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Brüssel feiert und verbindet wieder: BNO und Bozar enthüllen eine ehrgeizige Saison 26/27

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Brüssel feiert und verbindet wieder: BNO und Bozar enthüllen eine ehrgeizige Saison 26/27
© BNO

Zwei große Brüsseler Musikinstitutionen gaben sich am 19. Mai die Hand, um ihre Saisonpläne für 2026-2027 vorzustellen, und das Ergebnis ist beeindruckend. Das Belgian National Orchestra (BNO) und BOZAR präsentieren eine Saison, die gleichzeitig zurückblickt und vorausschaut, die Traditionen ehrt und Grenzen verschiebt.

Jubiläumssaison mit neuen Ambitionen

Das BNO feiert seinen neunzigsten Geburtstag. Dieser Meilenstein wird nicht stillschweigend vorbeigehen gelassen: das Orchester wählt entschlossen die Erneuerung, mit einem völlig neuen Corporate Design unter dem prägnanten Slogan „Nice to meet you". Farbenfroher, zugänglicher, zeitgenössischer – die Worte, die das BNO selbst verwendet, aber die dieses Mal auch in die Praxis umgesetzt werden. So eröffnet die Saison am 5. September mit einem kostenlosen Tag der offenen Tür, eine Geste, mit der das Orchester einem breiten Publikum näher kommen möchte. Das eigentliche Eröffnungskonzert folgt am 11. September mit der russischen Pianistin Anna Vinnitskaya.

BOZAR wiederum wählte „Reassembling" als Leitfaden für die neue Saison – Wiederverbindung, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Disziplinen und Zielgruppen. Diese Ambition klingt vertraut, aber das Programm füllt sie überzeugend mit Leben. Der südafrikanische Künstler William Kentridge, der als erster Grand Invité von BOZAR ernannt wurde, verkörpert diese Querbefruchtung schlechthin. Mit seinen Holzkohlezeichnungen, seinen Schattenspiel und filmischen Collagen erinnert er uns daran, dass Kunst nicht aus Harmonie entsteht, sondern aus Bruchlinien, Erinnerung und Konfrontation. Sein Werk, geboren aus den Narben der Apartheid und historischer Zerrüttung, verkörpert fast buchstäblich, was BOZAR mit dieser Wiederverbindung meint: Kunst als Versuch, Scherben der Geschichte wieder lesbar zu machen. Seine multidisziplinäre Praxis durchzieht die ganze Saison: so schuf er einen faszinierenden Film als visuelles Pendant zu Dmitri Shostakovich Zehnter Symphonie (das Staging the Concert-Format), und am 18. September stehen das BNO und er gemeinsam auf der Bühne für ein Filmkonzert.

Porträtreihen als Spiegel der Saison

Die Porträtreihen von BOZAR verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die isländische Komponistin Anna Thorvaldsdottir erhält sieben Konzertmomente, einschließlich einer besonderen Aufführung von Metaxis in der Ravensteingalerie, bei der sich das BNO über den Raum verteilt (21. Juni 2027). Sopranistin Jeanine De Bique bringt ihren karibischen Hintergrund in einen Dialog mit Mozart und Händel, Pianist Pavel Kolesnikov bahnt sich einen Weg vom Barock zum zeitgenössischen Repertoire, und die amerikanische Elektronik-Pionierin Jlin zeigt, dass die Grenzen zwischen akustisch und elektronisch immer mehr verschwimmen.

Wer Stravinsky liebt, sollte seinen Kalender für Anfang Februar 2027 reservieren. BOZAR und das BNO widmen gemeinsam ein Festival dem russischen Meister, mit unter anderem Le Sacre du Printemps, Petruschka und der Psalmensymphonie. Die historische Schichtung des Festivals zeigt sich auch in der Reihe Echoes of Brussels, in der das BNO daran erinnert, dass der belgische Maler Jean Brusselmans vor neunzig Jahren in BOZAR die Dekorationen für die Brüsseler Uraufführung von Schönbergs Erwartung entwarf.

