Ich lernte diese Musik kennen, als ich fünfzehn war und im Fernsehen eine Dokumentation sah, in der Vladimir Ashkenazy eines der Stücke spielte. Das berührte mein Herz. Ich war damals bereits seit einiger Zeit besessen von Bachs Wohltemperiertem Klavier und diese Variante des zwanzigsten Jahrhunderts faszinierte mich sofort.
Als Hannes Minnaar, einer der führenden Musiker unserer Zeit, 2020 die Goldberg-Variationen von Bach aufnahm, kam ihm bereits der Plan in den Sinn, eine CD mit den 24 Präludien und Fugen opus 87 von Dmitri Schostakowitsch zu machen. Mit dieser reinen Bach-Musik im Kopf wanderten die Gedanken unwillkürlich zu diesem Werk des Russen, erklärt er. Das ist nicht wirklich verwunderlich, trotz der gut zweihundert Jahre, die zwischen der Entstehung dieser Stücke liegen: beide Werke bilden ihr eigenes Universum polyphoner Musik.
Wie fast jeder Komponist beschäftigte sich Schostakowitsch sein Leben lang mit dem Werk von Bach. Seine 1950/1951 komponierten Präludien und Fugen sind allerdings extremer als die von Bach. Besonders die Präludien, die manchmal symphonischen Charakter haben. Und obwohl die Fugen genauso streng sind wie die von Bach, erfindet er seine eigenen Regeln: so wird die erste Fuge nur auf den weißen Tasten gespielt. Das Thema der siebten Fuge ist eigentlich ein großer gebrochener Akkord. Auf seine eigene Weise erkundet er die Grenzen der Möglichkeiten.
Nach Bachs Goldberg-Variationen, die ihm weltweite Anerkennung brachten (einschließlich eines Diapason d'Or), zeigt Hannes Minnaar auf diesem Album erneut die Qualitäten seines Klavierspiels: sein differenziertes Anschlag, Spontaneität, natürliche Finesse in der Phrasierung und Vertrautheit mit der Partitur gehen Hand in Hand mit einer Frische, die ein Gefühl von Improvisation hervorruft. Das Ergebnis ist ein neuer Meilenstein in der Reihe der Interpretationen dieser wunderbar schönen Musik.
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