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Rezensionen

30 Jahre Leo Smit Stichting in Amsterdam

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· 7 Min. Lesezeit
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30 Jahre Leo Smit Stichting in Amsterdam
© Neil van der Linden

„Es ist wieder die Zeit des Jahres", sagen die Mitarbeiter der Leo Smit Stiftung zu dieser Jahreszeit zueinander, wie Flötistin und seit kurzem künstlerische Leiterin der Stiftung Eleonore Pameijer zu Beginn dieses Konzerts am Samstag, den 2. Mai, in der Amstelkerk in Amsterdam sagte. Die Zeit des Jahres ist der Anfang des Mai, wenn in den Niederlanden am 4. Mai die nationale Gedenkveranstaltung für die Toten stattfindet und am 5. Mai der Befreiungstag. Dann werden sie aufgefordert, überall Gedenkkonzerte zu spielen. Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass diese Komponisten und ihre Musik sowie die Ereignisse von damals das ganze Jahr über gedacht werden. Und mit einer langen Tradition von Veranstaltungen und Publikationen hat die Stiftung dabei großen Erfolg gehabt. Die Stiftung ist nach Leo Smit benannt, der 1943 im Alter von 42 Jahren im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde.

Die Stiftung besteht nun seit 30 Jahren und konzentriert sich auf das musikalische Vermächtnis niederländischer Komponisten oder in den Niederlanden ansässiger Komponisten, deren Musik von den Nazis verboten wurde. Einige dieser Komponisten kamen in den Konzentrationslagern um. Die Stiftung befasst sich seit einiger Zeit auch mit Komponisten aus dem ehemaligen Niederländisch-Indien, die in japanischen Lagern interniert waren.

Es sind Veranstaltungen, auf die sich die Ende des vergangenen Jahres verstorbene Basia Jaworski - siehe ihren Musikblog Basia con Fuoco - immer freute. Als sie aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht mehr hingehen konnte, bat sie andere, darüber zu schreiben. Basia Jaworski stammte selbst aus einer teilweise von den Nazis ausgelöschten polnisch-jüdischen Familie. Nach meinem vorherigen Artikel für Klassiek Centraal über die niederländische Aufführung von Die Passagierin von einem ihrer geliebten Komponisten, Mieczysław Weinberg, einem Komponisten, dessen Familie ebenfalls ermordet wurde, ist diese Besprechung in gewisser Weise ein zweites posthumes Tribut an Basia.

Dank der Stiftung steht das Werk von Henriëtte Bosmans regelmäßig auf dem Spielplan, haben Arthur und Lucas Jussen Werke von Leo Smit aufgenommen und erklingt die Musik von Dick Kattenburg und beispielsweise auch Theo Smit Sibinga (der den Krieg in japanischer Kriegsgefangenschaft verbrachte) regelmäßig im Radio.

Von Henriëtte Bosmans stehen in den Top 400 des Publikums des NPOKlassiek-Senders nun vier Werke. Und abgesehen davon, dass es eine alte Aufnahme ihres zweiten Cellokonzerts mit dem BBC Philharmonic gibt, sind in den letzten Jahren bei dem deutschen CD-Label CPO ihre beiden Cellokonzerte und ihr komplettes Werk für Cello und Klavier erschienen, mit Rafael Wallfisch als Solist und dem BBC Scottish Orchestra unter Ed Spanjaard beziehungsweise Ed Spanjaar als Pianist.

Das ausverkaufte Konzert begann mit einem der Werke von Bosmans, die in der Klassischen Top 400 stehen, Nuit calme aus Trois impressions für Cello und Klavier aus dem Jahr 1926. Cellistin Lidy Blijdorp wechselte wunderbar zwischen Emotionalität und Beherrschung, wunderschön serene begleitet von Tobias Borsboom am Klavier. Tobias Borsboom ist der neue künstlerische Direktor der Stiftung, nun da Eleonore Pameijer sich verabschiedet. Ein Werk, das ebenfalls direkt ins große Repertoire übergehen darf, ist die Sonatine aus dem Jahr 1959 von Fania Chapiro (1926-1994), die zu ihrer Zeit eigentlich eine echte Größe war.

Sie war die Tochter eines russisch-jüdischen Vaters und einer niederländischen Mutter und wurde in Surabaya geboren. Als Pianistin war sie ein Wunderkind. Die Familie zog nach Paris, um ihr die Möglichkeit zu geben, weiter zu studieren. Dort hatte sie Unterricht unter anderem von Nadia Boulanger und Wanda Landowska, nicht weniger. Unterdessen hatte sie bereits große Konzertauftritte. 1939 ließ sich die Familie in Den Haag nieder. Im Krieg tauchten sie unter. Aber sie überlebten. Nach dem Krieg nahm sie ihre Karriere als Pianistin wieder auf, mit großem Erfolg, auch in den Vereinigten Staaten, und sie komponierte weiter. Später wurde sie auch eine geschätzte Lehrkraft. Die niederländischen Komponisten Joost Kleppe und Martijn Padding studierten bei ihr, ebenso wie Eleonore Pameijer. Bemerkenswert: Sie gehörte auch zu den Ersten in den Niederlanden, die sich der Fortepiano widmeten, und sie machte auch Aufnahmen, unter anderem von Konzerten von Dussek und Schobert.