Bemerkenswert ist auch die besondere Programmierung rund um zeitgenössische Themen. Am 17. Oktober präsentiert der junge belgische Filmemacher Dimitri Sterkens einen Film über radioaktive Abfälle und das Erbe, das wir zukünftigen Generationen hinterlassen – Musik von Britten, Philip Glass, Hildur Guðnadóttir und Max Richter erklingt dabei wie der ideale Soundtrack. Und im November tritt Jazzsängerin Cécile McLorin Salvant zusammen mit dem BNO in symphonischen Arrangements auf – eine Begegnung, die die Sprachgrenze zwischen Jazz und Klassik für einen Moment vergessen lässt. Auch die Würdigung von John und Alice Coltrane (jeweils hundert und neunzig Jahre im Zeitraum 2026-2027) ist beachtenswert, mit Konzerten von Flat Earth Society, Aaron Parks und Ravi Coltrane – letzterer würdigt dabei seine Mutter am Internationalen Frauentag.

Daneben führt BOZAR ein neues Abonnement rund um das Streichquartett ein – vielleicht die reinste Form des musikalischen Dialogs. Vier Stimmen, sechzehn Saiten, ein Atemzug. Es passt perfekt zur zentralen Idee der Saison: Zuhören als Form der Zusammenbringung. Auch die Reihe Start to Classic verdient Erwähnung: diese öffnet bewusst die Tür für neue Zuhörer durch monumentale Einstiegswerke wie Scheherazade von Rimski-Korsakov.

Internationale Ausstrahlung und künstlerischer Übergang

BOZAR begrüßt diese Saison auch wieder internationale pianistische Top-Namen. Grigory Sokolov (15. Dezember), Hélène Grimaud (19. März) und Bruce Liu (14. Mai) erscheinen in der Henry Le Boeuf-Saal – und tun dies zum ersten Mal auf dem brandneuen Steinway-Konzertflügel, den BOZAR im Januar anschaffte. Ein Instrument, das, wie zu erwarten ist, die Persönlichkeit eines jeden dieser drei sehr unterschiedlichen Interpreten nur noch schärfer in Szene setzen wird.

Auch die großen internationalen Orchester lassen sich nicht lumpen. Das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst eröffnet die Reihe am 8. Oktober, gefolgt vom City of Birmingham Symphony Orchestra mit Kazuki Yamada am 14. November. Das Schlussstück ist vielleicht das ehrgeizigste: das Budapest Festival Orchestra mit Iván Fischer bringt am 4. April 2027 Beethovens Neunte Symphonie – aufgeführt mit einem paneuropäischen Chor, zusammengesetzt aus Sängern aus allen EU-Mitgliedstaaten. In Zeiten politischer Zersplitterung eine Aussage, die die Musik selbst kaum noch unterstreichen muss.

Das BNO spielt diese Saison auch außerhalb der Hauptstadt mit etwa zwanzig Konzerten in Städten wie Antwerpen, Gent, Brugge, Leuven, Hasselt und Roeselare. Und international: vom 28. Oktober bis 4. November reist das Orchester nach Japan anlässlich von 160 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Belgien und Japan, mit als Höhepunkt ein Konzert in der legendären Suntory Hall. Dort folgt ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Chefdirigenten Mikko Franck – eine Begegnung, die wahrscheinlich ebenso ergreifend wie festlich sein wird.

Künstlerisch durchlebt das BNO einen Übergangsprozess. Die Amtszeit von Chefdirigent Antony Hermus endet nach 65 Konzerten in vier Spielzeiten. Intendant Bob Permentier hebt seine warme Persönlichkeit und seine grenzenlose Begeisterung als bleibendes Erbe hervor. Hermus kehrt nächste Saison als Conductor Laureate zurück. Seine Nachfolger als Artistic Partners sind Matthew Halls und Eivind Aadland, die jeweils zwei Produktionen leiten. Michael Schønwandt kehrt dreimal als erster Gastdirigent zurück.

Abschließend stärkt das BNO sein pädagogisches Engagement mit offenen Proben, Schulkonzerten, Workshops und Kooperationen mit dem Muziekinstrumentenmuseum. Die erste Ausgabe von Acoustic Power in Bozar und die Rückkehr zum Concertgebouw Brugge für Schüler aus der Sekundarstufe sind konkrete Verwirklichungen dieses Anspruchs.

"Nice to meet you" sagt das BNO. "Reassembling" antwortet Bozar. Zwei Slogans, eine Richtung: die klassische Musik erweitert ihren Blick und reicht die Hand. Als würde Bozar sich selbst so relesen, wie Horta es einst entwarf: nicht als Sammlung von Sälen, sondern als eine lebende Maschine der Zirkulation – von Ideen, Gefühlen und Begegnungen. Es liegt an uns, diese Hand zu ergreifen.

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BNO
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