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Klassik Zentral

Michael Maul: Bach – Eine Liebeserklärung

Das neueste Buch über Johann Sebastian Bach ist ein besonderes Werk, allein schon wegen der Behandlung der meistdiskutierten Werke: die Kantaten, die Bach in seinen ersten Jahren in Leipzig (1723-1727) komponierte. Eine von Bachs Aufgaben in Leipzig war es, wöchentlich Musik für den Sonntagsgottesdienst zu schreiben, was zu mehr als 100 Kantaten führte. Michael Maul, ein deutscher Bach-Experte, von dem zuvor unter anderem eine umfangreiche Bildbiographie erschien, geht bei diesen Werken kurz und prägnant auf die theologischen und liturgischen Hintergründe, die Textdichter, die praktischen Fragen bei der Entstehung und die Beziehung zwischen Text und Musik ein. Er versteht die Bedeutung all dieser Aspekte: Obwohl die Reihenfolge der Phasen im Kompositionsprozess festgelegt ist und bleibt, erkennt er glücklicherweise an, dass jede Phase die vorherige in neuem Licht erscheinen lassen kann. Textdichter können mit einer gewissen Freiheit entscheidende Bibeltexte auslegen, ein Komponist kann dies mit dem Text tun, ein Musiker mit der Partitur, wir im Jahr 2024 mit Material von vor drei Jahrhunderten. Maul tut dies in kleinerem Maßstab (denn eine ausführliche Besprechung aller Kantaten auf diese Weise würde das Buch fünfmal so dick machen), aber er anerkennt die Bedeutung des Wechselspiels und der ständigen Interpretation von bestehendem Material und hat ein Gespür für aussagekräftige Details. Musik ist sowohl Illustration und Intensivierung des Textes als auch Interpretation und Eintritt in einen neuen spirituellen Bereich – und vor allem das Spiel dazwischen.

Muss man Maul trotz dieser angenehmen Breite dennoch einordnen, dann ist er vermutlich eher ein Mann des Wortes als der Musik, obwohl er ausführlich darauf eingeht, dass Bach nach einigen Jahren in Leipzig in seinem Amt etwas müde wurde und sich eine Stelle anderswo wünschte. Instrumentalwerke werden keineswegs übersehen, aber Maul äußert sich ausführlicher zu den großen Vokalwerken wie der Matthäus-Passion und der Hohen Messe. Einerseits bespricht er ausgiebig die religiösen Aspekte beider Stücke, andererseits erkennt er an, dass Bach darin dieselben Kompositionstechniken anwendet, die auch für seine Instrumentalkompositionen charakteristisch sind. Ohne es ausdrücklich zu sagen, beantwortet Maul die viel gestellte Frage, was Bach mehr war: Gläubiger oder Handwerker. Die sympathische Antwort: beides, das eine kann ohne das andere nicht existieren, die Frage nach Priorität ist irrelevant. Dass Bach nicht in die Schublade einseitiger Bewunderer passt, illustriert Maul auch durch seine Besprechung der Einflüsse auf Bach.

Über Bach ist sehr wenig bekannt. Persönliche Dokumente gibt es kaum, die bekannten Porträts werden angezweifelt und verschiedene Kompositionen sind verloren gegangen. Versuche, das Werk oder die Person besser zu verstehen, indem man den Kontext hinzuzieht, sind verständlich (Christoph Wolff nutzt in seiner großen Biographie gerne diese Methode), aber sie lenken davon ab, dass Bach auch ein eigensinniges Wesen war, das tat, was er wollte, unabhängig vom Kontext, zumindest in seiner Kunst. Andernfalls versteht man nicht, warum seine Vorgesetzten manchmal sehr kritisch gegenüber seiner Arbeit waren, ihn sogar zur Rechenschaft zogen und einige sein Ableben überhaupt nicht bedauerten. Auch Maul hat Fragen zu verschiedenen Kompositionen und Situationen und richtet sie an Bach, in Passagen mit ungewöhnlicher Typographie. Natürlich bekommt er keine Antwort, aber seine Vermutungen regen uns zum Nachdenken über Bachs Motive an und laden zu weiterer Forschung ein, durch die diese Fragen vielleicht eines Tages beantwortet werden, obwohl ich vermute, dass diese Antworten eher aus noch unbekannten Dokumenten kommen als aus einer neuen Perspektive auf bereits bekannte Dokumente, aber in dieser Sache kann man sich natürlich nie sicher sein. Maul kennt die Bach-Dokumentation aus dem Effeff und kann gut erklären. Er schreibt nicht ganz für Anfänger und erklärt daher nicht alles, aber er weiß, wie er Laien und Liebhaber an sich bindet. Die vielen Illustrationen beleben den Text, die Chronologie und Werkliste sind sehr nützlich, über einen QR-Code können die besprochenen Stücke angehört werden und die Übersetzung von Clemens Romijn macht die Argumentation angenehm lesbar. Das Ganze passt vollständig zum Untertitel: Eine Liebeserklärung. Nach der Lektüre des Buches möchte man vor allem zuhören und bewundern. Geheimnis hin oder her, die Liebe wächst.

© Emanuel Overbeeke

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Von Michael Maul erschien auchBach – Eine Bildbiographie / Pictorial Biography (klicken Sie hier für die Rezension).

Detalhes:

Título:

  • Michael Maul: Bach - Eine Liebeserklärung

Etikett / Herausgeber:

  • Bijleveld, Utrecht (2024), 237 S., Paperback, illustriert - ISBN 978-90-6131-412-7

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