Es ist immer ein Risiko, einen zeitgenössischen Komponisten mit Mozart zusammenzubringen. Bei der Aufnahme, die wir hören, ist das eigentlich nicht anders. Der Stilunterschied ist schon an sich ein Problem und dann ja, die außergewöhnliche Qualität der Kompositionen. Wer kommt Mozart gleich, besonders in unseren Tagen, wo es so unglaublich wenig zum Vergleichen gibt? Ich tue mich damit schwer…
Von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) hörst du auf dieser Aufnahme sein Konzert für zwei Klaviere KV 365, gespielt von Margarite Höhrieder und Antti Sijrala, begleitet vom Wiener Concert Verein unter der Leitung von William Garfield Walker. Ein Traum einer Komposition, geschrieben von einem Mozart, der sorglos wirkt, der das Schöne erblickt und wenn das nicht ‚schön' genug ist? Dann sorgt er dafür, dass er alles mit diesem glänzenden Konzert noch rosiger macht.
Das Klavierspiel berührt mich nicht wirklich und das Orchester ebensowenig. Es bleibt bei einer allgemein professionellen Aufführung, bei der echte Tiefe eher flach bleibt und vieles kantig gespielt wird. Alle Noten stehen zu isoliert voneinander. Das Klavier setzt hart ein, um dann in Freundlichkeit überzugehen, aber trotzdem bleibt alles gelöst, keine Gebundenheit. Man muss das mögen. Das ganze Konzert wird in diesem Sinne aufgeführt. Darf ich bezweifeln, ob das wirklich mozartisch ist?
Nach diesen letzten harmonischen Mozartnoten bekommst du plötzlich Bandoneon mit Orchester in stressvollen Klängen, wobei das Klavier etwas aggressiv einfällt. Von einem Tango erwarte ich etwas anderes. Zu diesem Werk kannst du wirklich nicht tanzen, es sei denn, es ist eine chaotische Choreographie. Tango op. 261 ‚Cristian en el Tortoni Buenos Aires' von Françoise Choveaux (um 1953) ist viel zu komplex, um ihn einfach einen Tango zu nennen. Es ist, wie so oft bei Zeitgenössischem, zu gesucht. Es gibt keine Spontaneität und damit tue ich mich wirklich schwer. Es ist fast ein Tiefpunkt gegenüber dem Mozartkonzert. Nun ja, vielleicht liegt das Problem bei mir? War es nicht eine Schwester von mir, die sagte: ‚Du bist ja ein konservativer Kerl', wenn es um die Schönen Künste im Allgemeinen und Musik im Besonderen ging? Äh…