In ihrer Musik klingen französische Einflüsse an, aber in der Klaviersonatine klingen auch Gamelan-Einflüsse und meiner Meinung nach auch von Sergej Prokofjev (1891-1953) an; auf jeden Fall hatte sie einige ihrer Werke früher Prokofjev gewidmet. Der zweite Teil und die zweite Hälfte des letzten Teils erfordern jedenfalls Prokofjev-ähnliche Klaviervirtuosität. Die Sonatine für Flöte und Klavier aus dem Jahr 1962 ist ebenfalls schön. Spektakulär, auch durch überraschende rhythmische Effekte, und spektakulär gespielt war der letzte Teil, Danza. Vivo. Eigentlich wurde Chapiro nie wirklich vergessen, aber es ist klar, dass ihr Leben ganz anders verlaufen wäre, wenn es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben hätte. Das gilt übrigens für jeden dieser Komponisten. Und für so viele andere. Sie sollten Chapiro eigentlich auch in Frankreich und den USA wiederedecken.

Der ungarisch-jüdische Geza Frid (1904-1989) war zu seiner Zeit durchaus eine Größe. Er hatte bei Béla Bartók (1881-1945) und Zoltán Kodály (1882-1967) studiert. 1927 war er wegen des wachsenden Antisemitismus in Ungarn in die Niederlande ausgewichen. Von dort aus begann er eine national und international erfolgreiche Karriere als Pianist und Komponist. Aber ab 1941 war es ihm verboten, öffentlich aufzutreten. Er schloss sich dem künstlerischen Widerstand an und gelang es ihm, den Krieg zu überleben. Nach dem Krieg wurde er erneut einer der meistaufgeführten Komponisten der Niederlande. Aber dann geriet auch er in Vergessenheit, vielleicht auch wegen des Aufkommens der Avantgarde, aber vielleicht auch, weil er als ursprünglicher Ungar (und Jude?) nicht ganz dazugehörte? Es gibt ein schönes Foto von Zoltán Kodály, das ihn 1966 in Amsterdam besucht. Und sollte Ungarn Frid nicht eigentlich wiederentdecken? (Und Rumänien, da er im ungarischsprachigen Teil Rumäniens geboren wurde.)

In der 'Sonate in fünf Stücken' für Cello und Klavier aus 1931 klingen seine ungarischen Wurzeln deutlich durch. Blijdorp und Borsboom spielen auch dieses Stück mit Kühnheit, aber auch kontrolliert heftig.

Rosy Wertheim (1888 – 1949), aus einer Bankiersfamilie stammend, arbeitete als Lehrerin am Amsterdamer Musiklyzeuum und leitete mehrere Kinderchöre, darunter den Chor der 'Eilandenkinderen' aus einem Amsterdamer Arbeiterviertel, sowie mehrere Frauenchöre, darunter den des Religiös-Sozialistischen Bundes. 1929 zog sie nach Paris, wo sie sechs Jahre bleiben sollte. Sie erhielt Unterricht in Komposition und Instrumentierung von Aubert, komponierte dort und schrieb für die Amsterdamer sozialistische Tageszeitung Het Volk über das Pariser Musikleben. In ihrer Wohnung empfing sie niederländische Künstler und auch Honegger, Ibert, Milhaud und Messiaen waren Gäste dort. Nach ihrer Rückkehr in die Niederlande tauchte sie während des Krieges unter. Sie überlebte, starb aber vier Jahre nach dem Krieg an einer schweren Krankheit. In ihren Trois Morceaux aus 1939 klingt überraschender Optimismus durch. Als Flötistin hat Eleonore Pameijers bereits eine lange Verbindung zu dem Stück. Ihre CD-Aufnahme davon mit Pianist Frans van Ruth stammt aus 1995, ein Jahr vor der Gründung der Leo Smit Stiftung. Besonders ist, wie man sich als Zuhörer dank der Arbeit der Stiftung mittlerweile wirklich vertraut mit all diesen Komponisten und ihrer Musik fühlt. Gibt es Raum für die Wiederentdeckung von Wertheim in Frankreich?

Während seines kurzen Lebens ließ sich Dick Kattenburg (1919-1944) manchmal vom Jazz beeinflussen, aber das jetzt aufgeführte Stück, Rumänische Melodie für Flöte, Cello und Klavier aus 1942, ist düster und getragen. Der Titel hätte eigentlich Hebräische Melodie lauten sollen, aber das wurde als zu gefährlich erachtet, selbst wenn diese Stücke nur bei geheimen Konzerten aufgeführt wurden. Kattenburg, der vor dem Krieg in Antwerpen und Den Haag studiert hatte, saß während des Krieges im Widerstand. Er wurde mehrmals verraten und entkam jedes Mal wieder, aber schließlich wurde er 1944 verhaftet. Über Westerbork wurde er nach Auschwitz deportiert und dort ermordet oder starb an Erschöpfung, was angesichts der Umstände auch eine Form von Mord war.

Details

Wer
Jan Brokken, verteller - Lidy Blijdorp, cello - Eleonore Pameijer, fluit - Tobias Borsboom, piano
Wo
Amstelkerk Amsterdam
Gesehen am
2 Mai 2026
Bildnachweis
Neil van der Linden
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