Was passiert eigentlich hinter den Türen eines Sinfonieorchesters? Wer spielt die große Orgel der Salle Philharmonique, wie sieht der Alltag eines Orchestermusikus aus und wie viel klassische Musik erkennen wir, ohne es selbst zu bemerken? Am Sonntag, 6. September, antwortet das Orchestre Philharmonique Royal de Liège (OPRL) auf all diese Fragen während seiner Journée découverte. Von 11 bis 18.30 Uhr stehen die Türen am Boulevard Piercot offen und jeder – Musikkenner, neugieriger Passant, Familie oder angehender Konzertgänger – kann kostenlos die Welt des OPRL kennenlernen.
Der Tag beginnt gleich mit einer besonderen Begegnung: Besucher können die große Schyven-Orgel aus nächster Nähe entdecken. Zwischen 11 und 13 Uhr und erneut von 14 bis 16 Uhr ist es möglich, auf die Bühne zu gehen und buchstäblich ins Herz des Instruments zu treten. Die Orgel wurde 1890 eingeweiht und zwischen 2002 und 2005 renoviert. Wer vor allem die Klangfarbe kennenlernen möchte, kann bei drei kurzen, kommentierten Rezitals um 12, 14.30 und 15.30 Uhr dabei sein. Éric Mairlot, Konservator des Instruments, erzählt von der Geschichte und Funktionsweise. Die Handgriffe des Organisten werden zudem auf Großbildschirm projiziert, sodass auch Hände und Füße sichtbar werden. Für diejenigen, die es ganz aus der Nähe miterleben möchten, besteht sogar die Möglichkeit, während des Rezitals im Orgel Platz zu nehmen.
Ebenso interessant sind die Begegnungen mit den Musikern des OPRL. Unter dem Titel Les musiciens présentent... berichten sie nicht von einem abstrakten Beruf, sondern von ihrem eigenen Werdegang und ihren Erfahrungen. Konzertmeister George Tudorache eröffnet um 11.30 Uhr die Reihe, um 13 Uhr folgt Geierin Audrey Gallez. Die Flötisten Miriam Arnold und Liesbet Driegelinck kommen um 14 Uhr zu Wort und Posaunist Camille Jadot um 15 Uhr. Jedes Mal gibt es eine halbe Stunde für Gespräch und Fragen.
Wer lieber zuhört und rät, kann um 13 Uhr beim Blindtest pas si classique, präsentiert von Pierre Solot, teilnehmen. Klassische Musik steht dem Alltag dabei deutlich weniger fern, als manche vermuten. Film, Fernsehserien und Populärkultur sind Ausgangspunkt für ein Quiz, das sowohl Kenner als auch absolute Anfänger ansprechen soll. Teilnehmen kann man allein oder in Teams von maximal sechs Personen. Vorherige Anmeldung ist notwendig.
Neu bei der Journée découverte ist das Speed Meeting. Sechs Personen aus der Welt des OPRL – Musiker und Mitarbeiter – berichten während sechs Begegnungen von je fünf Minuten über ihre Arbeit. In knapp einer halben Stunde erhält der Teilnehmer so einen kleinen Überblick über die vielen Menschen und Berufe, die ein Orchester am Laufen halten. Es gibt nur zwölf Plätze und die Teilnahme erfolgt durch einen Wettbewerb.
Auch die Salle Philharmonique selbst verdient eine Erkundungstour. Während Le tour du propriétaire kann das Publikum zwischen 11 und 18 Uhr frei durch das Gebäude gehen und sich über QR-Codes Geschichten und Anekdoten zur Geschichte anhören. Der 1887 eingeweihte Saal ist ein wichtiger Teil des belgischen Erbes und war der erste Saal in Belgien, der elektrisch beleuchtet wurde. Musikhistoriker Stéphane Dado sorgt für die historische Erläuterung. Dass der Saal im Laufe der Jahre große Namen wie Richard Strauss, Gustav Mahler, Astor Piazzolla und Ennio Morricone empfangen durfte, ist nur eine der vielen Geschichten, die es zu entdecken gibt.
Für Kinder ab drei Jahren gibt es den Parc à instruments. Von 11 bis 16 Uhr können sie, aber auch ihre Eltern, verschiedene Orchesterinstrumente ausprobieren. Trompete, Posaune, Schlagwerk und andere Instrumente werden hier keine unerreichbaren Objekte auf einer Bühne, sondern Material, mit dem man selbst arbeiten kann.
Nach all diesen Entdeckungen folgt um 16.30 Uhr die vertrauteste Form: das Sinfoniekonzert. Das OPRL spielt unter der Leitung des Rising Star Gabriel Hollander ein Programm mit Ausschnitten aus unter anderem Holsts Suite Nr. 1, Prokofjews Lieutenant Kijé, Haecks Comptines, Mozarts Les Petits Riens, Elgars Enigma Variations und Rossinis Il barbiere di Siviglia. Pierre Solot präsentiert das Konzert und sorgt für Erläuterungen zur Musik. Die Auswahl ist bewusst vielfältig und bietet gleichzeitig einen Ausblick auf die neue Saison des OPRL.
Es ist vielleicht genau diese Kombination, die die Journée découverte zu mehr macht als nur einen klassischen Tag der offenen Tür. Ein Orchester wird hier nicht nur durch ein Konzert vorgestellt, sondern aus verschiedenen Perspektiven: als Sammlung von Einzelmusikern, als historische Institution, als technisches Ganzes von Instrumenten und als lebende Konzertpraxis. Der Besucher muss dabei nichts kennen oder vorbereiten. Man kann hereingehen für die Orgel, bei einem Musiker stehen bleiben, ein Instrument ausprobieren, sein Wissen beim Blindtest testen und schließlich bei einem Sinfoniekonzert Platz nehmen.
Und wer alles für zu viel hält, kann zwischendurch einfach im Foyer Ysaÿe pausieren, wo den ganzen Tag über Getränke und kleine Erfrischungen erhältlich sind. Auch der Verkauf von CDs aus der Diskografiegeschichte des OPRL läuft von 11 bis 18.30 Uhr. Mehr als dreißig Ausgaben werden zu kleinen Preisen angeboten.
So wird der Sonntag, 6. September, ein Tag, an dem das OPRL nicht nur seine Musik hören lässt, sondern vor allem zeigt, was alles nötig ist, um diese Musik entstehen zu lassen. Eine Einladung also, nicht nur ins Orchester zu kommen und zuzuhören, sondern auch dahinter, oben drüber, dazwischen und daneben zu schauen.
Journée découverte 2026 – Orchestre Philharmonique Royal de Liège
Sonntag, 6. September 2026, 11 bis 18.30 Uhr
Salle Philharmonique, Boulevard Piercot, Lüttich
Alle Aktivitäten sind kostenlos.
Mehr Informationen: https://www.oprl.be/fr/concerts/journee-decouverte-2026