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Klassik Zentral

‚More Magical Musical Memories'

Das Format BelLISSAma lässt sich nicht in eine Schublade stecken, sondern umfasst ein breites Musikspektrum und schlägt eine Brücke zwischen Stilen, Temperamenten und Generationen. Die Konzerte mit Fokus auf «Musical» waren und sind sehr erfolgreich. Bei diesem Event waren alle Tickets im Handumdrehen ausverkauft. Eine zweite Auflage musste eingeplant werden. Das gleiche Szenario wiederholte sich bei einer dritten und vierten Auflage...

Drei klassisch ausgebildete Musiker tauchten das Publikum über zwei Stunden lang in die schönsten Musical-Nummern ein. Bariton Hans Peter Janssens, ein international renommierter Musicalstar, traf aus dem umfangreichen Angebot eine schöne und abwechslungsreiche Auswahl. Es entstand ein beeindruckendes Ganzes mit überzeugender Dramaturgie. Aus verschiedenen Musicals wurden zwei oder drei Lieder mit unterschiedlicher emotionaler Tiefe ausgewählt. Lissa Meyvis ist ein Allroundtalent: Oper, Chanson, Kunstlieder und auch im Musical kann sie ihr vielseitiges Talent ausleben. Sie ist eine Künstlerin mit Leidenschaft und Charisma. Bei jedem Lied macht sie das Publikum zu Teilhabern ihrer Botschaft: von euphorisch bis naiv, verspielt, sehnsüchtig und traurig. Viele Opernsänger singen technisch perfekt, aber in Bezug auf Einfühlungsvermögen und Vermittlung bleiben sie blass. Lissa kann beides und das macht sie so einzigartig und beliebt. Sie werden begleitet von Pianist Alex Roosemeyers. Drei ausgeprägte Persönlichkeiten, die von außergewöhnlichem musikalischem Handwerk zeugen.

Mit dem Eröffnungslied «Another Op'nin, Another Show» aus Kiss me Kate ziehen sie das Publikum sofort in die magische Welt des Musicals. Dieses Musical handelt von einem Konflikt zwischen Mann und Frau sowohl auf als auch neben der Bühne. Dass Hans Peter Janssens es so weit brachte und mehrmals monatelang im Westend stand, was wenig Sänger auf seiner Liste haben, verdankt er seinem wunderschönen Bariton mit warmer Ausstrahlung.

Anschließend wurden drei Lieder aus Camelot (1960) ausgewählt. Ein klassisches Broadway-Musical basierend auf der Artussage. Eine zeitlose Geschichte über den Kampf zwischen Leidenschaft und Pflicht. Alles dreht sich um ein Liebesdreieck, die tragische Liebe zwischen König Arthur, Guinevere und dem französischen Ritter Lancelot. Hans Peter Janssens beschwört zunächst für Guinevere die Vorzüge des Lebens auf Schloss Camelot. Ein Verführungstrick wie jeder andere. Im Duett «What Do the Simple Folk Do?» erforscht Lissa die Frage, wie gewöhnliche Menschen leben und ihren Tag verbringen, im Moment. Sie improvisiert vor Ort mit großer Natürlichkeit und Charme und gibt ihrem Partner damit zusätzliche Inspiration. Die dritte Nummer «If Ever I Would Leave You», einer der Höhepunkte dieses Musicals, ein echter Ohrwurm, spielt Hans Peter mit großer Gefühlstiefe.

Lissa ist wieder an der Reihe mit «Don't Rain on My Parade» aus dem Musical Funny Girl von 1964, das die wahre Geschichte der jüdischen Komikerin, Sängerin und Schauspielerin Fanny erzählt. Ikonisch verkörpert von Barbra Streisand. Lissa macht es auf ihre eigene Weise, eher zurückhaltend als ausgelassen, was es reizvoll macht und zusätzliche Tiefe verleiht.

Dann folgen zwei Songs aus Show Boat, ein Musical von 1927. Im Lied «Ol' Man River» kann Hans Peter wieder glänzen. Das Lied wird vom Charakter Joe gesungen, ein Hafenarbeiter auf einem Showboat auf dem Mississippi. Gefühlvoll und mit flexibler Stimme vom tiefen bis hohen Ton singt er dieses intime Lied mit reinem und erzählendem Charakter. Lissa schließt sich mit dem schönen «Can't Help Lovin' Dat Man» an, auf verfeinerte Weise besingt sie die Liebe. Besonders in schwierigen Zeiten ist Liebe der Anker, an dem man sich festklammert.

Aus The Sound of Music wurden drei Lieder ausgewählt. Lissa probierte einmal für die Rolle der Maria in The Sound of Music vor, aber sah ihren Traum durch eine schwere Halsentzündung zerschlagen. Auf ihre eigene, temperamentvolle und neckende Art singt und jodelt sie munter im Lied «The Lonely Goatherd». Dann folgt ein Duett «Something Good», in dem sich zwei Menschen zueinander hingezogen fühlen, und Hans Peter endet mit dem einzigartigen «Edelweiss», eine Ode an die Natur und Österreich.

Das Musical «My Fair Lady» war sowohl auf der Bühne als auch im Film erfolgreich, mit der charmanten und wunderschönen Audrey Hepburn in der Hauptrolle. Lissa tritt ihr mit dem verträumten «I Could Have Danced All Night» entgegen. Ihr ganzer Körper schwingt mit. Aus «Gay Divorce», Musik Cole Porter, von 1932 bringt Hans Peter «Night and Day», ein Lied, das zu einem internationalen Hit wurde und sich zu einem Evergreen entwickelt hat.

