Ging John Coprario mit der Ehre streicheln fremder Arbeit, als er unter seinem eigenen Namen mehr als fünfzig italienische Madrigale für ein Violoncello-Consort transkribierte? Ein solcher Vorwurf würde auf falschen Prämissen beruhen, denn etwas, das dem Urheberrecht ähnelte, war in den frühen siebzehnten Jahrhundert und noch lange danach unbekannt; die Verwendung von Musikmaterial von jemand anderem wurde eher als respektvolle Untersuchung von Ideen betrachtet, die so vielversprechend waren, dass man sie weiter durchdenken wollte.
Bei der Transkription dieser italienischen Madrigale erweiterte Coprario nicht nur eine etablierte Tradition, sondern überschritt sie auch. Er ließ in seinen Madrigalfantasien nicht einfach den Text weg, wie im 16. Jahrhundert üblich, sondern ging noch weiter in der polyphonen Setzung und bereicherte diese mit Möglichkeiten der Instrumentierung, die die Stimmen allein nicht bieten konnten. Er strukturierte auch bestimmte Teile um, so dass das ursprüngliche vokale Werk nicht immer unmittelbar erkennbar ist. Coprario war nicht nur einer der ersten, der Ensemblemusik eine instrumentale Identität gab, er war auch kein musikalischer Papagei, sondern ein genialer Parodist.
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