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Klassik Zentral

Mozarts Don Giovanni in Opera Ballet Vlaanderen: Orchester sorgt für musikalische Spitzenleistung

Mit Don Giovanni präsentiert Tom Goossens seine zweite Mozart-Oper, wieder eine aus der Da-Ponte-Trilogie. Der Regisseur ist ein erfahrener Opernerzähler. Das habe ich aus dem fesselnden Gespräch mitgenommen, das er in "Der Liebhaber" führte, dem wöchentlich unterschätzten Samstagsprogramm meiner (ehemaligen) Kollegin Katelijne Boon. Er hat das auch bereits mehrmals auf der Bühne bewiesen. Im großen Opernrepertoire war von ihm im Juni 2023 in OBV die andere Da-Ponte-Oper von Mozart zu sehen: Die Hochzeit des Figaro.

Nachtstück mit Leiter

Der Anfang ist jedenfalls auffällig: Die Vorstellung scheint vorbei zu sein! Der Chor kommt zum Grüßen während der Ouvertüre heraus. Will der Regisseur subtil darauf hinweisen, dass die Geschichte, die wir sehen, sich immer wiederholen kann? Der Rahmen der Vorstellung ist in jedem Fall völlig undefiniert und zeitlos. Die Choreografie, die die Chormitglieder dabei aufführen, ist während der vielsagenden Ouvertüre überflüssig. Solche sinnlose Choreografie kommt im Laufe des Stücks noch häufiger vor. Dass sie in Unterwäsche stehen, ist hässlich und lächerlich und auch das ist eine Art "Markenzeichen" der Inszenierung. Erleichtert, dass Donna Elvira mit ihrer Arie auftritt Ach, was sagst du mir denn da in einem schönen roten Kleid.

Von Bühnenbild ist kaum die Rede. Die nüchterne Bühne ist ein großer dunkler, undefinierter Raum mit hin und wieder vorbeiziehenden Wolken und Beleuchtungseffekten. Auf und ab ein langes Plateau zu betreten ist die einzige Möglichkeit, wie sich die Sänger fortbewegen. Ein langer Streifen mit der Katalog-Arie ist vom Parterre aus kaum zu sehen. So schön die Hühner auf dem (imaginären) Hof von Masetto auch sind (er ist schließlich ein Bauer!), es ist doch ein armseliges Treiben, diese Tiere über die Bühne scharren zu sehen ... Traurig wird es außerdem, wenn während des Hochzeitsfests Diener mit (nachgeahmtem) gebratenem Huhn am Spieß vorbeigehen. Sicherlich zum Lachen gemeint, schließlich sitzen wir in einem dramma giocoso, aber doch etwas Bitteres ...

Von viel Personenregie ist keine Rede. Die Verführungsfähigkeit von Don Giovanni geht zwischen dem kaum als Bauernpaar zu erkennenden Brautpaar Zerlina-Masetto verloren. Dass die arme Zerlina bei ihrem Hochzeitsfest auch in farbloser unterwäscheähnlicher Ausstattung erscheint, ist zumindest bizarr. Glücklicherweise hat ihr Bräutigam Masetto einen schönen Schleier-Rock, den er ihr anziehen lassen kann. Man wartet auf die Szene, in der Don Giovanni die Kleidung mit Leporello für das Ständchen bei Donna Elvira tauscht Komm doch ans Fenster um einen gelungenen Versuch der Verführung/Täuschung zu sehen. Die witzige Mitbewegung Leporellos bei Don Giovannis Gesten charakterisiert Leporello als den Diener, der Don Giovannis Gleicher sein möchte, aber auch von ihm verspottet wird und sich dennoch nicht von ihm losreißen kann. Schade, dass dieser gute Einfall kurz darauf wiederholt wird und so an Wirkung verliert. Ebenso wie das Zerwerfen von Weinflaschen, wenn Don Giovanni wütend wird. Aber die scharfsinnige Balance zwischen Lust und Liebe, Freiheit und Respekt, Leben und Tod, das geht dieser Inszenierung ab. Das Ineinanderflechten von Komik und Tragik bleibt oberflächlich.

Kommendator

Es gibt ein auffälliges und bleibendes Requisit in der Bühnendekoration: eine lange Leiter. Diese Leiter stellt die Figur des Commendatore ins Zentrum. In einigen entscheidenden Szenen erklimmt der Commendatore die Leiter hinauf und herab als der Geist, der nicht nur am Ende erscheint, sondern Don Giovanni bei seinen ausschweifenden Abenteuern beobachtet hat. Mit seinem durchdringenden Blick ist er die schärfste psychologisch gezeichnete Figur der Oper. Der (von Don Giovanni) getötete Vater von Donna Anna wird den kriminellen Frauenverführer letztendlich mit dem Tode bestrafen, aber er hat ihm durch die ganze Oper hindurch gefolgt.

Die Musik sagt alles

Der große Gewinner der Vorstellung ist Dirigent Francesco Corti mit dem Sinfonischen Orchester Opera Ballet Vlaanderen. Er hat alle Nuancen der Verführung, des Dramas, der Ironie aus Mozarts Partitur deutlich herausgefiltert und unterstützt mit dem Orchester die emotionale Wirkung der Sänger, die als Schauspieler wenig Ausdruckskraft zeigen. Stimmlich leisten sie insgesamt gute Dienste: Michael Arivony als Don Giovanni, Arianna Vanditelli als Donna Elvira sind auf jeden Fall akzeptabel, was nicht für Kateryna Kasper als Donna Anna gilt, die besonders in ihrer Arie Or sai chi l'onore hässliche hohe Noten. Michael Mofidian stiehlt die Show als Leporello, ausgelassen und witzig. Die Mitglieder des Jong Ensemble Opera Ballet Vlaanderen verdienen auf jeden Fall erwähnt zu werden. Sawako Kayaki war eine beachtliche Zerlina, ohne Frage, während Emanuel Tomljenovic einen verdienstollen Don Ottavio sang, eine Partie mit einem schwierigen Gleichgewicht zwischen weinerlich und dramatisch.

Detalhes:

Título:

  • Mozarts Don Giovanni in Opera Ballet Vlaanderen: Orchester sorgt für musikalische Spitzenleistung

Künstler:

  • Francesco Corti, Dirigent - Tom Goossens, Regie - Sinfonieorchester und Chor Opera Ballet Vlaanderen - Stimmen: Michael Arivony, Kateryna Kasper, Arianna Vanditelli, Emanuel Tomljenovic, Michael Mofidian, Sawako Kayaki

Ort:

  • Oper Ballet Flandern, Antwerpen

Datum:

  • 14. Januar 2026

Fotografie:

  • Annemie Augustijns

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