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Rezensionen

Ein musikalischer Traum wird Wirklichkeit

Die Augsburger Domsingknaben und ihre musikalischen Partner haben mir mit Bibers Missa Salisburgensis einen Abend geschenkt, den ich nicht vergessen werde.

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· 7 Min. Lesezeit
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Ein musikalischer Traum wird Wirklichkeit
© Werner De Smet

Sommige concerten zijn zo bijzonder dat man achteraf nauwelijks Worte findet, um zu beschreiben, was man erlebt hat. Die Aufführung der Missa Salisburgensis in der Dresdner Kreuzkirche war für mich so ein Moment. Dieses Werk stand schon lange auf meiner musikalischen Bucketlist: dieses monumentale Stück einmal in einem dafür geeigneten Kirchenraum zu erleben, mit einem Chor und Instrumentalisten, die die Musik wirklich tragen können. Dass dieser Wunsch ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Augsburger Domsingknaben in Erfüllung gehen würde, und dann mit einer solchen Aufführung, hätte ich kaum für möglich gehalten.

Ein Kirchengebäude als Klanginstrument

Schon bevor der erste Ton erklang, beeindruckte mich die Aufstellung. Vorne standen links und rechts zwei achtstimmige Chöre, dazwischen etwas Raum für zwei Bläser und vier Solisten aus dem Chor (Tenor und Bass). Auf der ersten Empore befand sich beidseitig eine Reihe Bläser. Weiter hinten in der Kirche waren auf gleicher Höhe noch zwei Gruppen aufgestellt, diesmal unter anderem mit Pauken. Vor den Chören standen die Streicher, zwei Orgeln und das Continuo. Die Aufstellung wurde an die verschiedenen Werke des Programms angepasst, doch der Raum blieb durchgehend ein wesentlicher Bestandteil des musikalischen Erlebens.

Genau das verlangt die Missa Salisburgensis à 53 voci, die Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704) zugeschrieben wird. Die Messe entstand 1682 zur Feier des 1100. Jahrestages des Erzbistums Salzburg. Mit ihrer umfangreichen vokalen und instrumentalen Besetzung gehört sie zu den monumentalsten Werken der Kirchenmusik des 17. Jahrhunderts. Die verschiedenen Gruppen sind nicht einfach zusammengebracht, um ein großes Volumen zu erzeugen: Ihr wechselseitiger Dialog und ihre Verteilung im Kirchenraum sind integraler Bestandteil der Komposition.

Ich hatte gehofft, dass die Akustik der Kreuzkirche all dies unterstützen würde, doch was ich hörte, übertraf meine Erwartungen. Der Nachhall war außergewöhnlich gut beherrschbar und nirgends störend. Selbst wenn alle Musiker gemeinsam spielten und sangen, blieb der Klang schön dosiert. Die Aufstellung und die Verhältnisse untereinander waren offensichtlich sorgfältig auf den Raum abgestimmt. Wenn die verschiedenen Chöre gleichzeitig einsetzten, fühlte man sich als Zuhörer tatsächlich von der Musik umgeben. In diesen Momenten fühlte ich mich ganz von der Klangwelt aufgenommen, die Biber geschaffen hat. Es war überwältigend, aber nie einfach nur laut oder massiv.

Flehen und Überschwang

Schon beim Kyrie wurde deutlich, wie vertraut die Augsburger Domsingknaben mit diesem Repertoire sind. Die Bitte erhielt eine klare, eindringliche Gestalt. Besonders beeindruckte mich die Selbstverständlichkeit, mit der auch die jüngsten Jungen mit voller Hingabe sangen. An ihrer Haltung und Konzentration sah man, dass sie diese Musik nicht nur einstudiert, sondern sich wirklich zu eigen gemacht hatten.

Im Gloria wurde der räumliche Dialog zwischen den Chören zu einem der großen Trümpfe. Das et in terra pax erhielt in diesen unruhigen Zeiten zusätzliches Gewicht. Danach hörte ich einzelne Stimmen, die einander antworteten und so gemeinsam an einem monumentalen Ganzen bauten. Ich staunte immer wieder darüber, wie all diese Gruppen zueinanderfanden und dennoch ihren eigenen Platz in der Musik behielten. Das abschließende Amen klang festlich und überschwänglich.

Im Credo berührte vor allem das zarte, ergreifende Et incarnatus est. Das Crucifixus klang eindringlich, während beim Et unam sanctam catholicam der Text ausdrücklich betont wurde. Das Amen am Ende des Credo hatte einen stärker nach innen gekehrten Charakter als das des Gloria.

Das Sanctus und das Benedictus wurden mit viel Gespür für die Schichtung der Musik aufgeführt. Das Hosanna erhielt einen schön geformten Aufbau, danach wurde das Benedictus qui venit bewusst als Segensverheißung gestaltet. Im Agnus Dei standen Kraft und Zurückhaltung einander gegenüber. Die Einsätze auf Agnus Dei kamen jedes Mal wie ein Ausbruch; beim miserere nobis wurde die Musik anschließend zurückgenommen. Die abschließende Bitte um pacem schien fast erzwungen zu werden. Der letzte Akkord blieb noch eine Weile im Raum stehen. Danach brauchte ich Stille, um das Erlebnis nachwirken zu lassen.

