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Faszinierende 'Frau Bob'

Frau Bob ist Teil einer Reihe herausfordernder Begegnungen zwischen dem Musiktheater De Kolonie und großen Theaterpersönlichkeiten. De Kolonie arbeitet immer mit Originalmaterial, sowohl textlich als auch musikalisch.

Artist in residence Peter De Graef zauberte erneut einen flüssig geschriebenen Text aus dem Ärmel mit der typischen De Graef-Handschrift: scharfsinnig und pointiert. Frau Bob ist eine Dame mit Geheimnissen. Sie hat eine spektakuläre Karriere auf Trümmern aufgebaut, gleichsam als eine Art Revanche. Bei ihrem skrupellosen Aufstieg sind alle Mittel recht, und sie läßt ein paar kräftige Statements fallen, die völlig quer zum #MeToo-Diskurs stehen.

Seien wir ehrlich: Frauen, die Karriere machen, indem sie Männer besänftigen und um den Finger wickeln, das gibt es auch. Mit messerscharfem Messer seziert die Autorin die Welt der Hochfinanz, der Demokratie, der Medien. Die Stigmatisierung der armen Schlucker. Geld ist immer noch der beste Schutz vor Diskriminierung! Als Pharma-Lobbyistin wird Frau Bob, sozusagen im Schlaf stinkreich. "Nehme ich ein Flugzeug... oder kaufe ich mir selbst eines?" oder "wer fährt denn noch zwei Jahre in derselben Rolls Royce herum?", mit solchen Aussagen zur Schau trägt sie ihren machtvollen Status.

Bo Spaenck, der Gründer des Musiktheaters De Kolonie, komponierte wunderbare, manchmal schauderhafte Musik, live aufgeführt von ihm selbst und dem Bratscher Marc Tooten. Musik, die Tania Van der Sanden trägt und vorantreibt in einem ständigen Wechselspiel. Bei der Inszenierung wurde sie von Sam Bogaerts gecoacht, einem Mann mit beeindruckender Theatererfahrung, dem man keine schöpferische Unentschlossenheit vorwerfen kann. Zusammen feilten sie am Charakter und destillierten so eine beeindruckende und faszinierende Frau Bob mit einer eigenen Dynamik. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Künstler verschiedener Disziplinen schaffen in einem subtilen, exuberanten oder gequälten Dialog eine stahlharte Inszenierung.

Tania Van der Sanden <> Frau Bob

Die beiden Musikanten bilden eine Art Dreiheit mit der Spielerin und hatten ihren Platz auf einer Erhöhung, cour und jardin, umgeben von einem feinen Gaze, einer diffusen Präsenz. Zwischen beiden Zylindern schreitet eine Dame mit mystischem Glamour nach vorn, ganz in Smaragdgrün gekleidet: Haute-Couture-Kleid, üppiger Hut (eine Anspielung auf Medusa?), hohe Absätze, Ohrringe, Ringe, Halskette, grüner Nagellack. Mit ihrer vollen, tiefen und warmen Stimme nimmt die Meistererzählerin Tania Van der Sanden das Publikum sofort in ihre Gewalt. Eine Stimme, die samtig sanft streicheln kann, aber genauso gut mit Widerhaken einreißen und zerreißen kann.

Die Inszenierung ist voller Widersprüche: warm, bitter, heftig, herausfordernd. Ohne Scheu stellt sie ihren ganzen Werdegang zur Schau. Eine Schauspielerin mit Präsenz. Die Bühne ist ihr Habitat. Ihre Körpersprache erinnert an einen Oktopus, der mit seinen Fangarmen alles greift, was in seine Reichweite kommt. Was ordentlich konsumiert werden muß, ist der Moment. Als einzige Frau in einem Korb voller mächtiger Männer erlernt sie die rücksichtslosen Tricks, um nach oben zu gelangen. Der Hunger nach mehr Macht und Reichtum trübt den Blick und untergräbt das Urteilsvermögen... Bis man ihr sagt, daß sie noch ein paar Wochen zu leben hat. In einer öffentlichen Beichte macht sie reinen Tisch mit etwas, das sie Jahre lang belastet hat. Die Symbole von Reichtum und Wohlstand erlöschen, bis sie nur noch im Hemd dasteht. Ihre große Liebe entpuppte sich als große Enttäuschung und sie nahm kühl Rache.

Die Musik verleiht all diesen Gemütszuständen mehrfarbig zusätzliche Tiefe, die Dimension, die sich nicht in Sprache fassen läßt. Sie rast manchmal wie ein Orkan daher oder flattert spielerisch und ausgelassen wie ein Schmetterling durch den Raum. Die gesamte Inszenierung ist äußerst nüchtern gehalten, aber genau das ist ihre Stärke. Der Text ist zum Genießen, die Textprojektion, das Spiel und der Gesang von Tania van der Sanden sind hervorragend, die umrahmende Musik macht das Bild komplett. Eine Inszenierung, die von Anfang bis Ende fesselt.


  • WAS": Frau Bob
  • WER": Musiktheater De Kolonie und HERMESensemble, Text Peter De Graef, Spiel Tania Van der Sanden, Musik Bo Spaenck und Marc Tooten
  • WO & WANN": 3. Oktober im CC 't Bolwerk Vilvoorde
  • Klassiek-Centraal.be » Halka, eine Oper zum Entdecken Kommentare Feed": © Jan Marchand, © Pat Verbruggen, Herman Houbrechts

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  • Faszinierende 'Frau Bob'

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