Das Musical Cabaret erinnert zunächst an Unterhaltung und Tanz. Hinter der Fassade von Ausgelassenheit und Vergnügen verbergen sich Menschen, die wie alle anderen mit Trauer, Dilemmata und Hoffnung konfrontiert werden. Lissa interpretiert auf sublime und transparente Weise «Maybe This Time». Eine Interpretation, die nicht aufdringt, sondern Raum zum Zuhören und Interpretieren lässt. In der letzten Nummer des ersten Teils schwärmen Lissa und Hans Peter sich gegenseitig im Superlativ an mit «You're the Top» aus Anything Goes.

Nach der Pause wird in dem Duett «Love Changes Everything» aus Aspects of Love die Liebe in allen Tonlagen mit zwei wunderbar verschmelzenden Stimmen besungen. Anschließend zwei Lieder aus dem Märchenmusical Beauty & the Beast. Hans Peter eröffnet mit «Evermore», in dem Zauberkraft und Anderssein im Vergleich zum Durchschnittsmenschen beleuchtet werden. Trotz allem mit einer inneren Haltung des Vertrauens in Menschen und Leben, und Lissa folgt mit «Home». Mann und Frau beleuchten die Situation. Über die Hässlichkeit und die Behinderung hinausschauen. Ein immer noch aktuelles Problem. Lissa ist in all diesen verschiedenen Liedern ein Chamäleon mit den schönsten und intensivsten Farbdynamiken.

Aus dem eindringlichen Musical Les Misérables nach einem Werk von Victor Hugo, drei Nummern. Jean Valjean war die Erfolgsrolle von Hans Peter Janssens und sein internationaler Durchbruch. Er singt zunächst «Master of the House». Dann Lissa mit «I Dreamed a Dream». Nicht das Zitat von Martin Luther King, sondern vom Charakter Fantine. Es ist ein ergreifendes Klagelied, in dem sie auf ihr trauriges Leben zurückblickt, und Hans Peter schließt mit «Empty Chairs at Empty Tables» ab. Marius singt diese emotionale Solorolle, nachdem die Revolution niedergeschlagen wurde. Er ist der einzige Überlebende seiner Freundesgruppe. Ein Lied, das in Anbetracht der geopolitischen Unruhen und der vielen unschuldigen Opfer nachwirkt.

«A Whole New World» aus Alladin ist ein Duett, in dem Aladdin und Jasmine ihre Liebe zueinander bestätigen, während sie auf einem magischen Teppich fliegen. In diesem Setting muss man sich den Teppich noch dazudenken. Die beiden Stimmen wenden sich umeinander wie ein Balzrituale. Im Lied «Memory» aus dem Musical Cats (1981), komponiert von Andrew Lloyd Webber, mit Text von Trevor Nunn und basierend auf Gedichten von T.S. Eliot, lebt sich Lissa vollständig aus. Es wird vom Charakter Grizabella gesungen. Es ist eine melancholische Erinnerung an ihre glamouröse Vergangenheit und ein Plädoyer für Akzeptanz. In den ausgewählten Nummern steckt oft eine gesellschaftliche Botschaft.

Das Musical Jekyll & Hyde dreht sich um jemanden mit zwei Gesichtern, teilweise freundlich, aber auch mit einer sehr dunklen Seite. Noch eine Rolle, die Hans Peter Janssens mit Verve spielte. Die Herausforderung besteht darin, auch für solch einen Charakter ein wenig Sympathie zu wecken. Im Duett plädiert Jekyll für «Take me As I am». Hans Peter entschied sich für das Lied «Hell to Your Doorstep» aus dem Musical The Count of Monte Christo. Gefängnis ist Buße, aber macht das Individuum deswegen nicht automatisch besser.

Aus dem Musical Notre Dame de Paris wird das Duett «Les oiseaux qu'on met en cage» aufgeführt. Die Tragödie von Quasimodo, dem Glöckner von Notre Dame, der sich in die schöne Zigeunerin Esmeralda verliebt. Aus dem hochgelobten Musical City of Angels (1989) singt Lissa «Lost and Found». Es ist ein verführerisches Jazzlied, das die typische Film-Noir-Atmosphäre atmet und die Stimmung der 1940er Jahre perfekt einfängt. Als Schlusspunkt wurde das Musical Spamalot gewählt. Der Titel ist eine Verschmelzung von Spam und Camelot. Ein bekanntes äußerst komisches Musical, eine liebevolle Parodie auf die Artussage und den Film Monty Python and the Holy Grail von 1975. Der Ernst wird aus den Angeln gehoben. Hans Peter schuf aus dem englischen Text eine würzige, ironische deutsche Übersetzung. „Das Lied, das so klingt". Herrlich ungeschminkt.

Dieser Trioteil sorgte für Kontrast und Überraschung. Es waren erneut zwei musikalische Stunden voller Intensität und lyrischer Verzückung, von denen man sich erst mal erholen musste. Lieder, die oft ein Lächeln, ja sogar ein Lachen hervorriefen, unter die Haut gingen und eine Träne zum Fließen brachten.

Detalhes:

Título:

  • ‚More Magical Musical Memories'

Künstler:

  • Alex Roosemeyers, Pianist - Lissa Meyvis, Sopran - Hans Peter Janssens, Bariton

Ort:

  • Fakkeltheater, Antwerpen

Datum:

  • 8. März 2026

Fotografie:

  • Herman Van Hove
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