Der Titel führt Sie höchstwahrscheinlich in die Irre. Es gibt eine denkbar einfache Erklärung: Die Künstler wohnen auf der Heide. Mit etwas künstlerischer Fantasie wurde ‚Heidennächte' zum Titel dieser Ausgabe. Ein erhabenes Musikerlebnis, in dem Mystik und Natur verschmelzen – mit den Komponenten der Stimme der Sopranistin Lissa Meyvis, Klavier Lester Van Loock und Querflöte Valerie Burndorfer, Soloflötistin des Nationalen Jugenorchesters und Dozentin am Conservatorium Antwerpen.
Als Gast bekommt sie die Hauptrolle zugeteilt. Dieses Trio führt das Publikum mit auf eine musikalische Achterbahnfahrt voller Farbe und Klang, erfüllt von Leidenschaft, Geheimnis, Emotionen und Querverbindungen. Die ausgewählten Werke atmen Magie und Sehnsucht, mühelos lavierend zwischen Freude und Trauer in einer berauschenden Welle von Zusammenhalt. Der Ton wird sogleich gesetzt mit ‚La flûte enchantée‛ für Flöte und Klavier von Maurice Ravel, ein meisterliches Stimmungsstück, in dem die kraftvollen Arabesken einer Flöte an Scheherazade erinnern und die Küsse ihres Geliebten.
Arie aus Manon von Jules Massenet ‚Mir ist immer noch schwindlig”
Lissa Meyvis verkörpert mit Einfühlungsvermögen Manons ersten großen Ausflug auf dem Weg ins Kloster: Sie ist verwirrt von weltlichen Versuchungen und der unerwarteten Werbung des reichen Guillot. Lissa bringt niemals eine sterile Aufführung, mit mimischer Subtilität bekommt Manons Verwunderung ein Gesicht. ‚Soir Païen‛ von Philippe Gaubert, bekannt für seine Kompositionen für Querflöte. Dieses Werk ist eine Melodie für Sopran und Klavier zu einem romantischen Gedicht von Albert Samain. Anschließend folgt das melancholische ‚Nocturne‛ für Klavier und Flöte ebenfalls vom französischen Komponisten Philippe Gaubert. Eine träumerische, melodische, wohltuende Melodie.
Mit 'Heia, in den Bergen‛ aus der Operette Die Csárdásfürstin von Emmerich Kálmán wird zu einer ganz anderen Atmosphäre übergegangen. Eine Melodie im schnellen Tempo mit wieder einer schönen Partie für die Querflöte. Die Querflöte fügt würzige Akzente hinzu. In ‚O Come, O Come, Emmanuel ein stimmungsvolles Weihnachtslied von André Jolivet spielen sowohl Lissa als auch Lester neben Valerie eine Querflöte. Künstler mit mehreren Eisen im Feuer. Zur Begleitung von ‚Es werde schon glei dumpa ein österreichisches Volksweihnachtslied wird ein winziges Musikdöschen eingesetzt. Mit den zwei Stimmen von Lissa und Valerie ergibt sich daraus ein stimmungsvoller Moment. Der erste Teil endet mit einer dritten Komposition von André Jolivet ‚Chant de Linos ‛, ein Werk für Flöte und Klavier, das er 1944 im Auftrag des Conservatoire de Paris schrieb.
Nach der Pause beginnt man mit "Meine Lippen" aus der Operette Giuditta von Franz Lehár. Mit ihrem ausdrucksstarken Gesicht und ihrer verspielten, sinnlichen Interpretation versteht es Lissa Meyvis, das Publikum zu fesseln und zu verführen. Wir befinden uns mitten in der Vorweihnachtszeit und "Stille Nacht, heilige Nacht" durfte als das Weihnachtslied schlechthin nicht fehlen. Querverbindungen habe ich anfangs erwähnt. Lester Van Look schlüpft in die Rolle von Tom Waits mit dem schönen und zeitlosen "Grapefruit Moon", eine nächtliche Szene in Amerika. Ein bis heute geachteter Singer-Songwriter, der die Messlatte für Liedschreiben und Komposition hoch legte.
‘Soir Païen‛ diesmal von Georges Hüe. Es ist faszinierend, wie es dem Komponisten gelang, die Klangfarbe der Stimme und Flöte fast zum Verschmelzen zu bringen. Von demselben Komponisten aus der Belle Époque folgt noch "Fantaisie" für Klavier und Flöte, geschrieben für einen Kompositionswettbewerb. Ein wirklich schönes Werk mit verschiedenen Stimmungen. Es beginnt räumlich und atmosphärisch und wird dann mit komplizierten Melodielinien für die Flöte bereichert. Eine schöne Herausforderung für fortgeschrittene Flötisten. Dann noch zwei Weihnachtslieder "The Christmas Song" und "Have Yourself a Merry Little Christmas".
Zum Abschluss ein Lied, das mich immer wieder bezaubert. "Il est cinq heures, Paris s'éveille". Die Beschreibung des aufwachenden Paris habe ich immer als wunderbar empfunden und dann diese herrlichen Akzente der Querflöte. Als Zugabe wurde "Piano Man" von Billy Joel gewählt. Ein Nummer, das zu einem weltweiten Klassiker geworden ist und von seinen Erfahrungen als Barpianistein inspiriert war.
Diese "Heidnischen Nächte" waren wieder ein Geflecht aus unterschiedlichen, herrlichen Melodien. Ende gut, alles gut. Jetzt heißt es, sich auf die erste Ausgabe von 2026 freuen: "Happy Days" mit Alexandra Franck, Lissa Meyvis und dem großzügigen Begleiter Lester Van Loock.



