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Klassik Zentral

Georges Bizet Carmen in Oper Ballet Vlaanderen

Choreograf stürzt Carmen in den Ruin

Mit Carmen, der ikonischen Oper von Georges Bizet (1838-1875), die letztes Jahr sein 150.sten Jubiläum feierte, inszeniert Choreograf Wim Vandekeybus zum ersten Mal eine Oper. Es war also spannend, seine Herangehensweise und Vision zu sehen.

Um gleich Nägel mit Köpfen zu machen: es war eine tiefe Enttäuschung. Wim Vandekeybus ist als inspirierter und origineller Choreograf bekannt und das steht auch nach dieser Produktion außer Frage. Aber dennoch ist es völlig klar geworden, dass man damit keine gute Opernregie macht.

Steinformationen und Tabakalben

Das Bühnenbild wird von großen schwarzen Steinformationen beherrscht und auf der anderen Seite von torfbraun gefärbten Blöcken als Wände der Zigarettenfabrik: darin soll die Geschichte der leidenschaftlichen Liebe und Eifersucht ihren Platz finden. Tabakalben beherrschen die ganze Oper im Bühnenbild, Carmen ist schließlich eine Arbeiterin in der Zigarettenfabrik.

Vor dem Vorspiel wird zu lange in den Felsen gehackt, was sofort langweilt. Dass dann ein Wilder aus diesen Felsen hervorbricht, soll also – wenn ich das richtig verstehe – die archaische und instinktive Kraft der Oper und vor allem der Protagonistin Carmen verkörpern. Diese wilde Figur taucht zu Recht und vor allem zu Unrecht und zum Überdruss in der Vorstellung auf. Die Ausstrahlung von Carmen zu verstärken, tut es überhaupt nicht. Außerdem gelingt es Rhaeann Bryce Davis nicht, das subtile verführerische Spiel, noch die tödliche Liebe von Carmen auszudrücken. Dafür wird sie zu plump und ungenuanciert dargestellt. Eine absolut verpasste Chance, zumal sie ihre Partie auch kaum durch ihre vokale Leistung rettet. Meist befleckt durch ein hässliches Vibrato (ein Übel, das übrigens auch Escamillo hässlich trifft!) und vor allem eine sehr schlechte französische Diktion. Eine absolute Fehlbesetzung also. Und ja, was tut man mit einer Oper wie Carmen mit einer schlechten Hauptdarstellerin? Die dann in der Schlussszene eine Art Identifikation mit dem bereits zu Tode aufgeführten „Biest" des Stier-Symbols zeigt?

Es ist klar, dass die lokale Atmosphäre weder von "auf der Stelle, jeder geht vorbei"” noch von der Arena-Szene am Ende (A dos cuartos” ) viel rüberkommt. Schade. Auch die intimeren Passagen kommen kaum zu ihrem Recht, wie die erste Arie der Michaela oder ihre Konfrontation mit José im dritten Akt bei den Schmugglern. Maeve Höglund ist zu schwach gezeichnet, um als Michaela zu rühren.

Die Choreografie beherrscht in zu vielen Passagen die Szene und meist auf eine zu gewalttätige Weise. Glücklicherweise können die Chorpassagen hier und da die Atmosphäre noch ein wenig retten – auch dank der wie immer schönen Leistung des Chors und des Kinderchors von Oper Ballet Vlaanderen.

Dirigentin Keren Kagarlitsky belebt das Orchester zu einer insgesamt beeindruckenden Aufführung an, hatte aber zu wenig Kontrolle über die vokale Leistung der Solisten.

Detalhes:

Título:

  • Georges Bizet Carmen in Oper Ballet Vlaanderen

Künstler:

  • Wim Vandekeybus, Regie
    Keren Kagarlitsky, Dirigentin
    Sinfonieorchester, Chor, Kinderchor Oper Ballet Vlaanderen
    Tänzer Oper Ballet Vlaanderen, Ultima Vez u.a.
    Mit: Rhaeann Bryce-Davis, Kyungho Kim, Leon Košavič, Maeve Höglund, Samson Setu u.a.

Ort:

  • Oper Ballet Flandern, Antwerpen

Datum:

  • 29. Mai 2026

Fotografie:

  • Danny Willems
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