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Das Festival 20·21 bringt eine Hommage an ein buntes Durcheinander von Komponisten

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· 4 Min. Lesezeit
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Das Festival 20·21 bringt eine Hommage an ein buntes Durcheinander von Komponisten

Dieses 20·21 Festivalconcert in der Großen Aula des Maria-Theresiacollege an der KU Leuven mit einem solchen Titel zu versehen klingt etwas geringschätzend. Aber was für ein „Sammelsurium" war das. Es waren alles Namen, die großen Respekt einflößen und sowohl aus dem 20. als auch aus dem 21. Jahrhundert stammen, aber auch von viel früher. Sogar Bach bekam seinen Platz. Das Programm war gut ausbalanciert aufgebaut. Fünf Teile mit einem Prolog und einem Epilog, sozusagen wie ein Spiegelbild komponiert, wie jenes sehr cerebrale Stück aus dem Kammerkonzert von Alban Berg, das wir zu hören bekamen. Und in allen Teilen gab es Platz für György Kurtág. Dann weißt du gut, worüber und über wen es hier gehen wird. Hommages entwickelten sich bei ihm zu einem echten Genre, liest man im Programmheft. Und seine Werke waren eingeklemmt zwischen deutscher und russischer Romantik, und da reden wir von Robert Schumann, Johannes Brahms und Pjotr Tsjaikovski, dazu noch französischen und russischen Modernismus mit Pierre Boulez und Igor Stravinsky und dann zentral zwei Figuren aus der Zweiten Wiener Schule: Alban Berg und Arnold Schönberg.

Und wer sollte das alles zum Klingen bringen? Ein Gelegenheitsensemble. Kein Sammelsurium diesmal. Was sind wir in Flandern doch gesegnet mit einer Schar ausgezeichneter Interpreten von Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, ohne dabei etwas den vielen „älteren" Meistern absprechen zu wollen, die uns so oft herrliche andere Musik bringen. Wir konnten 25 kurze, manchmal ganz kurze Stücke anhören. Und der Eröffner kam aus Kurtágs Kafka-Fragmenten. „Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg. Was wir Weg nennen, ist Zögern" sang fast zitternd eine zarte Lore Binon mit Pieter Jansen ebenso schüchtern auf der Violine. Auch wenn es ein Ziel gibt, was wir einen Weg nennen ist eigentlich unser Zögern, ihn zu gehen. Kurz, kräftig und vor allem wunderbar.

Robert Schumann dann, aus der Kreisleriana und seinen Davidsbündlertänzen, mit Pianist Jan Michiels. Das erste heftig, das andere wie aus der Ferne. Und man hört das in dieser Aula, als würde man fast zwischen den Pianotönen sitzen. Und diese letzte Note ausklingen lassen, nicht dämpfen. Dein Ohr versucht, die Stille, die kommt, aufzufangen. Und zwischen den beiden Schumanns bekamst du eine berechtigte Hommage an ihn von Kurtág, geschrieben für Klarinette, Altviola und Klavier. Der erste Teil heißt „Merkwürdige Pirouetten". Was die drei Musiker zusammen herausholen ist in der Tat merkwürdig und so sorgfältig vorgetragen. Mehr als bei einem klassischen symphonischen Konzert lernst du bei so einem Konzert, auf Klänge zu hören: wie eine Klarinette angeblasen wird, wie ein Bogen über die Saiten streicht. Mit Dank an Kurtág und den großartigen Klarinettisten Emile Souvagie und Altviolistin Diede Verpoest und an einen Pianisten, der unendlich vertraut mit dem Werk dieses Komponisten ist.

Es folgen dann noch drei „Hommage-Stücke" von Kurtág für Pierre Boulez, Stravinsky und Tsjaikovski. Es ist eine Erleichterung, endlich etwas anderes zu hören als Bach, Mozart oder Beethoven: keine Schemata, keine bekannten Muster oder Vorhersehbarkeit. Einsame Noten auf so eindringliche Weise erklingen zu lassen und das live zu erleben, das tut gut. Und gibt es Struktur, ja, wie im Adagio von Alban Bergs Kammerkonzert, aber die ist so kunstvoll konstruiert, dass nur Musikwissenschaftler sie lesen oder hören. Man kann auf viele Arten Musik hören und nicht jeder hört dasselbe, aber für viele ist dies doch eine Bekanntschaft mit einer beispiellosen, ungehörten Klangenwelt.

Und dazwischen immer wieder jene Klavierstücke von Kurtág, Schumann, Brahms und Bach, letztere sogar vierhändig mit Inge Spinette dabei (wer sonst!). Als Abschluss noch ein dramatisches Kafka-Fragment mit Lore Binon und du denkst: das ist das Duo, das dieses Konzept erdacht hat – Jan Michiels und Pieter Bergé – es ist ihnen doch wieder gelungen, Menschen, wenn auch zögernd, auf den Weg zu bringen zu dieser manchmal schwer zugänglichen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Fazit: Zuhören ist das Einzige, das dabei hilft.


WAS: „Hommage à…" - György Kurtág, Robert Schumann, Pjotr Tsjaikovski, Pierre Boulez, Igor Stravinsky, Alban Berg, Arnold Schönberg, Johannes Brahms, Johann Sebastian Bach. Im Rahmen des Festival 20·21. WER: Pieter Jansen [Violine], Diede Verpoest [Altviola], Emile Souvagie [Klarinette], Lore Binon [Sopran], Jan Michiels und Inge Spinette [Klavier] WO: Große Aula Maria-Theresiacollege, KU Leuven WANN: 10. Oktober 2023
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