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Klassik Zentral

Music Chapel Festival 2025 – Mirabelle Kajenjeri zwischen Wurzeln und Vorstellung

Die junge Pianistin Mirabelle Kajenjeri (*ca. 1998) gehört zu jener seltenen Generation von Musikern, bei denen Verfeinertheit, Neugier und Ungreifbarkeit nahtlos zusammenkommen. Mit burundischen und ukrainischen Wurzeln und einer künstlerischen Ausbildung, die sie von Brüssel nach Hannover und Wien führte, verkörpert sie eine Welt, in der Musik die Grenzen von selbst verschwimmen lässt.

Ihre erste fundierte Ausbildung erhielt sie am Königlichen Konservatorium Brüssel bei Michail Faerman – eine Grundlage, die ihr später die Reife gab, ins Ausland zu wagen. Anlässlich ihres Auftritts am Freitag, dem 5. Dezember beim Music Chapel Festival in Flagey reflektiert sie in einem Gespräch mit Klassiek Centraal über Identität, Klang, Freiheit und die Suche nach einer eigenen Stimme.

Eine Identität im Klang

In ihrem Projekt Resonating Roots: My Story Through Sound verwebt Kajenjeri burundische Melodien mit dem klassischen Rezitalformat. Nicht als exotisches Ornament, sondern als eine intime, persönliche Suche nach ihrer Identität. Für ein Festival in Cleveland, das Künstler einlud, ihre Einzigartigkeit zu zeigen, tauchte sie tief ins Erbe ihrer Familie ein. Ihr Vater half ihr bei der Auswahl und Bedeutung der Melodien: "Es war wichtig, dass dieses Programm wirklich von mir stammte."

Kajenjeri betont, dass es wesentlich ist, die Traditionen anderer zu verstehen und zu respektieren. "Genau wie in der klassischen Musik übernimmt man ein Werk aus einer anderen Zeit und Mentalität und macht es sich mit Respekt zu eigen", sagt sie. Da burundische Musik stark rhythmisch ist – oft von Trommeln getragen – erstellte sie einfache Klaviertransskriptionen, wobei das Publikum die rhythmische Basis poetisch bildete. Sie sang selbst einige Motive, um den Geist der ursprünglichen Melodien zu bewahren. Das Konzert wurde zu einer emotional aufgeladenen Erfahrung. Obwohl diese Melodien noch nicht in Europa aufgeführt wurden, erwartet sie, dass eine europäische Uraufführung nur eine Frage der Zeit ist. Das Projekt hallt auch in ihr nach als ein erstes Moment, in dem Publikum, Stimme und Wurzeln in einer menschlichen Erfahrung zusammenfielen.

Doppelte Ausbildung, doppelter Atem

Kajenjeri wurde sowohl als Pianistin als auch als Geigerin ausgebildet. Manche nannten dies eine Zeitverschwendung, aber intuitiv wusste sie, dass beide Instrumente ihre innere Sprache formten. "Von Kindheit an spürte ich, dass mein Ausdruck durch beide Instrumente geprägt wurde. Es war vielleicht gegen die Erwartungen, aber wesentlich für meine musikalische Sprache", erklärt sie. Das Spiel der Violine – in Orchester und Quartett – lebt in ihrem Klavierspiel fort: ein natürlicher Atem, eine andere Art zu phrasieren und zu hören, ein inneres "Klangwerkzeugkasten". Das Klavierinstrument bleibt ein "Orchester von zehn Fingern", aber ihr Geigenhintergrund gibt eine zusätzliche physische und mentale Schicht, durch die Phrasierung und Klang eines Streichinstruments auch beim Klavierspiel spürbar bleiben. Den Abschied von der Violine, ihrem "Instrument des Herzens", nennt sie rückblickend eine der schwierigsten Entscheidungen ihrer Ausbildung.

