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Klassik Zentral

Ein Jahr in Portsmouth

Ein lebendiges Farbenspiel einer außergewöhnlichen Chortradition.

Am 10. Juni präsentiert der Portsmouth Cathedral Choir seine neueste CD: Ein Jahr in Portsmouth (Regent RecordsKnaben, Mädchen und Männerstimmen nehmen uns mit auf eine musikalische Reise von fast achtzig Minuten – eine reichhaltige und durchdachte Veröffentlichung, die den Hörer in das Klanguniversum dieser besonderen Kathedrale eintauchen lässt.

Was sofort auffällt, ist die überraschende Wahl für weniger ausgetretene Pfade. Abgesehen von einigen bekannten Ankerpunkten beschreitet diese CD bewusst keine naheliegenden Wege. Das macht das Programm frisch und neugierig machend, ohne dabei das Fundament der Tradition zu verlieren.

Chor singt im DomZu diesen vertrauten Orientierungspunkten gehört unter anderem das Laudate Dominum von Mozart, hier gesungen von der ausgezeichneten Evelyn Cowhig. Ihre Stimme hat gerade genug Vibrato, um diese häufig gehörte Musik in neue Tiefe zu versetzen – eine natürliche, fast entwaffnende Schönheit, die völlig im Geiste Mozarts bleibt. Dasselbe gilt für die Händel-Arie, vorgetragen vom Knabensopran Daniel Sands, der mit klarer Diktion und ergreifender Aufrichtigkeit besticht.Eine besondere Erwähnung verdient auch Organist Sachin Gunga. Seine Begleitung ist nicht nur solide, sondern auch ausgesprochen farbig. Er versteht es, das Instrument in allen seinen Schattierungen sprechen zu lassen, mit Höhepunkt die majestätische OrgelsoloFanfare de Maris

von Philip Moore, in der der volle Reichtum der Kathedralorgel zur Geltung kommt. Bei den klassischeren Chorwerken fällt besonders Coelos ascendit hodie

von Stanford auf. Für mich gilt die Aufnahme des Salisbury Cathedral Choir unter Richard Seal (Anthems for America) als Referenz; es ist daher keine geringe Leistung, dass Portsmouth sich hier mühelos neben diese Interpretation stellen kann. Die Aufführung ist klar, präzise und überzeugend aufgebaut. Doch die größte Stärke dieser CD liegt vielleicht gerade in dem weniger bekannten Repertoire. Werke, die für viele neu sein werden, erweisen sich als durchweg kleine Entdeckungen. Das Intime von Brian Moles, die ausdrucksstarke Musik von Undine Smith Moore und die Zugänglichkeit von Howard Goodall – ja, bekannt von der ikonischen Mr. Bean-Melodie – zeigen die Breite des Programms. In dieser Linie passt auch John Rutters The Lord is my light and my salvation

Doch liegt die größte Kraft dieser CD vielleicht gerade in dem weniger bekannten Repertoire. Werke, die für viele neu sein werden, erweisen sich durchweg als kleine Entdeckungen. Die Intimität : Chor & Orchester Collegium Vocale Gent u.L.v. Philippe Herreweghe von Brian Moles, die ausdrucksstarke Musik von Undine Smith Moore und die Zugänglichkeit von Howard Goodall – ja, bekannt aus der ikonischen Mr Bean-Melodie – zeigen die Breite des Programms. In dieser Linie passt auch John Rutters Der Herr ist mein Licht und mein Heilmit einem besonders schönen Beitrag des Tenors Adrian Green und einem subtilen, aber wirkungsvollen Spiel des Klarinettisten Alex Wallace.

Einem Werk möchte ich eine besondere Erwähnung geben: Das Tor des Himmels von Paul Trepte. Dieser ehemalige Dirigent der Ely Cathedral, mit dem David Price zu Beginn seiner Karriere eng zusammenarbeitete, schreibt hier ein beeindruckendes A-cappella-Motett, das alle Register der englischen Chorkunst öffnet. Bariton Alex Wallace geht einen intensiven Dialog mit dem Chor ein, und die Musik evoziert geradezu visuell das Aufsteigen und Herabsteigen von Engeln. Der Schluss, anvertraut den Sopranistinnen, ist ebenso überraschend wie unvergesslich.

