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Beethoven im Bunker - Musiker unter dem Nazismus, verehrt, verbannt, vergast

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· 3 Min. Lesezeit
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Beethoven im Bunker - Musiker unter dem Nazismus, verehrt, verbannt, vergast

Der Untertitel dieses Buches macht sofort deutlich, dass das Verhältnis der Nazis zur Klassischen Musik zumindest problematisch war. Hitler war beispielsweise ein großer Beethoven-Anhänger, verrückt nach Wagner und Bruckner. Nicht verwunderlich, das waren echte Arier, im Fall von Wagner auch noch mit einer positiven antisemitischen Bilanz.

Aber was ist von den Schallplatten mit Musik der Juden Offenbach und Mendelssohn zu halten, die nach dem Krieg im Bunker des Führers gefunden wurden? Aufnahmen des Lauschers in der Nazipresse Violinist Bronislaw Huberman, Beethoven-Spezialist und Klavierlegende Arthur Schnabel. Wie kam Musik dieser jüdischen Untermenschen in Hitlers Plattensammlung? Die Antwort ist einfach. Wenn diese Untermenschen gute Musik machen konnten, dann war es ihm egal. Aber natürlich wurden diese Platten unter Verschluss gestellt, denn als Führer musste er glaubwürdig bleiben.

In einer bunten Sammlung von neunzehn kurzen Porträts von Komponisten und Musikern schafft es der ehemalige Radioman und Musikjournalist Fred Brouwers, ein eindringliches Bild der Willkür zu zeichnen, der die Künstler während des Dritten Reiches ausgesetzt waren, und der Umstände, unter denen sie gezwungen waren zu leben und manchmal zu sterben. Diese Umstände weckten nicht immer das Beste im Menschen.

Einige Helden fallen daher mit einem Knall von ihrem Sockel. Der abscheuliche Antisemitismus Strawinskys, der brutale Opportunismus des eitlen Dandy Herbert von Karajan, der zum Gründer der Nachkriegs-Musikindustrie werden sollte, die Wendehälse Franz Lehár und Richard Strauss, der kindlich naive Mengelberg, der bereits in den ersten Kriegstagen von seinem Sockel fiel und mit dem es niemals wieder gut würde, die rabiate Judenhasserin Elly Ney, die ihrer Strafe entgehen würde, um nur ein paar der Überlebenden zu nennen. Nicht zu vergessen auch der tyrannische Hitzkopf Arturo Toscanini, der trotz all seiner vielen guten Taten dennoch als unerträglicher Mann hervortritt.

Aber nicht jeder war in der Position, seine Haut zu retten. Ein großer Name reichte nicht immer aus, um den Klauen der Nazis zu entkommen, es sei denn, man hieß Fürtwängler. Diese Tatsache liefert eine Reihe ergreifender Geschichten mit den Tiefpunkten der ergreifenden Geschichte der „Hitmaschine" Fritz Löhner-Beda, der die Hölle von Auschwitz nicht überleben sollte und dessen Mörder 1968 mangels Beweisen freigesprochen wurde. Oder der schreckliche Fall, in den der „kleine Caruso" Joseph Schmidt in der angeblich gastfreundlichen Schweiz geriet. Er würde es nicht überleben.

Vieles von dem, was Brouwers beschreibt, war natürlich bereits bekannt, aber durch seinen mitreißenden Stil und seine treffende Charakterisierung bekannter und weniger bekannter Musiker versteht es der Autor, den Leser von Anfang bis Ende zu fesseln. Dabei ist er ausgezeichnet dokumentiert, bleibt immer differenziert und vermeidet es zu urteilen, trotz seiner großen Betroffenheit vom Thema. Die Taten sprechen für sich selbst. „Schuldig sein" kommt in vielen Formen vor, soviel wird deutlich.

Das schmeckt nach mehr! Hoffentlich hat Brouwers noch ausreichend Material für einen zweiten Teil! Wie war es nochmal mit Elisabeth Schwarzkopf, Walter Gieseking und vielen anderen?

Dieses Buch ist ein Muss für jeden an Geschichte interessierten Liebhaber klassischer Musik, der sich dann aber darauf vorbereiten muss, dass nach der Lektüre die Plattensammlung nie mehr so aussehen wird wie früher.


  • WAS: Beethoven in the bunker - Musiker unter dem Nazismus, verehrt, verbannt, vergast
  • AUTOR: Fred Brouwers
  • VERLAG: EPO 2019
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