Mentoren und Klangentdeckung

An der Hochschule Hannover arbeitete Kajenjeri mit Ewa Kupiec, die nicht locker ließ, bis die exakte Klangfarbe gefunden war. Die ersten Lektionen waren intensiv und konfrontativ: Kupiec trieb sie zu äußerster Präzision und forderte sie auf, Farben zu suchen, die sie noch nie bewusst gehört hatte. Eine Lektion zu Ravels Miroirs war entscheidend: "Zehn Finger, hunderte Farben, je nach Position, Geste und Absicht." Diese Suche nach Autonomie – entscheiden, hören und schaffen können, ohne dass jemand es vorspielt – nennt sie "die Grundlage unseres Handwerks".

In Wien absolvierte sie ein Postgraduiertenstudium bei Anna Malikova, die Vertrauen aufbaut und leitet, ohne ihre Schüler zu transformieren. Kajenjeri erklärt: "Bei Malikova lernte ich, meine eigene Stimme zu festigen und ihr vollständig zu vertrauen." Malikovas Wärme und ihr Erbe der großen russischen Schule bildeten ein Gegengewicht zur hohen Intensität Hannovers. Wien selbst – eine Stadt, durchdrungen von Detailkultur und musikalischer Geschichte – sorgte für tägliche, fast selbstverständliche Inspiration. Sie betont: "Ein Musiker baut sich niemals allein auf; wir sind das Ergebnis der Hingabe, Großzügigkeit und Anforderungen all jener, die uns leiten."

Die Musikkapelle als Zwischenraum

Seit 2024 ist Kajenjeri Künstlerin in Residenz an der Musikkapelle Königin Elisabeth in Waterloo. Keine Konservatoriumslogik, sondern ein maßgeschneidertes Umfeld, das Raum für Autonomie, Introspection und künstlerisches Wachstum schafft. "Die Musikkapelle ist keine Familie, sondern ein Kreis von Künstlern, wo jeder seine eigene Identität behält." Wenig Gruppenunterricht und viel projektbezogenes Arbeiten sorgen für kurze, intensive Verbindungen.

Was sie am meisten berührt, ist der geografische und mentale Raum: die Stille von Waterloo, die Nähe des Waldes und die Ruhe, die den Übergang von Studentin zu unabhängiger Künstlerin erträglich macht. Sie nennt die Musikkapelle eine "Zwischenphase" zwischen Ausbildung und professionellem Sprung, getragen von Mentoren wie Frank Braley, Avedis Kouyoumdjian und vielen Gastdozenten von internationalem Rang. "Es ist begleitetes Fliegen lernen."

Zwischen Erkenntnis und Entdeckung

In ihren Rezitalprogrammen balanciert Kajenjeri zwischen französischer Finesse, ukrainischer Lyrik und burundischen Wurzeln. Das Publikum soll immer etwas Wiedererkennbares finden – ein Stück, das Erinnerung oder Emotion hervorruft – um sich dem Unbekannten zu öffnen. Sie weist darauf hin, dass die Auslastung eines Saals manchmal auch in der Programmgestaltung liegt: "Ein intelligentes Programm ist eine Brücke zwischen Komfort und Neugier." Improvisation spielt dabei eine Schlüsselrolle. "Jede klassische Partitur hat einmal als Improvisation begonnen."

Ihre Erfahrung stammt vor allem aus den Gottesdiensten, in denen sie jeden Sonntag spielt und singt, ohne Partituren: nur Akkordschema und Spontaneität und Aufrichtigkeit. Diese Freiheit hilft ihr, sich daran zu erinnern, dass klassische Musik einst auch aus dem Moment heraus entstand.

Poulenc und die Freude am Duo

Am Freitag, dem 5. Dezember, spielt sie Poulencs Konzert für zwei Klaviere mit Jonathan Fournel. Das Konzert entdeckte sie zum ersten Mal im Alter von fünfzehn Jahren. Während einer Solfège-Prüfung in Roubaix hörte sie Poulencs Sextett – eine Offenbarung, die sie als "einen Blitzschlag" beschreibt. Über das Konzert sagt sie: "Perkussiv, tänzerisch, ironisch, lyrisch und mit Humor. Es war Liebe auf den ersten Blick."

Mit Fournel bildet sie ein dynamisches Duo: "In einem Duo-Konzert gibt es sowohl Dialog als auch Verschmelzung." Sie spürt bei Fournel eine natürliche Atmung und eine musikalische Sensibilität, die perfekt zusammenpassen: "Es gibt etwas Selbstverständliches in unserer Kommunikation."