Zwischen Monument und Innigkeit

Die Messe stand nicht für sich allein, sondern war Teil eines Programms, das wie eine musikalische Messfeier aufgebaut war. Die Sonata a 13 von Antonio Bertali (1605–1669) bildete eine passende instrumentale Eröffnung, gleichsam ein Introitus, der mich in die Klangwelt des 17. Jahrhunderts einführte. Zwischen Gloria und Credo erklang Celebremus cum gaudio von Johann Melchior Gletle (1626–1683). Er war als Kapellmeister mit dem Augsburger Dom verbunden und bildet damit eine passende Brücke zur Geschichte des Chores. Besonders die räumliche Platzierung machte dieses Werk eindrucksvoll: Drei Jungen sangen vom hinteren Teil der Kirche aus, während das kleine Instrumentalensemble vorne blieb. Ich empfand es als einen denkwürdigen Moment, in dem der musikalische Dialog die volle Länge des Kirchenraums überspannte.

Außerdem erklangen mehrere Werke von Johann Stadlmayr (ca. 1575–1648). Seine mehrchörige Schreibweise passte gut zur musikalischen Sprache Bibers. Vor allem sein Cantate Domino mit einem verblüffenden Et exultavit blieb mir im Gedächtnis, doch auch sein Benedicam Dominum faszinierte. Darin bekamen zwei Tenorsolisten zusammen mit dem Instrumentalensemble alle Freiheit, das Werk auf eine intimere und ernstere Weise zu gestalten. Die Sonata a 13 von Stadlmayr bildete danach eine ideale instrumentale Hinführung zum Agnus Dei.

Eine ganz andere Art der Aufmerksamkeit verlangte Gletles Quis mihi det, ein a-cappella-Werk, in dem vor allem das Wort tremor die Vorstellungskraft anregte, mit einem auffälligen Zittern in den Stimmen. Es war ein kunstvoller und raffinierter vokaler Moment, der umso mehr auffiel in einem Programm, in dem die instrumentale und vokale Klangmasse regelmäßig beeindruckende Dimensionen annahm. Inmitten so viel Klangfülle und barocker Pracht war diese musikalische Zurückhaltung mehr als willkommen. Ich hätte sogar gern noch etwas mehr a-cappella-Musik gehört. Das hätte den Ohren Ruhe geschenkt und die Kontraste zu den monumentalen Werken noch stärker hervortreten lassen.

Das ist gleich mein einziger kleiner Vorbehalt bei einem Abend, der mich ansonsten vollkommen überwältigt hat. In den großen Tutti-Momenten verschwand gelegentlich eine einzelne Knabenstimme in der dichten Klangmasse. Bei einem Werk mit so gewaltigen Besetzungen ist das kaum zu vermeiden. Es tat der Qualität der Aufführung wenig Abbruch. Der Chorgesang war hervorragend, die Instrumentalisten spielten mit großer Präzision, und die verschiedenen Gruppen blieben untereinander genau aufeinander abgestimmt. Besonders die Aufmerksamkeit für die textlichen und musikalischen Details beeindruckte. Selbst in dieser monumentalen Besetzung war Raum für Nuancen und für die Bedeutung einzelner Worte.

Eine Tradition, die lebt

Vor fünfzig Jahren wurde die Tradition der Augsburger Domsingknaben neu aufgebaut, aufbauend auf einer viel älteren Chorgeschichte. In meinem jüngsten Gespräch mit Stefan Steinemann, der seit 2020 die Leitung innehat, kam er auf die Idee zurück, dass eine Tradition nur dann lebendig bleibt, wenn jede Generation sie sich aufs Neue zu eigen macht. Nach diesem Abend verstehe ich diese Worte noch besser. Die Jungen standen hier nicht als Bewahrer eines historischen Repertoires, sondern als junge Musiker, die diese Musik wirklich bewohnen. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie die komplexe Polyphonie gestalteten, zeugte von einer musikalischen Bildung, die weit über das Einstudieren von Noten hinausreicht.

Ich habe schon einige besondere Konzerte erlebt, doch dieser Abend wird einen besonderen Platz behalten. Ein Werk, das schon so lange auf meiner Wunschliste stand, live zu hören, in einem idealen Kirchenraum und gespielt von so hingebungsvollen und fähigen Musikern: Das war ein Erlebnis, das ich so bald nicht vergessen werde. Die Missa Salisburgensis ist für mich durch diese Aufführung mehr geworden als ein Denkmal des Barock: Sie ist auch ein lebendiges, überwältigendes Erlebnis. Und dieses nehme ich mit.

Details

Wer
Augsburger Domsingknaben Kammerchor, Karl-Kraft-Chor & Solisten der Augsburger Domsingknaben Barockensemble des Bayerischen Staatsorchesters Les Cornets Noirs o.l.v. Stefan Steinemann
Wo
Kreuzkirche Dresden
Gesehen am
3 november 2026
Bildnachweis
Werner De Smet
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