus der Oper La vida breve von Manual de Falla eingeleitet. In würzigem Spiel, das mit gedämpften Momenten abgewechselt wird, fesselt die Harfistin die Aufmerksamkeit des Hörers. Der Zauber geflussterter Geschichten ist in diesem charaktervollen Opener bereits spürbar.
Die Magie des Erzählens erreicht seinen Höhepunkt in The Lark von Glinka. Von der melancholischen Melodie mitgerissen, träumst du als Hörer davon weg, während in der Musik das Auf- und Abhüpfen der Lerche zu hören ist. Die Harfe wird von Wauters bis ins kleinste Detail präzise gespielt, wodurch die Melodie wunderbar zur Geltung kommt.
Darüber hinaus fällt De l'obscurite II von Benjamin Attahir auf, Gewinner des USA Solo Harp Composition Contest 2012, das er im selben Jahr komponierte. Subtile trillerartige Figuren werden durch zarte melodische Momente unterbrochen. Immer wieder baut Wauters die Spannung mit ihrem unheilvollen Harfenspiel auf, um sie dann in subtilen Flageolett-Tönen freizusetzen.
Wauters belgische Wurzeln flüstern vorsichtig zwischen den Repertoirewahlkombinationen durch, bewusst oder unbewusst. So wählt sie beispielsweise die „Hymne an August De Boeck van Merchtem", 1990 komponiert vom Belgier Frits Celis. Die atonalen Klänge klingen wie romantische Läufe in den Ohren. Als Hörer wirst du durch musikalische Zitate von De Boeck, auf dem Celis sein Werk basierte und die in verschiedenen Formen wiederkehren, in die Musik gezogen.
Die letzten zwei Stücke sind ebenfalls von belgischer Hand: das kurze Follets von Hasselmans, bei dem Wauters' Interpretation auf wunderbar ruhige Weise die Irrlichter flackern lässt. Und La danse des Sylphes von Godefroid, ein märchenhafter Abschluss der erzählenden Reise, mit dem Wauters mehr als bewiesen hat, dass sie wie kaum eine andere Geschichten mit ihrer Harfe flüstern kann!
- WER: Mathilde Wauters [Harfe]
- WAS: Whispers of Tales
- LABEL: Et'cetera KTC 1760
- BESTELLEN: JPC