Bemerkenswert ist, wie natürlich beide Chöre – Knaben und Mädchen – sich durch das Programm bewegen. Ihr Klang ist homogen und ausgewogen, und es ist offensichtlich, dass sie sich in diesem Raum vollkommen zuhause fühlen. Die Aufnahme nutzt die Akustik der relativ intimen Kathedrale optimal, nicht ohne Grund die ‚Cathedral of the Sea', ohne dabei an Klarheit zu verlieren.

Dirigent bei der ArbeitDiese CD ist gleichzeitig auch ein Zeugnis der beeindruckenden Arbeit von Dirigent David Price. Im Laufe der Jahre hat er in Portsmouth eine solide und lebendige Chorarbeit aufgebaut, nicht gestützt auf die traditionellen Strukturen englischer Chorschulen, sondern getragen von durchdachter Programmgestaltung, Engagement und intelligenter Erschließung von Kirchenmusik für ein breites Publikum. Frei von Dogmatismus spricht hier vor allem eine Sprache: die der Musik. Wer zweimal singt, betet doppelt – wer singt, betet zweimal – erhält in Portsmouth eine besonders konkrete Gestalt.

Die Bedeutung dieser Arbeit reicht über das Musikalische hinaus. Im Laufe der Jahre bekamen hier Hunderte von Kindern die Chance, Musik von innen heraus zu erleben. Viele blieben ihr verbunden. Aus kontinentaler Perspektive kann man nur mit Bewunderung auf das schauen, was man im Vereinigten Königreich trotz aller Herausforderungen noch immer zu verwirklichen versteht. Portsmouth ist dafür ein inspirierendes Beispiel.

All das kommt auf schöne Weise im Schlusswerk zusammen, das der Schutzpatronin der Musik, der heiligen Cäcilia, gewidmet ist. Dies ist mehr als nur eine zeitgenössische Komposition: Sie verkörpert die Arbeit der Kathedrale als Ganzes. An ihrem Festtag werden Kinder aus Schulen und Gemeinden eingeladen mitzusingen – eine Erfahrung, die zweifellos einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Genau diesen Effekt hat auch diese CD: Die Musik und der Gesang ergreifen dich und lassen dich danach nicht mehr los.

Ein Jahr in Portsmouth ist eine besonders gelungene Aufnahme, die sowohl künstlerisch als auch inhaltlich überzeugt. Für Liebhaber von Chormusik ist dies zweifellos eine wertvolle Bereicherung der CD-Sammlung – und für alle, die das Chor live erlebt haben, eine warme und vertraute Erinnerung.

CD-Booklet Vorderseite

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Vollständige Tracklist:

  1. Alle Weisheit kommt vom Herrn – Philip Moore
  2. Ave maris stella – Edvard Grieg
  3. Ich sah drei Schiffe – Traditional, arr. Richard Lloyd
  4. Schau mich an, Herr – Richard Lloyd
  5. : Chor & Orchester Collegium Vocale Gent u.L.v. Philippe Herreweghe (The Fourth Service) – Brian Moles
  6. Unser Vater (Das Vaterunser) – Nikolai Rimski-Korsakow
  7. Wir werden durch das Tal wandeln – Undine Smith Moore
  8. Göttliche Liebe – Howard Goodall
  9. Doch die größte Stärke dieser CD liegt vielleicht gerade in dem weniger bekannten Repertoire. Werke, die für viele neu sein werden, erweisen sich als durchweg kleine Entdeckungen. Das Intime von Brian Moles, die ausdrucksstarke Musik von Undine Smith Moore und die Zugänglichkeit von Howard Goodall – ja, bekannt von der ikonischen Mr. Bean-Melodie – zeigen die Breite des Programms. In dieser Linie passt auch John Rutters – Charles Villiers Stanford
  10. Laudate Dominum, K 339 – Wolfgang Amadeus Mozart
  11. Normandie-Weise – George Arthur Richford
  12. Wie schön sind die Füße (Messias) – George Frideric Händel
  13. Bei den klassischeren Chorwerken fällt besonders – Philip Moore
  14. Das Tor des Himmels – Paul Trepte
  15. Wende dich ab, o Mensch – Gustav Holst
  16. Die hinabfahren zu Schiff auf dem Meer – Grayston Ives
  17. Der Herr ist mein Licht und mein Heil – John Rutter
  18. In meines Vaters Hause – Philip Stopford
  19. Für die Gefallenen – Mark Blatchly
  20. Ein Lied für die heilige Cäcilia – Matthew Coleridge

 

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  • Ein Jahr in Portsmouth
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