Die britische Pianistin Clare Hammond (*1985)bereichert ihr neuestes BIS-Album mit einem reichhaltigen Programm aus drei britischen Klavierkonzerten des zwanzigsten Jahrhunderts, begleitet vom BBC Symphony Orchestraunter der Leitung von George Vass. Hammond schlägt bewusst ungewöhnliche Wege ein und beweist sowohl ihre Virtuosität als auch ihre intellektuelle Raffinesse in Werken von William Walton (1902–1983), Benjamin Britten (1913–1976)und Michael Tippett (1905–1998).
Walton zwischen Bravour und Verfeinerung
Waltons Sinfonia concertante (1943) – ursprünglich als Ballettmusik konzipiert – ist lebhaft und verspielt, voller stilistischer Zitate von Zeitgenossen wie Strawinsky und Poulenc, aber unverkennbar Walton. Hammond betont den Dialog zwischen Klavier und Orchester statt eines Kampfes zwischen Solist und Ensemble, mit eleganter Leichtigkeit im schnellen Satz und warmem lyrischem Ton im langsamen Mittelsatz. Dirigent Vass hält das Klangbild luftig und transparent, sodass Waltons scharfsinniger Humor glänzt, ohne an Dramatik zu verlieren.
Britten komponierte seine Diversions (1940) für den einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein. Hammond gestaltet die elf Variationen als Miniaturen mit je eigenem Charakter: verspielt, melancholisch, manchmal beißend ironisch. Ihre tiefe Kenntnis dieser Partitur – sie schrieb ihre Dissertation darüber – ist in ihrer geflügelten Interpretation spürbar. Das »Nocturne« strahlt eine zerbrechliche Poesie aus, während die virtuosen Passagen nie ihre leichte Note verlieren. Hier herrscht perfektes Einvernehmen zwischen Solist und Orchester, mit Vass als engagiertem Begleiter.
Tippetts Klavierkonzert (1955) gehört zu seinen überzeugendsten Werken. Hammond erfasst instinktiv, wie die Spannungsbögen aufgebaut werden müssen: Ihr Klang ist monumental ohne Übergewicht und die klimaktischen Momente wirken umso kraftvoller. Im zentralen Molto lento e tranquillo navigieren Pianistin und Orchester durch ein Labyrinth aus Klang und Farbe, mit klarem Blick und ohne in Nebelhaftigkeit zu verfallen. Im Schlussteil bricht das Werk in eine tänzerische Vitalität aus, von der musikalische Funken sprühen. Vass hält die manchmal schwere Orchestrierung leicht, und das BBC Symphony Orchestra gibt sich mit voller Hingabe.
Mehr als Bravour: Clare Hammond als Entdeckerin
Hammond gilt als eine der neugierigsten und vielseitigsten Pianistinnen ihrer Generation. Sie verbindet eine klare Technik und transparante Anschlagskultur mit großer musikalischer Neugier. Alben wie Études(2014), in denen Klassiker neben neuen Etüden stehen, ihr erfinderisches Josef Mysliveček: Complete Keyboard Musicund das introspektive Ghosts & Whispers(2021) sind der Beweis dafür. Hammond ist nicht nur eine virtuelle Solistin, sondern auch eine begeisternde Kammermusikerin und eine Verfechterin zeitgenössischer Musik.
Ihre internationale Anerkennung – etwa ihre Auszeichnung mit dem Young Artist Award der Royal Philharmonic Society – entspringt ihrer originellen Vision, ihren feinsinnigen Wahlen und ihrem Mut, unbekannte Territorien zu erkunden. Diese Aufnahme ist dafür ein Paradebeispiel: Hammond würdigt vergessene Meisterwerke auf eigenwillige und tiefgründige Weise.
„Fazit: Eine absolute Empfehlung"
British Klavierkonzerts: Walton, Britten & Tippettist eine CD, die gleichermaßen durch das Programm wie durch die ausdrucksstarke und feinsinnige Interpretation besticht. Hammond lässt die oft komplexen Partituren klingen, als wären sie selbstverständlich: intelligent, emotional und immer im Dialog mit dem Orchester. Für alle, die ihr Repertoire erweitern und den Reichtum der britischen Moderne entdecken möchten, ist Hammonds CD eine absolute Empfehlung.
Ein vorzügliches Plädoyer für das britische Klavierkonzert, mit Clare Hammond als überzeugende Botschafterin.