Die Kraft der Begegnung

Kajenjeri engagiert sich in Projekten rund um Jugend und interkulturelle Dialoge. Sie beobachtet, wie Musik Türen öffnet. Sie erzählt von einem siebenjährigen Kind, das nach Schumanns Träumerei sagte: "Ich war glücklich." Und wie eine Gruppe von 17-jährigen Jungen, zunächst ablehnend, endlich neugierig wurde und das Innere des Klaviers erforschte – eine unerwartete Verbindung zu ihrer technischen Ausbildung. "Musik kann Menschen in wenigen Minuten berühren."

Zweifel, Wachstum und eine Wahrheit hinterlassen

Es gab schwierige Momente: das Loslassen der Violine, den erbarmungslosen Wettbewerb in Hannover, den Lockdown in einem Neuanfang. In Hannover fühlte sie sich zum ersten Mal wirklich klein unter Pianisten, die Tag und Nacht arbeiteten, und Covid warf sie plötzlich auf sich selbst zurück, in eine neue Stadt, eine neue Schule, einen neuen Druck. Aber jede Phase zwang sie zu wachsen. Sie möchte, dass man sich vor allem an ein Gefühl von Aufrichtigkeit und Wahrheit in ihrer Musik erinnert.

Brücken aus Klang und Kultur

Mirabelle Kajenjeri spricht mit derselben ruhigen Vielschichtigkeit, die ihr Spiel kennzeichnet: bedacht, warm, durchdrungen von Kultur und Identität. Sie verbindet Welten, ohne sie zu verschmelzen; sie lässt sie erklingen. Nicht in der Suche nach einer Wahrheit, sondern in der Überzeugung, dass Musik eine Brücke ist. Ihre Botschaft an junge Musikerinnen und Musiker ist klar: "Deine Stimme existiert bereits. Lerne, sie zu erkennen, zu gestalten und wage es, sie existieren zu lassen – neugierig, aufrichtig und technisch gewappnet." Neugier und der Mut, deiner Intuition zu folgen, sind nach ihrer Ansicht der Schlüssel zu jeder künstlerischen Zukunft: Innovation entsteht von selbst, wenn sie sich einer inneren Wahrheit treu bleibt.

Wo Identität Klang wird

Wer Mirabelle Kajenjeri spielen hört, bemerkt, dass ihre vielen Welten nicht zu einer Geschichte verschmolzen werden, sondern nebeneinander erklingen können. Burundische Rhythmen, ukrainische Lyrik, französische Klarheit, die Intensität Hannovers, die Eleganz Wiens und die Stille von Waterloo fließen nicht ineinander, um Unterschiede auszulöschen, sondern um Tiefe zu schaffen.

Sie baut ihre Karriere mit derselben ruhigen Entschlossenheit auf: beständig, neugierig und ohne Eile. Ihre Musik wird so zu einem Raum, in dem sich Geschichten, Kulturen und Generationen berühren, ohne dass sie daraus eine Wahrheit destillieren möchte. Vielleicht ist das ihre größte Stärke: dass sie den Zuhörer einlädt, wie sie selbst, sich mit einer Identität vertraut zu machen, die nicht festgelegt, sondern beweglich ist, die erklingt. In jenem Klangfeld zwischen Herkunft und Vorstellung findet sie die Freiheit, die ihr Spiel so besonders macht – eine Stimme, die immer klarer, reicher und eigenständiger wird.

Wo und wann?

Freitag, 5. Dezember, 20.15 Uhrim "Konzert für zwei Klaviere" von Francis Poulenc (1899-1963) zusammen mit Jonathan Fournel und Les Métamorphoses unter der Leitung von Raphaël Feye.

Siehe auch https://klassiek-centraal.be/music-chapel-festival-2025-de-vier-elementen-in-klank-en-geest/

Detalhes:

Título:

  • Music Chapel Festival 2025 - Mirabelle Kajenjeri zwischen Wurzeln und Vorstellung

Künstler:

  • Mirabelle Kajenjeri

Fotografie:

  • Johan Jacobs

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